Unternehmen Management
Der sehr diskrete Charme der Miele-Männer

Unternehmen und Management: Wie Miele der Branchenkrise bei weißer Ware entkommen will, ohne sich von der Produktion in Deutschland zu verabschieden.
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In einer Welt, in der die Herstellung von Produkten made in Germany immer schwieriger wird, wollen die ostwestfälischen Familien Miele und Zinkann so etwas wie ein Bollwerk sein.

Das Bollwerk steht in ihrer Heimatstadt Gütersloh. Hinter seinen Mauern im Norden der Stadt stellen die Familien seit mehr als einem Jahrhundert ihre weiße Ware her. Und sie schwören Stein und Bein, sich dem großen Zug der Industrie ins billigere Ausland zu widersetzen: "Unsere Geräte müssen aus Deutschland kommen", sagt der 36-jährige Markus Miele, gelernter Wirtschaftsingenieur mit Abschluss in St. Gallen. "Nicht nur die ausländischen, auch die deutschen Händler wollen das so." In seinem Büro mit gläsernen Wänden zum Flur ergänzt er mit fester Stimme: "Made in Germany verwenden wir jetzt wieder in unserer Werbung. Der Hinweis soll sogar ganz vorn auf den Maschinen draufstehen."

Doch das Bollwerk fängt an zu bröckeln - an den Rändern. Der hehre Grundsatz, alles selbst und alles in Deutschland zu machen, weicht auch in Gütersloh langsam auf.

Der Markt für Haushaltsgeräte - Waschmaschinen, Geschirrspüler, Herde, Staubsauger - leidet in Deutschland wie kaum ein anderer unter einem Preiskrieg. Die Hauptklientel von Miele, die Hausbesitzer in Deutschland, Holland und in der Schweiz, den Kernmärkten, sind knauserig. Das Gütersloher Imperium für Waschen, Kochen, Saugen und Spülen mit zuletzt 2,2 Milliarden Euro Umsatz und 15 000 Mitarbeitern weltweit, 11 000 davon in Deutschland, trifft das hart. Denn bei den Miele-Fans unter den Hausbesitzern stehen die schneeweißen, unverwüstlichen Geräte noch Jahre oder Jahrzehnte. Eine Miele-Waschmaschine hält im Schnitt 20 Jahre.

Die Preise brechen ein unterdessen. Große Elektrohausgeräte wurden in den vergangenen zwei Jahren um 15 Prozent billiger. Discounter verramschen Waschmaschinen en gros. In die ohnehin schlechte Stimmung platzte vor einer Woche die Nachricht, dass das AEG-Stammwerk in Nürnberg mit 1700 Beschäftigten schließt. Ähnliches geschieht mit dem Hausgerätewerk von Bosch Siemens in Spandau. 680 Mitarbeiter gehen dort bis Ende 2006 per Sozialplan. Bosch Siemens hat seine größte Produktion im türkischen Cerkezköv. In Russland und China sind neue Werke geplant. AEG gehört zu Electrolux. Die Schweden bekommen ihr Geschäft in Deutschland nicht in den Griff. Sie fangen an, zu kapitulieren.

Markus Miele nicht. Das hat er sich vorgenommen. Der zurückhaltende, aber charmante Spross der Industriellenfamilie in vierter Generation ("Wir können uns hier an unseren Produkten erfreuen, Sie auch?") zeigt auch seine ostwestfälische Portion Sturheit: "Wir sind ein unaufgeregtes Unternehmen, wir haben kein Quartalsdenken, wir versuchen das Ganze langfristig anzuschauen. Und wir setzen auf Qualität." Basta, keine Widerrede bitte. Dennoch wurde im vergangenen Jahr, das erste Mal in der 105 Jahre alten Firmengeschichte, kurzgearbeitet, eine Stunde weniger pro Woche.

Die Kurzarbeit ist aufgehoben - seit April dieses Jahres. Der Miele-Umsatz stieg im jetzt ablaufenden Geschäftsjahr um vier Prozent, in Deutschland noch um zwei Prozent. Markus Miele führt das Wachstum auf "das Premiumsegment" zurück, in dem Miele seine Geräte anbietet.

Miele-Automaten sind im Schnitt gut 20 Prozent teurer als die solide Mittelklasse. Aber das Preisniveau sinkt insgesamt auf breiter Front.

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