Umweltverbände schreiben der Bundeskanzlerin
Voller Angriff auf den Verbrenner

Fünf große Umweltverbände werfen Kanzlerin Merkel und dem KBA Untätigkeit im Dieselskandal vor – und wollen nun auch Benziner auf Manipulationen prüfen lassen. Die Industrie hält die Attacke für überzogen.

DüsseldorfDer Brief ist adressiert an Bundeskanzlerin Angela Merkel persönlich. Unterschrieben haben ihn die vier wichtigsten Umweltverbände des Landes und ein alternativer Automobilclub. Auf zwei Seiten empfehlen der BUND, die Deutsche Umwelthilfe, Greenpeace, der NABU und der AVD der Kanzlerin, der Autoindustrie nach dem Skandal um manipulierte Diesel-Abgaswerte, die Daumenschrauben anzulegen – und nehmen dabei auch die Benziner ins Visier.

„Mit den nun aufgedeckten Manipulationen von VW ist der endgültige Beweis erbracht, dass Autohersteller systematisch Umweltvorgaben umgangen und damit Verbraucher betrogen haben“, schreiben die Umweltverbände in ihrem Brief. Darum müssten nun alle Fahrzeugmodelle von den Behörden unter realistischen Bedingungen geprüft werden – Diesel genauso wie Benziner.

Es ist nicht die erste Attacke der Umweltverbände auf die Autokonzerne nach dem Skandal um manipulierte Abgaswerte bei Volkswagen. Deutsche Umwelthilfe und der BUND hatten zuletzt sogar gefordert, Diesel-Modellen als Reaktion darauf ein Fahrverbot zu erteilen. Der gemeinsame Angriff der fünf Verbände hat allerdings eine neue Qualität, weil er allen Herstellern vorwirft, die Verbraucher betrogen zu haben. „Wir wehren uns gegen diesen völlig falschen Generalverdacht“, sagt ein Sprecher des Verbands der deutschen Automobilindustrie (VDA) auf Anfrage des Handelsblatts.

Die Umweltverbände wollen, dass auch die Grenzwerte der Schadstoffe künftig strenger geprüft werden. Trotz der hohen Abweichungen der Abgaswerte zwischen der Straße und dem Prüfstand, habe eine „darauf bezogene behördliche Überprüfung […] bislang offenkundig nicht stattgefunden“. Darum sollen nach dem Willen der Umweltverbände die Modelle aller Hersteller nachgeprüft werden. Werden dabei Abweichungen festgestellt, solle das streng sanktioniert werden, heißt es in dem Schreiben. Welche bereits zugelassenen Modelle genau nachgeprüft werden sollen, können die Verbände auf Nachfrage nicht präzisieren. Es gehe aber nicht um alle Fahrzeuge, sondern um Stichproben. Nur bei offensichtlichen Verstößen sollten die Hersteller zur Nachbesserung verpflichtet werden. Der VDA hält den Vorschlag ohnehin für „wenig realitätsnah“. Im Ende könne das insgesamt rund 45 Millionen Fahrzeuge im Bestand betreffen, betont ein Sprecher.

Derzeit werden Autos noch nach dem sogenannten „Neuen Europäischen Fahrzyklus“ geprüft – ein vielkritisiertes Standardverfahren unter Laborbedingungen, das in der Regel niedrigere Abgas- und Verbrauchswerte liefert als in der Realität, aber derzeit gültiges Recht ist. Darum begrüßen die Umweltverbände einen zeitnahen Umstieg auf sogenannte „Real Driving Emissions“ (RDE), also eine Abgasmessung unter Straßenbedingungen, so wie sie Europäische Kommission ab 2017 vorschlägt. „Auch wir begrüßen realistischere Prüfverfahren“, sagt ein Sprecher des VDA. Allerdings müsse dabei garantiert sein, dass die Ergebnisse vergleichbar seien. Und zwar über mehrere Jahre hinweg. Hier seien klare Standards gefragt. Ansonsten könnten die neuen Prüfverfahren die Hersteller in Schwierigkeiten bringen. Zumindest, wenn die bisher festgelegten Grenzwerte weiterhin unverändert beibehalten werden, so wie es die Umweltverbände fordern.

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Voller Angriff auf den Verbrenner

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Auch Benziner im Visier

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