Unbekannter Interessent aus der Pharmabranche
Weiterer Bieter für Biotechfirma Imclone in Sicht

Offenbar gibt es einen zweiten Interessenten für das amerikanische Biotech-Unternehmen Imclone. Die Firma gab bekannt, dass der neue Bieter einen Preis von 70 Dollar je Aktie in Aussicht stelle - damit würde Imclone mit 6,1 Milliarden Euro bewertet.

FRANKFURT. Um die amerikanische Biotechfirma Imclone entwickelt sich möglicherweise ein Bieterwettkampf. Das Unternehmen gab gestern bekannt, dass nach dem US-Konzern Bristol-Myers Squibb (BMS) nun noch ein weiteres, großes Pharmaunternehmen Interesse an einer Übernahme signalisiert habe und dabei einen höheren Preis von 70 Dollar je Aktie in Aussicht stelle. Auf dieser Basis wird Imclone mit rund 6,1 Mrd. Dollar bewertet.

Dem potenziellen neuen Bieter räumt Imclone für die kommenden zwei Wochen die Möglichkeit ein, eine eingehende Prüfung (Due Diligence) des Unternehmens vorzunehmen. Die Imclone-Aktie legte daraufhin gestern im frühen New Yorker Handel sieben Prozent auf 68 Dollar zu. BMS hatte vor wenigen Wochen eine Offerte für Imclone in Höhe von 60 Dollar je Aktie vorgelegt, die das Imclone-Management jedoch als zu niedrig ablehnt.

Imclone hat das erfolgreiche Darmkrebsmedikament Erbitux entwickelt, das von BMS in Nordamerika und von der deutschen Merck-Gruppe in den Regionen außerhalb Amerikas vertrieben wird. Erbitux zählt zu den erfolgreichsten Neuentwicklungen der Pharmabranche in den letzten Jahren und erzielte im vergangenen Jahr weltweit 1,3 Mrd. Dollar Umsatz. Für die kommende Jahre trauen Analysten dem Mittel deutliche Umsatzsteigerungen zu. BMS ist bereits mit 17 Prozent an dem amerikanischen Biotechunternehmen beteiligt und gilt daher bereits seit längerem als naheliegender Käufer von Imclone.

Die Identität des neuen Bieters hat Imclone gestern nicht bekannt gegeben. Branchenkenner sehen vor allem andere Pharmakonzerne mit Engagement im Bereich der Onkologie, darunter Astra-Zeneca und die Schweizer Pharmariesen Roche und Novartis, als mögliche Interessenten. Als eher unwahrscheinlich gilt es dagegen, dass auch die deutsche Merck KGaA ein Auge auf Imclone geworfen hat. Nicht ausgeschlossen wird dagegen , dass Imcone-Chairman Carl Icahn die Gespräche mit einem weiteren potenziellen Bieter vor allem dazu nutzen will, BMS zu einer höheren Offerte zu zwingen. Der bekannte US-Investor ist mit rund 13 Prozent an Imclone beteiligt.

Ein Bieterwettbewerb um Imclone würde das wachsende Interesse von Pharmafirmen an erfolgreichen Biotechfirmen und-produkten zusätzlich unterstreichen. Entsprechende Strategien führten in jüngerer Zeit zu einer Reihe von großen Forschungsallianzen wie etwa die gestern besiegelte Kooperation von Glaxo-Smithkline mit Cellzome (siehe unten) sowie einer Serie von Akquisitionen, darunter die Übernahme der US-Firma Millennium durch die japanische Takeda und den Kauf der Schweizer Firma Speedel durch Novartis.

Der Schweizer Konzern Roche hat einen Anlauf gestartet, die restlichen Anteile seiner US-Mehrheitsbeteiligung Genentech für rund 44 Mrd. Dollar zu übernehmen. Dieses Angebot hat Genentech allerdings abgelehnt. Branchenkenner gehen daher davon aus, dass Roche sein Ziel ebenfalls nur über eine Aufstockung der Offerte erreichen wird.

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