Unilever verkauft seine Tiefkühlsparte
Käpt'n Iglo an Bord des Finanzinvestors

Wenn Unilever seine Tiefkühlsparte an den Finanzinvestor Permira verkauft, ist davon nicht nur Käpt'n Iglo betroffen, die bekannteste Tiefkühlmarke in Deutschland, sondern auch 1500 Jobs in Deutschland. Im Iglo-Werk in Bremerhaven lassen sich die Mitarbeiter nicht vom schlechten Ruf der Finanzinvestoren schrecken.

HB HAMBURG. Käpt'n Iglo, Spinat „mit dem Blubb“, Schlemmerfilets - die bekannteste deutsche Tiefkühlkostmarke Iglo landet beim englischen Finanzinvestor Permira. Der Konsumgüterkonzern Unilever verkauft sein profitables europäisches Tiefkühlgeschäft für 1,725 Mrd. Euro an den Investor. Denn die ehrgeizigen Renditeziele, die Unilever vorgab, hat die Sparte nicht erreicht.

Das Geschäft soll bis Ende des Jahres über die Bühne gehen, wie Unilever am Montag in Amsterdam und Hamburg mitteilte. In Deutschland arbeiten bis zu 1 500 Menschen für die Marke, die große Werke in Bremerhaven (800 Jobs) und in Reken/Münsterland (600) sowie eine Zentrale in Hamburg (60 Jobs) unterhält.

In Deutschland bekannt sind zum Beispiel die Iglo-Fischstäbchen oder der von Verona Pooth beworbene Rahmspinat „mit dem Blubb“. Die Marke wurde 1961 gegründet. Iglo litt in den vergangenen Jahren allerdings unter der Konkurrenz der Discountmärkte und billiger Handelsmarken. Schon zu Jahresbeginn hatte Unilever mitgeteilt, dass die Tiefkühlsparte die Gewinnziele des Konzerns nicht erreiche.

Permira-Partner Cheryl Potter zeigte sich erfreut über den Kauf der „Kultmarken“ und kündigte an, sein Unternehmen werde sich für deren Wachstum einsetzen. „Der Lebensmittelmarkt sieht wenige Geschäfte dieser Größe, und es geht nur selten um Marken dieses Formats“, sagte er. Die britische Permira setzte sich offenbar unter anderem gegen das Angebot eines Konsortiums der Finanzinvestoren Blackstone und JP Morgan Partners mit dem irischen Lebensmittelkonzern Kerry Foods durch, der in Deutschland durch seine Butter bekannt ist.

Der Geschäftsführer des Deutschen Tiefkühl-Institutes, Manfred Sassen, ist inzwischen nach Gesprächen mit dem Beteiligten überzeugt, dass die Richtigen „Käpt'n Iglo“ an Bord genommen haben. „Sie können unbelastet die Chancen nutzen, die das Unternehmen bietet“, meint Sassen. Unilever sei dagegen zu sehr in seinen Konzernrestriktionen und seiner Marken- und Artikelbegrenzung gefangen gewesen.

Darauf baut auch der Geschäftsführer der Iglo-Fischfabrik Frozen Fish International in Bremerhaven, Joachim Michael Bockisch, in der künftigen Zusammenarbeit mit seinen neuen Eigentümern. „Wir können nun neue Märkte und neue Produkte entwickeln.“ Zusätzlichen Absatz für die klassischen Fischstäbchen sieht Bockisch vor allem in Osteuropa. Weil das Know- how und die Technik der Fischverarbeitung auch für Käse- und Fleischprodukte tauglich seien, setzt er nun auf eine von Unilever stets unterbundene Sortimentserweiterung.

Die Aussicht, mit einem erhöhten Absatz die Rentabilität von Frozen Fish zu erhöhen, beruhigt auch Betriebsratsvorsitzenden Olaf Möllmann. Zwar hat er von Permira keine Beschäftigungsgarantie bekommen: „Aber ich kann mir nicht vorstellen, dass die Leute entlassen werden“, sagte Möllmann. Die Investoren hätten ein Unternehmen mit schlanken Strukturen gekauft, die Rendite auf den Kaufpreis von 1,73 Milliarden Euro ließe sich schon durch Absatzsteigerungen erwirtschaften, ist Sassen überzeugt.

Nicht verkauft wird das unter der Marke „Langnese“ bekannte Eiskrem-Geschäft sowie das Geschäfte in Italien. Betroffen sind dagegen Deutschland, Österreich, Belgien, Frankreich, Großbritannien (“Birds Eye“), Irland, die Niederlande und Portugal. Insgesamt macht die verkaufte Sparte rund 1,237 Mrd. Euro Umsatz pro Jahr und erzielte zuletzt einen Gewinn vor Steuern, Zinsen und Abschreibungen von 174 Mill. Euro. Der Buchgewinn beim Verlauf beträgt laut Unilever eine Milliarde Euro.

Unilever hat in den vergangenen Jahren im großen Stil Marken und Tochterfirmen verkauft, die den Renditezielen des Konzerns nicht entsprachen: 1997 die Kette Nordsee an einen Finanzinvestor, 2004 sein Geschäft mit Tiefkühlpizza und -baguette in mehreren westeuropäischen Ländern an die Oetker-Gruppe, ebenfalls 2004 seine Marken Livio, Palmin und Biskin an die mittelständischen Köllnflocken-Werke in Elmshorn. Der Konzern will sich auf 400 Kernmarken konzentrieren. In Deutschland sind das vor allem die Langnese-Produkte, Knorr-Suppen, die Margarinemarken Rama und Becel und außerhalb der Lebensmittelregale die Pflegeprodukte Dove und Axe.

Der Finanzinvestor Permira ist in Deutschland zum Beispiel beim Optikkonzern Rodenstock engagiert, beim Mobilfunkunternehmen Debitel oder beim TV-Sender Premiere. Die vom damaligen SPD-Parteischef Franz Müntefering als „Heuschrecken“ geschmähten Finanzinvestoren waren in der Vergangenheit massiv in die Kritik geraten, unter anderem weil nach Firmen-Übernahmen oft Stellen gestrichen wurden.

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