Unternehmen profitieren von Beschäftigungsgesellschaften
Opel: Beruhigungspille für Belegschaft

Die Strategie von Opel, mit Hilfe von Beschäftigungsgesellschaften den geplanten Personalabbau ohne betriebsbedingte Kündigungen zu meistern, hat viele Vorbilder. Die Liste namhafter Unternehmen, die für ihre überzähligen Mitarbeiter eine Beschäftigungs- oder Transfergesellschaft eingerichtet haben, reicht von den Chemiekonzernen BASF und Bayer über die ehemaligen Staatsbetriebe Bahn und Telekom bis zu Thyssen-Krupp, der Deutschen und der Dresdner Bank.

huh BERLIN. Aber auch der Mittelstand greift immer öfter zu diesem Instrument. „Personalabbau findet heute bevorzugt über Transfergesellschaften statt, selbst wenn es nur um zehn oder 20 Stellen geht“, sagt IG-Metall-Experte Wolfgang Nettelstroth.

Eine wesentliche Ursache ist die sinkende Bedeutung des Vorruhestands als „sozialverträgliche“ Form des Personalabbaus. In vielen Unternehmen, so auch bei Opel, ist der Großteil der Mitarbeiter dafür zu jung. Die Transfergesellschaften haben die Aufgabe, den überzähligen Mitarbeitern neue Jobs zu verschaffen und sie weiterzubilden. Manche betätigen sich dabei als Zeitarbeitsagenturen und verleihen die Mitarbeiter an andere Unternehmen oder innerhalb des Konzerns.

Der Erfolg der Vermittlungsversuche sei sehr unterschiedlich und hänge stark vom örtlichen Arbeitsmarkt ab, beobachtet Transferexperte Arno Kratz von der Gesellschaft für innovative Beschäftigungsförderung in Bottrop. Kratz: „Im Durchschnitt findet etwa die Hälfte der Arbeitnehmer über die Transfergesellschaft wieder einen Arbeitsplatz oder macht sich selbstständig.“

Opel will an den Standorten Rüsselsheim, Bochum und Kaiserslautern jeweils eine eigene Beschäftigungsgesellschaft aufbauen. Dort können die überzähligen Mitarbeiter maximal ein Jahr lang verbleiben und nach einem neuen Arbeitsplatz suchen. Wer dann noch keinen Job gefunden habe, den erwartet anschließend die Arbeitslosigkeit, sagt Fachanwalt Andreas Breezmann von der Hamburger Kanzlei Jacobsen & Confurius.

Die Unternehmen beauftragen meist spezialisierte Anbieter mit dem Betrieb ihrer Beschäftigungsgesellschaft. Bei Opel in Bochum ist die Gesellschaft BAQ im Gespräch, am Standort Rüsselsheim das Reutlinger Unternehmen Mypegasus. Für die Arbeitnehmer ist der Wechsel in eine Beschäftigungsgesellschaft freiwillig. In der Regel schließen sie mit ihrem bisherigen Unternehmen einen Aufhebungsvertrag und bekommen dann einen Arbeitsvertrag bei der neuen Gesellschaft. Wie viele Mitarbeiter das Angebot annehmen, hängt von seiner finanziellen Ausstattung ab. Bei Opel gibt es 85 Prozent des letzten Nettogehalts. Davon zahlt die Bundesagentur für Arbeit (BA) 60 Prozent (wenn Kinder im Haushalt leben 67 Prozent) in Form des so genannten Transfer-Kurzarbeitergelds. Den Rest sowie die Sozialabgaben finanziert Opel. Bei den Kosten der Qualifizierung kann das Unternehmen Fördermittel der BA beantragen. „Wir wollen alles tun, damit ein neuer, vergleichbarer Arbeitsplatz gefunden werden kann“, sagte BA-Vize Heinrich Alt.

Damit möglichst viele Mitarbeiter in die Beschäftigungsgesellschaft wechseln, zahlt Opel hohe Abfindungen, die, wie der Betriebsratsvorsitzende Klaus Franz betonte, weit über Industrieniveau liegen. So bekäme ein Mitarbeiter mit 30 Jahren Betriebszugehörigkeit unter Beibehaltung seiner Betriebsrente eine Abfindung von 216 000 Euro. Es sei durchaus üblich, Abfindungen auch beim Wechsel in die Beschäftigungsgesellschaft zu zahlen, sagt Fachanwalt Breezmann. Er glaubt, dass sich trotz dieser hohen Kosten eine Beschäftigungsgesellschaft für das Unternehmen oft rechnet. Denn die Lohnfortzahlung bei andernfalls langen Kündigungsfristen könne vermieden und mit den Ausgaben für die Gesellschaft verrechnet werden. IG-Metall-Experte Nettelstroth erklärt einen weiteren Vorteil für die Unternehmen. „Die Unruhe im Betrieb ist geringer, wenn die Mitarbeiter die Gewissheit haben, dass man sich auch in schlechten Zeiten um ihre berufliche Zukunft kümmert.“

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