Underwriters Laboratories: Größter US-Tüv erobert Europa

Underwriters Laboratories
Größter US-Tüv erobert Europa

Der Tüv bekommt Konkurrenz. Underwriters Laboratories, Amerikas größter Prüfkonzern, will seinen Anteil auf dem europäischen Markt ausbauen. Mit der Prüfung von Nischenprodukten und kleineren Übernahmen will der Konzern auch in Deutschland wachsen. Die Konkurrenz reagiert bisher gelassen.

DÜSSELDORF. Der Markt für technische Prüfdienste (Tüv) gerät immer stärker in Bewegung. Nun bläst mit Underwriters Laboratories (UL) der größte Prüfkonzern der USA zur Offensive und will stärker international expandieren - auch in Deutschland. UL reagiert damit auf die zunehmende Konkurrenz der deutschen Prüfdienste und privater Konzerne. Diese dringen wie die schweizerische SGS, die britische Intertek oder Bureau Veritas aus Frankreich verstärkt auf dem Weltmarkt. "Entweder wir wachsen auch oder werden in die Ecke getrieben," sagte José León, Deutschland-Chef von UL, dem Handelsblatt.

Das Unternehmen expandiert deshalb nun in neue Regionen und steigt in neue Geschäftsfelder ein. Traditionell stark ist UL bei der Prüfung von Eletrogeräten und-anlagen sowie im Brandschutz. Der 1894 von US-Versicherungen als eine Art Stiftung gegründete Dienst will künftig auch in die Prüfung von Umwelttechnologien, erneuerbaren Energien, Wasser und Nahrungsmitteln einsteigen. Zudem sollen Fertigungs- und Betriebsabläufe von Unternehmen zertifiziert werden. Dazu gliedert sich UL in fünf Sparten auf.

Das Prüfzeichen des Dienstes ist mit dem CE-Zeichen in Europa vergleichbar und Standard in den USA. Eine UL-Zertifizierung ist in der Regel für den Zugang auf den amerikanischen Markt nötig. Jährlich finden sich 21 Mrd. Prüfzeichen des Konzerns auf Produkten von 71 000 Herstellern. Zu UL gehören 62 Labore und Prüfzentren in 104 Ländern.

Wachgerüttelt hat die Amerikaner offenbar die geplante Fusion der beiden großen deutschen Tüv aus Köln und München. Sie ist allerdings gerade am Veto des Kartellamts gescheitert. Die Technischen Überwachungsvereine wollten gemeinsam der internationalen Konkurrenz kapitalkräftiger Konzerne Paroli bieten. Außerdem kreuzen die Tüv bereits vor der Haustür von UL auf: So hat der Tüv Rheinland 2008 in den USA zwei Prüfgesellschaften übernommen und ein Joint Venture im Bereich Photovoltaik mit der Arizona State University gegründet.

"Wir sehen dem Einstieg der UL in Deutschland mit Gelassenheit entgegen", sagte ein Sprecher des Kölner Tüv. UL sei eher ein Nischenanbieter und weder in der Fahrzeugprüfung noch bei der gerade liberalisierten Prüfung von Aufzügen und Dampfkesseln tätig. Ernster nehmen die Tüv dagegen SGS, Bureau Veritas und Intertek. Die Unternehmen sind alle bereits in Deutschland präsent und versuchen, den Vereinen und der Stuttgarter Dekra Anteile im 20 Mrd. Euro schweren Prüfmarkt abzujagen. Sie haben zum Teil Finanzinvestoren im Boot und können so ihre Expansion leichter finanzieren.

UL setzt dagegen vor allem auf Wachstum aus eigener Kraft und kleinere Übernahmen, wie León einräumt. Zur Finanzierung größerer Übernahmen sei die Beteiligung von Investoren und damit der Umbau zu einer Kapitalgesellschaft unerlässlich, sagt er. Angesichts der Organisation als Stiftung dürfte dies ein ähnlich langwieriger Prozess sein wie bei den deutschen Vereinen.

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