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26.11.2007 
Inside: Sanofi-Aventis

Unter Zeitdruck

von Siegfried Hofmann

Mit der Übernahme von Aventis ist der französische Pharmahersteller Sanofi vor drei Jahren aus der zweiten Liga in die Spitzengruppe der Branche aufgestiegen. Dort freilich teilt er nicht nur Macht und Einfluss mit seinen Konkurrenten, sondern auch die typischen Probleme und Schwächen von "Big Pharma“.

FRANKFURT. Mehrere Patentverluste und ein Mangel an Neuentwicklungen haben inzwischen auch bei Sanofi -Aventis ihre Spuren hinterlassen. Mit einer Umsatzsteigerung von währungsbereinigt nur noch vier Prozent in den ersten neun Monaten gehört die Nummer drei der Branche zur wachsenden Gruppe derer, die mit dem Marktwachstum nicht mehr Schritt halten.

Und manches deutet auf eine längere Durststrecke hin: Dazu gehört nicht nur der Patentverlust bei einigen wichtigen Produkten wie dem Schlafmittel Ambien oder dem Krebsmittel Eloxatin (in Europa). Anders als in der Vergangenheit fällt es dem Sanofi-Management auch zusehends schwerer, das Geschäft mit dem umfangreichen Sortiment an kleineren, älteren und vielfach patentfreien Produkten zu verteidigen. Dieser sogenannte "Tail“ des Sortiments liefert ein Drittel des Umsatzes.

Mehrere Bestseller des Konzerns, darunter der Blutverdünner Plavix, werden Anfang des kommenden Jahrzehnts ihren Patentschutz verlieren. Auf der anderen Seite ist der einstige Hoffnungsträger Acomplia weitgehend gescheitert, nachdem die US-Behörde FDA das Produkt ablehnte und nun in Europa neue Verdachtsmomente auftauchten, dieses Diabetes- und Schlankheitsmedikament könnte zu Depressionen führen.

Adäquaten Ersatz haben die Produktentwickler des Konzerns zumindest für die nähere Zukunft nicht zu bieten. Selbst das Management räumt inzwischen ein, dass man womöglich zu wenig in externe Allianzen, etwa mit Biotechunternehmen, investiert hat. Was die Innovationskraft angeht, hat die Fusion mit Aventis offenbar mehr geschadet als genutzt. Es wiederholt sich im Prinzip das, was man bereits bei Pfizer, Glaxo oder Astra -Zeneca beobachten konnte. Diese Konzerne agierten in den 90er-Jahren gemessen an ihrem F+E-Aufwand äußerst effizient, konnten diese Produktivität aber nicht auf die größeren Strukturen übertragen.

Lesen Sie weiter auf Seite 2: Verschuldung deutlich reduziert.

Das Gleiche ist jetzt bei Sanofi zu beobachten. Konzern-Chef Gerard Le Fur, der den Pariser Pharmariesen seit Jahresbeginn steuert, wird damit wohl über kurz oder lang auf die aktuelle Standardtherapie für Pharmagroßkonzerne zurückgreifen müssen: verstärkte Rationalisierung und Kostensenkung sowie höhere Investitionen in die Produktpipeline, etwa über Zukäufe im Biotechsektor.

Rein finanziell verfügt er über einigen Spielraum. Sanofi -Aventis hat die Verschuldung seit der Fusion deutlich reduziert und generiert derzeit etwa fünf Milliarden Euro freien Cash-Flow im operativen Geschäft. Andererseits gehören Lizenzeinkäufe, Allianzen oder Biotech-Akquisitionen bisher nicht zu den Stärken des Konzerns. Eine schnelle Erneuerung des Produktprogramms können sie ohnehin kaum garantieren.

Die Alternative wäre ein weiterer großer Deal, etwa eine Offerte für den US-Partner Bristol -Myers (BMS). Auch die könnte der Pariser Pharmariese finanziell bewältigen. Aber seine Ausgangsposition verschlechtert sich. Der Bewertungsvorsprung gegenüber BMS etwa hat sich im Laufe des Jahres bereits verringert. Und die Ausstiegspläne der beiden Großaktionäre L'Oreal und Total, die zusammen mehr als ein Fünftel am Sanofi-Kapital halten, dürften zusätzlichen Druck auf die Aktie entfalten. Ihre Kaufkraft als Akquisitionswährung schwindet. L'Oreal hat bereits mit dem Verkauf von Anteilen begonnen.

Dem Sanofi-Management läuft die Zeit davon, um noch einen weiteren großen, strategischen Schritt zu unternehmen. Will er tatsächlich diese Weg gehen, darf Le Fur wohl nicht mehr allzu lange warten.

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