Auch Toyota
kann sich dem derzeitigen Abwärtstrend in der Autobranche nicht entziehen. Im Zeitraum von April bis Juni erzielte der weltweit Branchenzweite im Vergleich zum sehr guten Vorjahr einen 28 Prozent geringeren Nettogewinn. Probleme macht ein Anstieg des Yen und höhere Ausgaben für Stahl und Energie.
PEKING. "Das Finanzergebnis sieht dieses Mal nicht so gut aus, weil sich die Geschäftsumgebung stark verändert hat", sagte Vorstandsmitglied Mitsuo Kinoshita. Der Absatz an Fahrzeugen stieg jedoch wie gewohnt leicht an. Fürs Gesamtjahr rechnet das Unternehmen damit, seine Prognosen für Umsatz und Gewinn halten zu können. Der Konzern ist in seinem Ausblick meist so konservativ, dass nach unten noch Spielraum für eine ungünstige Entwicklung bleibt.
Der Gewinnrückgang entspricht der Lage der Autobranche, die weltweit unter Konsumzurückhaltung und hohen Rohstoffpreisen leidet. "Toyota kann dem schrecklich schlechten Marktumfeld nicht entgehen", sagt Fumiyasu Sato von Milestone Asset Management. In den USA schrumpfen die Verkäufe, und selbst auf dem wichtigsten aufstrebenden Automarkt China hat das Absatzwachstum auf knapp sieben Prozent abgebremst. Das geht aus Branchenzahlen hervor. Dämpfend haben in China vor allem höhere Benzinpreise gewirkt - und die Olympischen Spiele. "In den Austragungsstädten wollten die Leute wegen der Fahreinschränkungen vor den Wettkämpfen keine Autos kaufen", sagt Analyst Tang Jun von Guangfa Asset Management.
Doch Experte Sato kann der weltweiten Lage aus japanischer Sicht auch Gutes abgewinnen: "Der Wechsel zu kleinen Autos wird sich noch beschleunigen." Toyota
ist in allen Größenklassen profitabel, während Mitbewerber sich als weniger flexibel erweisen. Rivale General Motors
(GM)
musste im vergangenen Quartal einen Verlust von zehn Mrd. Euro hinnehmen, während Toyota
noch zwei Mrd. Euro Gewinn machte. Anders als Toyota
war es GM
nicht gelungen, die Produktion an den plötzlich veränderten Geschmack der Verbraucher anzupassen. Dabei war der Trend schon lange absehbar: Die Nachfrage nach Stadtgeländewagen war um 20 Prozent gesunken, Spritsparer waren dagegen gefragter als je zuvor. Toyota
stoppt derzeit kurzerhand die US-Produktion des Geländewagens Sequoia und des Pritschenwagens Tundra. Dafür liefern die Japaner mehr Hybridwagen des Typs Prius und Kompaktklasse-Corollas.
Auch Honda
hat sich als Gewinner steigender Ölpreise erwiesen. Der nächstgrößere japanische Autobauer konnte in Nordamerika den Gewinn sogar noch um acht Prozent ausbauen. VW
steht mit seiner Modellpolitik ebenfalls auf der Sonnenseite und hat gegen das Marktumfeld mit 1,6 Mrd. Euro weltweit ein Drittel mehr Gewinn gemacht. Wie Toyota
punkteten die Wolfsbuger in Schwellenländern wie China oder Brasilien.
In Asien setzte Toyota
40 000 Autos mehr ab und kam auf 262 000 Einheiten. Auch auf einem der derzeit schwierigsten Märkte, direkt vor der Haustür in Japan, konnte das Unternehmen nach Einführung neuer Modelle gegen den Trend mehr verkaufen. Der Export nach Russland, Australien und in den Nahen Osten lief ebenfalls gut. Doch hier zeigt sich bereits das Problem der Auslandsabhängigkeit Toyotas
: Nach einem Anstieg der japanischen Landeswährung sind diese Gewinne in der Tokioter Bilanz weniger wert. Der Yen stand im Berichtsquartal acht Prozent stärker als zur gleichen Zeit des Vorjahrs. Im Krisenmarkt Nordamerika kommt noch eine generelle Branchenschwäche hinzu. Toyota
verkaufte hier 33 000 Autos weniger. Da der Rückgang allerdings schwächer ausfiel als bei der Konkurrenz, stieg der Marktanteil auf ein Rekordhoch von 17,4 Prozent.
Die Umstellung des Angebots auf kleinere Autos anstelle der bislang beliebten Geländewagen kostete jedoch zusätzlich Geld, so dass sich der aus Nordamerika rückgeführte operative Gewinn halbierte. In Europa rutschte der Absatz nach Fahrzeugen um zehn Prozent ab. Schuld war vor allem geringes Kaufinteresse der Westeuropäer. Toyota
plant jedoch in den kommenden zwei Jahren mit ganz besonders benzinsparenden Motoren einen Ausbau seiner Marktposition, wenn immer strengere EU-Umweltrichtlinien in Kraft treten.
Toyota
hat erst 2002 begonnen, Quartalszahlen zu veröffentlichen. Es ist seitdem das erste Mal, dass das Unternehmen einen Rückgang von Umsatz und Gewinn gleichzeitig hinnehmen musste. Für das gesamte Geschäftsjahr 2008 (bis Ende März 2009) soll der Gewinn nach der kürzlich revidierten Firmenschätzung um 27 Prozent zurückgehen, der Umsatz um fünf Prozent. Kinoshita sagte, dass der Langfristplan für die kommenden Jahre angesichts des schwierigen Umfelds nur noch schwer realisierbar sei. Ursprünglich war vorgesehen, 2009 die 10-Millionen-Grenze beim Fahrzeugabsatz zu knacken.
Auch die konzernweite Prognose für den Fahrzeugabsatz ist stabil, wenn der Ausstoß chinesischer Gemeinschaftsunternehmen in der Rechnung enthalten ist. Toyota
rechnet diese wegen strenger interner Regeln nicht zum konsolidierten Ergebnis, weil die Beteiligung an diesen Tochtergesellschaften nicht hoch genug ist. GM
dagegen rechnet sie im Allgemeinen ein. Toyota
hat zwar die konsolidierte Absatzprognose leicht gesenkt, doch gleicht nach derzeitiger Schätzung ein weiter steigender Verkauf in China diesen Wert wieder aus.
Um sich auf schwierigere Zeiten einzustellen, haben Toyotas
Tochtergesellschaften in Japan in den vergangenen vier Monaten 2 300 Vertragsarbeiter entlassen. Analysten erwarten eine Beschleunigung des Jobabbaus, wenn die Ertragskraft im Jahresverlauf weiter zu sinken droht.

