Das Gleiche ist jetzt bei Sanofi zu beobachten. Konzern-Chef Gerard Le Fur, der den Pariser Pharmariesen seit Jahresbeginn steuert, wird damit wohl über kurz oder lang auf die aktuelle Standardtherapie für Pharmagroßkonzerne zurückgreifen müssen: verstärkte Rationalisierung und Kostensenkung sowie höhere Investitionen in die Produktpipeline, etwa über Zukäufe im Biotechsektor.
Rein finanziell verfügt er über einigen Spielraum. Sanofi
-Aventis hat die Verschuldung seit der Fusion deutlich reduziert und generiert derzeit etwa fünf Milliarden Euro freien Cash-Flow im operativen Geschäft. Andererseits gehören Lizenzeinkäufe, Allianzen oder Biotech-Akquisitionen bisher nicht zu den Stärken des Konzerns. Eine schnelle Erneuerung des Produktprogramms können sie ohnehin kaum garantieren.
Die Alternative wäre ein weiterer großer Deal, etwa eine Offerte für den US-Partner Bristol
-Myers (BMS). Auch die könnte der Pariser Pharmariese finanziell bewältigen. Aber seine Ausgangsposition verschlechtert sich. Der Bewertungsvorsprung gegenüber BMS etwa hat sich im Laufe des Jahres bereits verringert. Und die Ausstiegspläne der beiden Großaktionäre L'Oreal
und Total,
die zusammen mehr als ein Fünftel am Sanofi-Kapital halten, dürften zusätzlichen Druck auf die Aktie entfalten. Ihre Kaufkraft als Akquisitionswährung schwindet. L'Oreal
hat bereits mit dem Verkauf von Anteilen begonnen.
Dem Sanofi-Management läuft die Zeit davon, um noch einen weiteren großen, strategischen Schritt zu unternehmen. Will er tatsächlich diese Weg gehen, darf Le Fur wohl nicht mehr allzu lange warten.

