Unternehmen setzen auf bessere Kontrolle und fälschungssichere Produkte
Markenartikler kämpfen gegen Produktpiraten

Über diese Preisverleihung konnte sich die Firma Perfect Design Creator aus Taipeh nicht freuen. Das Design ihrer Waschtisch-Armatur „Tara Classic“ wurde mit dem Plagiariuspreis 2005 ausgezeichnet. Kleiner Schönheitsfehler: Der Plagiarius geht an Firmen, die besonders unverfroren fremdes Design kopieren.

HB DÜSSELDORF. Im Falle der Armatur stammt das prämierte Design ursprünglich von der Sassenberger Firma Sieger Design, das Original des Wasserhahns „Tara Classic“ stammt von der Iserlohner Firma Dornbracht. Die Zurschaustellung des Nachahmers aus Taipeh zeigte Wirkung: Kurz nach der Plagiarius-Verleihung einigten sich Dornbracht und der deutsche Vertriebshändler darauf, das Plagiat in Deutschland vom Markt zu nehmen.

Ein kleiner Erfolg der Markenartikler im Kampf gegen Marken- und Produktpiraten, die abkupfern und billig verkaufen, woran Ingenieure, Designer, und Marketingstrategen jahrelang gearbeitet haben. Nach Schätzungen der EU-Kommission sind zehn Prozent des Welthandels Fälschungen und Nachahmungen, weltweit beträgt der volkswirtschaftliche Schaden 200 bis 300 Mrd. Euro jährlich. Allein in Deutschland sind es 29 Mrd. Euro. Drastisch zugenommen haben die Produkthaftungsklagen gegen Originalhersteller, weil gefälschte Arzneimittel oder Ersatzteile für Maschinen, Autos oder Flugzeuge Schäden beim ahnungslosen Käufer angerichtet haben.

Doch die Markenindustrie schlägt zurück. „Noch geht es den Plagiatoren sehr gut, aber wir lassen uns nicht mehr alles bieten“, sagt Professor Rido Busse, Designer und Initiator des Plagiariuspreises. „Die Wachsamkeit der Unternehmen und der Öffentlichkeit hat deutlich zugenommen“, ergänzt Lennart Röer, Sprecher des Aktionskreises Deutsche Wirtschaft gegen Produkt- und Markenpiraterie (APM). Ende 1997 haben Deutscher Industrie- und Handelskammertag, der Bundesverband der Deutschen Industrie, der Markenverband und namhafte Markenartikler den Kampf gegen die Produktpiraten aufgenommen, seitdem wächst die Mitgliederzahl stetig.

Die Unternehmen verstärken nicht nur die Kontrolle, sie sorgen auch für mehr Unrechtsbewusstsein und versuchen Fälschungen zu erschweren. Über 1 000 Fälle von Produktpiraterie hat die APM im vergangenen Jahr registriert, 100 Prozent mehr als im Vorjahr. Die Folge: zivilrechtliche Abmahnungen, Schadenersatzforderungen und Strafanträge im Namen der betroffenen Rechtsinhaber. Die starke Zunahme sei auf den verbesserten Markenschutz der Unternehmen zurück zu führen, sagt Markenschutzspezialist Röer. Seine Marke auch im Ausland anzumelden und schützen zu lassen, sei immer noch billiger als kopiert zu werden.

Die Lieferwege internationaler Fälscherbanden zu überwachen und die oft in Asien angesiedelten Quellen zu finden, ist jedoch schwierig. Die Anstrengungen der Markenindustrie konzentrieren sich daher unter anderem auf die fälschungssichere Verpackung. Verschlüsselte Tracing-Nummern oder Hightechlösungen wie RFID-Chips erlauben es, zusätzliche Informationen zu speichern, die den Vertriebsweg des Produkts nachvollziehen lassen. Hologramme, Duftmarken, optische Sicherungssysteme, ja selbst künstliche DNA werden als Sicherungsmerkmale genutzt. Der hohe Aufwand, den die Anbieter zum Beispiel bei Pharmaprodukten treiben, hat seinen guten Grund. Nach Schätzungen der WHO sind über zehn Prozent der weltweit auf dem Markt befindlichen Arzneimittel gefälscht.

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