Unglücksserie
BP friert Gehalt von Lord Browne ein

Kein anderer Wirtschaftslenker der Welt ist so hart gefallen wie Lord Browne, der ehemalige Vorstandsvorsitzende von BP. Er steht im Verdacht, mitschuldig an der Explosion der größten US-Raffinerie in Texas zu sein. Deshalb sperrt sein alter Arbeitgeber ihm nun ausstehendes Gehalt. Und die Explosion ist nicht die einzige Verfehlung, die Lord Brown vorgeworfen wird.

DÜSSELDORF/LONDON. Ganze zwölf Monate ist es her, da erschien im US-Wirtschaftsmagazin „Forbes“ ein Artikel mit der Überschrift: „Ist Browne zu gut für die Rente?“ Besorgte Investoren, so hieß es, versuchten, den Abschied des BP-Chefs zu verhindern. Der Ölanalyst Mark Iannotti von Merrill Lynch sagte, der Verlust von Browne sei ein „potenzielles Risiko für die Aktionäre“.

Inzwischen ist das Gegenteil wahr. Browne ist fort, und nicht sein Abschied ist für die BP-Aktionäre ein Risiko, sondern seine Amtszeit. Das Unternehmen hat mehrere Millionen Dollar gesperrt, die für Browne und ein weiteres Vorstandsmitglied von BP, John Manzoni, vorgesehen waren. Ein BP-Sprecher in London sagte, die Zahlungen seien für 60 Tage eingefroren. BP habe sich dazu in einem Gerichtsverfahren vor dem Obersten Gerichtshof von Alaska in Anchorage verpflichtet.

Die Peinlichkeit ist nur die jüngste in einer langen Reihe. Browne galt als vorbildlichster Ölmanager der Welt, BP als fortschrittlichster Konzern einer Branche, die seit Jahrzehnten mit ihrem schlechten Image kämpft. Unter Browne stand BP nicht mehr für „British Petroleum“, sondern für „Beyond Petroleum“ – eine Zukunft jenseits des Öls. Mit hohen Investitionen in regenerative Energien erhielt BP den Anschein des „grünsten“ aller Ölkonzerne.

Heute weiß man es besser. Browne investierte zwar in Solarenergien und Imagekampagnen, doch im Kerngeschäft führte ein rücksichtsloser Sparkurs zu katastrophalen Ergebnissen. Im März 2005 explodierte die größte US-Raffinerie in Texas City. 15 Menschen starben, 170 erhielten zum Teil schwerste Verletzungen. Mehrere Untersuchungen kamen später zu dem Schluss: der Kostendruck aus der Londoner BP-Zentrale hatte dazu geführt, dass die Raffinerie seit Jahren am Rande einer Katastrophe stand. In internen Umfragen bezeichneten Mitarbeiter ihren Arbeitsplatz als „gefährliche Müllhalde.“

Ein ähnliches Bild zeichnete sich ein Jahr später in Alaska ab. Im März 2006 traten aus verrosteten Leitungen im Ölfeld Prudhoe Bay 800 000 Liter Rohöl aus. Wieder stellte sich heraus, dass dem Unglück mangelnde Wartungsarbeiten vorausgingen. Warnungen blieben folgenlos.

BP-Chef Browne wies bis zu seinem Rücktritt im Mai 2007 jegliche direkte Verantwortung für die Versagen zurück. Auch John Manzoni bestreitet jede Schuld, wird das Unternehmen aber im August verlassen. Ob das reicht und wen der lange Arm der US-Richter noch trifft, ist fraglich. Ein Sprecher des Londoner Pensions Fund Authority sagte dem Handelsblatt, man wundere sich, wie lange BP schon intern ermittelt, wer denn nun verantwortlich ist, für das, was in den vergangenen zwei Jahren geschah. Obwohl bereits ein halbes Dutzend Ermittlungsberichte vorliegen, zögere BP den Beginn des Prozesses immer weiter hinaus.

Im Übrigen sind nicht nur Browne und Manzoni betroffen. 39 BP-Manager stehen auf der Angeklagtenliste. Auch der neue Vorstandsvorsitzende von BP, Tony Hawyard, ist betroffen. Hayward war von 2003 bis 2007 Vorstand für Exploration und Produktion und damit auch für Prudhoe Bay verantwortlich.

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