Unkonventioneller Rettungsversuch
Schefenacker strebt Insolvenz nach britischem Recht an

Das Management des in die Krise geratenen Autozulieferers Schefenacker setzt auf einen unkonventionellen Rettungsversuch. Durch eine Insolvenz nach britischem Recht soll der Tausch von Schulden gegen Unternehmensanteile und damit ein Neustart erleichtert werden. Jetzt beginnt das Unternehmen mit der Verlagerung des rechtlichen Firmensitzes nach London.

STUTTGART. Der angeschlagene Autozulieferer Schefenacker hat für seinen unkonventionellen Sanierungsplan und die damit verbundene Verlagerung des rechtlichen Firmensitzes nach London Zeit gewonnen. „Wir sind insgesamt auf gutem Wege“, sagte der neue Vorstandschef Reiner Beutel. Die für kommenden Donnerstag vorgesehene Bekanntgabe der Quartalszahlen werde um einige Tage verschoben, hieß es zudem in Unternehmenskreisen.

Der Termin hing wie ein Damokles-Schwert über dem Weltmarktführer bei Autospiegeln. Denn die vorwiegend britischen Gläubiger mit vorrangigen Krediten in Höhe von 205 Mill. Euro haben Klauseln in den Verträgen, nach denen sie ihre Kredite fällig stellen können, wenn Schefenacker bestimmte Ertragsziele in einem Quartal nicht erreicht („covenant breach“).

Wichtiger noch: Beutel erreichte ein Stillhalteabkommen mit diesen Gläubigern, vorläufig auf ihr Recht auf Kündigung der Kredite – wegen der offensichtlich verfehlten Ertragsziele – zu verzichten. Die aus diesem Grund bestehende Insolvenzgefahr wurde damit zunächst einmal abgewendet. Die Kupons für eine nachrangige Anleihe über 200 Mill. Euro müssen erst im Februar 2007 bezahlt werden. Dank des Stillhalteabkommens kann Schefenacker nun mit diesen Gläubigern in Verhandlungen treten.

Schefenacker hat bislang alle Schulden von insgesamt 430 Mill. Euro bedient, was einer jährlichen Belastung von 40 Mill. Euro entspricht. Das operative Ergebnis vor Abschreibungen (Ebitda) erreichte im vergangenen Jahr allerdings nur noch 55 Mill. Euro und brach im Verlauf diesen Jahres weiter ein.

Die hohe Verschuldung resultiert noch aus dem Kauf des britischen Konkurrenten Britax im Jahr 2000. Strategisch gilt die Akquisition als richtig, weil Schefenacker dadurch mit einem Umsatzvolumen von über 930 Mill. Euro und fast 8 000 Beschäftigten zum Weltmarktführer mit 30 Prozent Marktanteil aufstieg und damit mehr Gewicht gegenüber den Autokonzern bekam. Doch die Wachstumsprognosen fielen damals viel zu positiv aus. Hausgemachte Probleme kamen hinzu. Die Banken zogen sich zurück und traten die Finanzierung an britische Fonds ab.

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