Unternehmen steht kurz vor der Pleite
Kerngeschäft des Ölkonzerns Yukos wird verkauft

Der Kernbereich des angeschlagenen Ölkonzerns Yukos, die Yuganskneftegaz, soll nach Angaben des Moskauer Justizministeriums verkauft werden. Damit droht dem Unternehmen das endgültige Aus.

HB MOSKAU. Nachdem Yukos im vergangenen Monat eine Frist hatte verstreichen lassen, um für 2000 Steuern in Höhe von 3,4 Milliarden Dollar nachzuzahlen, sollen die Gerichtsvollzieher nun die 100-prozentige Konzerntochter Yuganskneftegaz verkaufen, die im Konzern einen Produktionsanteil von 60 Prozent hat. „Nach einer Bewertung werden die Anteile an Yuganskneftegaz einer speziellen Organisation für den Verkauf übergeben“, teilte das Ministerium mit.

Analysten halten dieses für das schlimmste denkbare Szenario für Yukos. „Das ist, als nähme man bei einem Mann mit Husten eine Herztransplantation vor“, sagte Analyst Maxim Schein von BrokerCreditService. „Der Verkauf von Yugansk wird die Einheit des Unternehmens und seiner Operationen zerstören.“ Stephen O'Sullivan von UFG sagte: „Das erscheint überzogen. Sie gehen direkt ans Herz von Yukos. Es sieht fast so aus, als ob dies ein Erstschlag zur Zerstörung des Unternehmens ist.“ Yukos hätte leicht die Steuerschulden durch Verkauf anderer Vermögensteile aufbringen können, erklärte er. Die Yukos-Aktien brachen nach der Verkaufsnachricht an der Moskauer Micex-Börse rund zwölf Prozent ein.

Yukos teilte mit, das Unternehmen erwarte, dass Yugansk bis zum 30 Juli für 1,75 Milliarden Dollar verkauft werde. Unabhängige Gutachter hatten den Wert der Konzerntochter zuvor auf mehr als 30 Milliarden Dollar geschätzt. Analysten erwarten, dass bei einem schnellen Verkauf 12 Milliarden Dollar für Yugansk erzielt werden können. Nach Einschätzung von Analyst Paul Collison von Brunswick UBS hat die Regierung die gesamte Kontrolle über den Verkauf. Er tippt auf Surgutneftegaz - das Unternehmen unterhält enge Verbindungen zur Regierung - oder auf das Staatsunternehmen Gazprom als wahrscheinliche Käufer.

Die staatliche russische Vermögensverwaltung gab allerdings bekannt, ein rascher Verkauf sei kaum möglich. „Von heute an könnte es kaum weniger als einen Monat dauern“, sagte Sprecher Wladimir Selenzow. Die Behörde habe aber noch gar keinen Auftrag zum Verkauf erhalten. Insgesamt muss Yukos für die Jahre 2000 und 2001 Steuern in Höhe von rund sieben Milliarden Dollar nachzahlen. Zusammen mit Nachforderungen aus den Jahren 2002 und 2003 könnten sich die Steuerschulden nach Schätzungen von Analysten auf zehn Milliarden Dollar summieren. Die erste Frist hatte Yukos verstreichen lassen, weil die Konten des Unternehmens im Zusammenhang mit Vorwürfen des Betrugs und der Steuerhinterziehung eingefroren waren.

Beobachter halten das Vorgehen der russischen Behörden für politisch motiviert. Dem ehemaligen Yukos-Chef und größten Anteilseigner des Unternehmens, Michail Chodorkowski, waren Ambitionen auf das Präsidentenamt nachgesagt worden. Chodorkowski sitzt seit Oktober wegen des Verdachts von Betrug und Steuerhinterziehung in Haft.

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