Unrentable Kraftwerke: Stromversorger drängen auf mehr Geld vom Staat

Unrentable Kraftwerke
Stromversorger drängen auf mehr Geld vom Staat

Stromversorger und Aufseher drängen die Bundesregierung zur Eile: Weil Gas- und Kohlkraftwerke wegen der Energiewende immer häufiger unrentabel sind, muss schnell eine Lösung her. Wie so oft geht es ums Geld.
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EssenEs ist selten, dass sich Aufseher und Unternehmen einig sind. Wenn es um unrentable Gas- und Kohlekraftwerke geht, ist das aber der Fall. „Es besteht dringender Handlungsbedarf“, sagte EnBW-Chef Frank Mastiaux am Montag bei der Fachmesse E-World in Essen. „Wir müssen jetzt handeln“, forderte Andreas Mundt, Präsident des Bundeskartellamtes, im Einklang mit dem Manager.

Hintergrund der Appelle: Wegen der Energiewende lohnt sich der Betrieb von Gas-und Kohlekraftwerken immer weniger. Die Betreiber wollen daher viele abschalten. Doch da die erneuerbaren Energien immer mehr zur Stromversorgung beitragen, werden die fossilen Kraftwerke gleichzeitig immer wichtiger, um die Versorgungssicherheit zu gewährleisten – und so verbieten ihnen die Behörden die Abschaltung. Für die Unternehmen wird das teuer.

EnBW ist der erste Energieversorger, bei dem die Bundesnetzagentur eine Grenze überschritten hat. Mastiaux wollte fünf seiner Kraftwerke abschalten, weil sie sich auf Grund geringer Betriebsdauer nicht mehr lohnten. Laut Gesetz muss er dafür die Bundesnetzagentur um Erlaubnis fragen – und die sagte: Nein. Die Kraftwerke würden gebraucht, um eine sichere Stromversorgung im Südwesten zu gewährleisten.

Das Unternehmen erhält nun zwar für den Weiterbetrieb eine Entschädigung, die beträgt aber laut Gesetz nur 70 bis 75 Prozent der Gesamtkosten. Mastiaux reicht das nicht: „Das ist unternehmerisch nicht durchzuhalten. Wir werden uns dagegen wehren“, sagte er. Der drittgrößte deutsche Stromkonzern hat gegen das Abschaltverbot bereits Beschwerde beim Oberlandesgericht Düsseldorf eingelegt.

Das Problem wird in den nächsten Monaten wohl eher größer als kleiner werden. Derzeit liegen bei der Bundesnetzagentur Anträge auf die Stilllegung von insgesamt 42 Kraftwerken vor. Fünf davon gehören dem Essener Energieversorger RWE, acht dem Düsseldorfer Stromunternehmen Eon und fünf dem Baden-Württemberger Versorger EnBW. Bei dem überwiegenden Teil der Kraftwerke prüft die Bundesnetzagentur noch, ob sie für die sichere Stromversorgung wichtig sind.

Die Bundesregierung hat das Thema erst einmal auf die lange Bank geschoben. Wirtschaftsminister Sigmar Gabriel hat zwar versprochen, „mittelfristig einen zweiten Markt für das Vorhalten von Kapazität zu schaffen“. Kurzfristig ist aber noch keine Lösung in Sicht.

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  • Völlig richtig, das hat mit Marktwirtschaft nichts mehr zu tun, sondern ist merkelsche Lobby-/Vetternwirtschaft in Reinkultur.

    "Marktwirtschaft" würde so aussehen:

    - Der Stromkunde fragt am Markt i.d.R. kontinuierlichen, relativ ausfallsicheren Strom nach.

    - Die MusterWindSolarStrom GmbH bietet für 5 Cent/kWH Stom an, der 50% der Zeit ausfällt, abhängig vom Wetter.

    - Die MusterKohleAtomstrom AG bietet für 10 Cent/kWH am Markt ausfallfreien Strom an, der durchschnittlich nur 15Minuten einmal im Jahr ausfällt.

    Der Kunde wählt dann leider Kohle-/Atomstrom!
    Um die Nachfrage des Kunden zu bedienen, muß sich die MusterWindSolarStrom GmbH etwas einfallen lassen. Sie könnte versuchen

    - den Strom in (Pump-)Speichern zu speichern

    - zur Ausfallsicherheit Gaskraftwerke zu betreiben, oder sich diese Leistung von der MusterGaskraftwerk GmbH zuzukaufen

    Ob dann der Preis noch mit den 10Cent für Kohle/Atomstrom konkurrenzfähig ist, ist natürlich fraglich. Vielleicht ist der Kunde "grün" und
    ist bereit bis zu 20 Cent/kWH zu bezahlen, wenn die Energiequelle ökologisch ist.

    Wie es am Ende ausgeht, entscheidet der Kunde, der völlig im demokratischen Sinne mit seinem eigenen Geld "abstimmt" was er will.

  • Der Bau von AKW an Küsten ist völlig logisch aufgrund des unbegrenzt vorhandenen Kühlwassers. Küsten sind wiederum völlig häufig an den seismisch aktiven Zonen (der sogenannte "Ring des Feuers"). Das Fukushima-Kraftwerk ist nur ein tragisches Opfer eines Wandels der menschlichen Lebensauffassung. Als Fukushima gebaut wurde,
    fanden überall in der Welt regelmäßige Atom-Tests statt, niemand hatte große Angst vor Radioaktivität. Heute herrscht ein panische
    Angst vor jeder theoretischen beeinträchtigung der Gesundheit, da passen kleine Risiken wie die japanischen AKW nicht mehr ins Weltbild.

  • Ich frage mich wirklich wann es die Leute endlich begreifen werden, dass die Energiewende mindestens die Preise verdoppeln wird. Es sind ja 2 Infrastrukturen nötig. Erneuerbare plus konventionelle als Backup oder Erneuerbare plus Speicher als Backup. Und die Kosten dafür müssen nun mal bezahlt werden. Irgendwo. Entweder über höhere Strompreise oder höhere Verbraucherpreise. Wenn z.B. ab morgen alle die EEG Umlage zahlen müssen, dann wird der Strom für den Privatmann zwar etwas billiger, aber dafür steigen dann die Fahrkartenpreise bei der Bahn.
    Die Energiewende ist auch nicht falsch geplant oder schlecht durchdacht. Es geht einfach nicht anders, wein nun mal 2 Infrastrukturen gebraucht werden. Das ist wie wenn man sich ein Elektroauto für Kurzstrecken kaufen, seinen alten Diesel aber für die Langstrecke behält. Dann werden eben doppelt Steuer, Wartung und Versicherung fällig. Das Theater was die Politik im Moment aufführt ist nur den klägliche Versuch so zu tun, als könnte man etwas tun. Selbst wenn Berlin auf ein mal die Gier verliert und auf die Stromsteuer und MwSt. für Strom verzichtet wird es gesamtwirtschaftlich nicht billiger. Die Steuereinnahmen fehlen dann eben und es gibt weniger Geld für Kindergartenplätze oder unnütze Bauvorhaben, den mal im Ernst, noch unwahrscheinlicher als ein Gelingen der Energiewende ist, dass der alte Fritz plötzlich wieder auftaucht und dem Staat die Effizienz bei bringt.

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