Unternehmen bekräftigt Prognose
Starker Euro hinterläßt Spuren bei Beiersdorf

Der starke Euro und die schwache Konjunktur in Deutschland hinterlassen zunehmend Spuren in der Bilanz des Nivea-Herstellers Beiersdorf. Nach einem Umsatzrückgang im Halbjahr reduzierte der Hamburger Kosmetikkonzern seine Umsatzerwartung für das Gesamtjahr, hält aber weiter an den Zielen der Ergebnisentwicklung fest.

Reuters HAMBURG. Konzernsprecher Peter Nebel sagte am Dienstag auf Anfrage, die Prognose sei bewusst vorsichtig gehalten. „Da sind wir auf der sicheren Seite.“ Der Umsatz werde im Gesamtjahr vermutlich etwa auf Vorjahreshöhe bei 4,7 Mrd. € liegen. Bei der Vorlage der Zahlen für das erste Quartal im Mai hatte sich Beiersdorf noch optimistischer geäußert und zu konstanten Wechselkursen einen Umsatz von 4,9 Mrd. € angestrebt. Bereinigt um Wechselkursveränderungen werde der Umsatz 2003 voraussichtlich um fünf Prozent zulegen. Gleichzeitig bekräftigte Beiersdorf seine Zielsetzung, wonach der Jahresüberschuss im Gesamtjahr unverändert bei sechs Prozent vom Umsatz liegen solle. Der Betriebsgewinn werde etwa zehn Prozent vom Umsatz erreichen.

Analysten äußerten sich dennoch überwiegend positiv zu der Geschäftsentwicklung. „In schwierigem Umfeld gelingt es Beiersdorf seine Profitabilitätsziele zu halten, Marktanteile auszubauen und die Finanzkraft zu stärken“, sagte Sven Dopke, Analyst beim Bankhaus M.M. Warburg. Die Prognosekorrektur beim Umsatz sehe er nicht so kritisch. Die im Index für mittelgroße Unternehmen MDax notierte Beiersdorf-Aktie legte ein halbes Prozent auf 107 € zu.

Den Angaben von Beiersdorf zufolge verringerte sich der Umsatz zur Jahresmitte um 2,1 % auf 2,412 Mrd. €. Bereinigt um negative Effekte durch die Wechselkursumrechnung wäre der Umsatz um 4,3 % gestiegen. Das Betriebsergebnis blieb mit 260 Mill. € im Vergleich zum gleichen Zeitraum des Vorjahres unverändert. Gleichzeitig erhöhte sich die operative Umsatzrendite auf 10,8 (Vorjahr: 10,6) Prozent. Der Nettogewinn legte wegen eines besseren Finanzergebnisses auf 165 Mill. von 162 Mill. € leicht zu.

Die vergleichsweise hohe Stabilität der Ergebnisentwicklung führt Beiersdorf vor allem auf die Stärke seiner Marken Nivea, aber auch Atrix, Eucerin, 8x4, Hansaplast und Tesa zurück. Außerdem gilt die Kosmetiksparte als weniger anfällig für Konjunkturschwankungen.

Wie aus dem Zwischenbericht hervor geht, verzeichnete Beiersdorf in Deutschland und den USA Umsatzeinbußen, während Europa (ohne Deutschland) um 4,3 % und Asien leicht zulegten. In Deutschland wurde vor allem der schwache Konsum dafür verantwortlich gemacht, dass der Umsatz um 2,8 % auf 633 Mill. € sank. Für die USA führte Beiersdorf neben dem Verfall des Dollarkurses die Zurückhaltung der Verbraucher als Grund für einen Umsatzrückgang um 20 % auf 335 Mill. € an. Beim Betriebsergebnis belief sich der Rückgang in den USA sogar auf 24 %.

Volkert Hergert von der Berliner Bankgesellschaft äußerte eine „gewisse Enttäuschung“ über die Umsatzentwicklung, schränkte aber gleichzeitig ein, dramatisch sei dies nicht. Seine Kollegin Daniela Dörr vom Bankhaus Metzler sagte, die Zahlen zeigten, dass Beiersdorf mit dem schwierigen Umfeld zu kämpfen habe. Das Halbjahresergebnis sei aber weniger entscheidend als die künftige Anteilsstruktur von Beiersdorf.

Der andauernde Streit unter den Anteilseignern der Kaufmannsfamilie Herz über ihr künftiges Engagement bei Beiersdorf brachte den Nivea-Konzern indes nicht aus dem Gleichgewicht. Nachdem sich die Familie Herz noch vor kurzem auf eine Aufstockung ihrer Beiersdorf-Anteile verständigt hatte, wurde dieser Kompromiss vor wenigen Tagen wieder in Frage gestellt. Daher wird mit Spannung erwartet, welche Entscheidungen nächste Woche die Hauptversammlung der Tchibo-Holding trifft, in der die Familie Herz ihre wirtschaftlichen Aktivitäten gebündelt hat. Den Familienaktionären liegt der Vorschlag vor, den früheren Tchibo-Chef Günter Herz und seine Schwester Daniela in bar abzufinden und für vier Mrd. € deren Anteile an der Holding in Höhe von 39 % von den restlichen Aktionären übernehmen zu lassen. Unklar war noch, ob der zunächst gefasste Plan noch Bestand hat, bei einer Einigung mit der Allianz die Anteile an Beiersdorf durch Bündelung der Kräfte aufzustocken.

Die Tchibo-Holding ist mit gut 30 % hinter der Münchener Allianz-Versicherung zweitgrößter Beiersdorf-Aktionär. Der Allianz-Konzern hält knapp 44 % an Beiersdorf und hat Verkaufsbereitschaft signalisiert.

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