"Ungleichgewicht von Angebot und Nachfrage"
Thyssen-Krupp fährt Produktion drastisch runter

Der Industriegüterkonzern Thyssen-Krupp will im dritten Quartal dieses Jahres die Produktion von Edelstahl deutlich senken. Insgesamt sollen rund 120 000 Tonnen weniger erzeugt werden.

HB DÜSSELDORF. Mit dem Schritt reagiere Thyssen-Krupp auf ein Ungleichgewicht von Angebot und Nachfrage für rostfreien Flachstahl, teilte das Unternehmen am Donnerstag in Duisburg mit. Die Rücknahme mache etwa 20 % der Produktion aus.

Betroffen sind die Werke in Krefeld und im italienischen Terni. Diese Kürzung der Quartalskapazität beziehe sich maßgeblich auf Rostfrei-Kaltband und betreffe die beiden Gesellschaften in etwa gleichem Umfang, teilte Thyssen-Krupp mit.

Um die Auswirkungen auf die Beschäftigten möglichst gering zu halten, sollen die bestehenden Instrumente zur Flexibilisierung der Arbeitszeit genutzt werden. Bei beiden Gesellschaften sollen Betriebsstillstände für umfangreiche Instandhaltungs- und Investitionsmaßnahmen genutzt werden.

„Die Nachfrage ist derzeit abgeschwächt, weil viele Kunden hohe Lagerbestände aufgebaut haben“, sagte ein Sprecher von Thyssen-Krupp Steel am Donnerstag in Duisburg. Im Geschäftsfeld Edelstahl seien außerdem in der letzten Zeit weitere Kapazitäten auf den Markt gekommen. Neue Werke seien nicht nur im wirtschaftlich aufstrebenden China entstanden, sondern auch in Europa, etwa in Finnland.

Für Flachstahl hatte Thyssen-Krupp Steel bereits eine weitere Produktionskürzung um 200 000 Tonnen im dritten Quartal angekündigt. In diesem Segment war die Fertigung bereits im zweiten Quartal um eine halbe Million Tonnen gesenkt worden. Thyssen-Krupp verfolgt wie andere große Stahlanbieter die Strategie einer Angebotsverknappung, um die Preise stabil zu halten.

Die Stahlhersteller müssen seit April weltweit vor allem für ihren Rohstoff Eisenerz tiefer in die Tasche greifen. Die großen Erzlieferanten hatten Preiserhöhungen über 70 % durchgesetzt. Bereits am Mittwoch hatte der weltgrößte Stahlkonzern Mittal Steel angekündigt, seine Produktion im dritten Quartal wegen der schwächeren Nachfrage um eine Million Tonnen zu reduzieren. Mittal leidet wie nahezu alle großen Stahlkocher unter der durch die hohen Lagerbestände verursachten Nachfragezurückhaltung. Die Lagerbestände sind seit dem Winter in die Höhe geschnellt, weil sich die Kunden in Erwartung steigender Preise weit über Bedarf mit Stahl eingedeckt haben.

Analysten hatten Druck auf die Stahlpreise nicht ausgeschlossen, nachdem einer Prognose des staatlichen chinesischen Developement Research Centre zufolge in China in diesem Jahr ein Überschuss von 43 Millionen Tonnen Stahl produziert wird, nachdem das Land im vergangenen Jahr mit 30 Millionen Tonnen noch der weltweit größte Nettoimporteur von Stahl gewesen war.

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