Unilever verkauft an Permira
Finanzinvestor schluckt Käpt'n Iglo

Medienmeldungen vom Wochenende haben sich bestätigt: Der britisch-niederländische Konsumgüterriese Unilever ist seine Tiefkühl-Sparte losgeworden. Käpt'n Iglo schippert ab sofort unter der Flagge des Finanzinvestors Permira. Für den ist die Übernahme kein ganz billiges Vergnügen.

HB/mm LONDON. Für 1,73 Mrd. Euro wechselt der Geschäftsbereich den Besitzer, wie Unilever am Montagmorgen mitteilte. Am Wochenende war die „Sunday Times“ noch von einem Preis von 1,5 Mrd. Euro für die britische Unilever-Tochter Captain Birds Eye ausgegangen. Die Transaktion soll noch dieses Jahr abgeschlossen werden. Der Verkauf der Tiefkühlsparte wird dem Unternehmen zufolge zu einem einmaligen Gewinn nach Steuern von mehr als 1 Mrd. Euro führen.

Zu Captain Birds Eye gehört unter anderem die Marke Iglo. Das Unternehmen ist in insgesamt zehn europäischen Ländern aktiv und setzt mit Produkten wie Fischstäbchen, Fertiggerichten und Tiefkühlgemüse jährlich rund 1,4 Mrd. Pfund um. In Deutschland sind die Standorte Bremerhaven und Reeken (Nordrhein-Westfalen) betroffen, wo Lebensmittel eingefroren werden.

Seit knapp einem Jahr versucht Unilever, sich nach 63 Jahren von Captain Birds Eye zu trennen. Grund für diese Entscheidung war die Erkenntnis, dass die Tiefkühl-Sparte langsamer wächst als andere Bereiche des britisch-niederländischen Konsumgüterriesen, der unter anderem Dove-Körperpflegeprodukten, Rama-Margarine und Magnum-Eiskrem herstellt.

Unilever war im Tiefkühlgeschäft unter starken Preisdruck durch Eigenmarken des Handels geraten. Zwar verarbeite Unilever vornehmlich Rohwaren aus nachhaltigem Anbau, aber diesen Mehrwert belohnten die Verbraucher offenbar nicht mit barer Münze. Außerdem verändern sich offenbar die Gewohnheiten der Konsumenten. Immer öfter greifen sie zu frischen oder gekühlten statt zu tiefgefrorenen Produkten. Dieser Trend zwingt auch andere Anbieter wie die britische Northern Foods zum Umbau des Geschäfts.

„Sehr guter Preis“

Unilever habe für die Sparte einen sehr guten Preis erzielt, sagte SNS-Analyst Richard Withagen. Es sei nur schade, dass Unilever nicht mitteile, wie es den Verkaufserlös verwenden will. Positiv für das Unternehmen wäre ein Aktienrückkauf und ein Schuldenabbau.

Die Auktion für Captain Birds Eye lockte einige der weltgrößten Beteiligungsgesellschaften, aber auch strategische Bieter an. Einzelne lukrative Teile hatte Unilever zuvor bereits losgeschlagen. So hatte der Bielefelder Oetker-Konzern beispielsweise bei den tiefgekühlten Bistro-Baguettes zugegriffen.

Permira setzte sich gegen Konkurrenten wie Capvest und ein Konsortium aus Blackstone, JP Morgan Partners und dem irischen Nahrungsmittelkonzern Kerry Foods durch.

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