Unternehmen und Märkte
Potenzial durch weiße Biotechnik

Der Waschmittelhersteller Henkel will mit Hilfe neuartiger Hochleistungsenzyme seine Waschmittel verbessern. Dazu kooperieren die Düsseldorfer mit der Brain AG, Zwingenberg. Brain ist spezialisiert auf "weiße" Biotechnik, die Nutzung von Mikroorganismen in der Industrie. Henkel will waschaktive Eiweißstoffe, so genannte Enzyme, erstmals aus nicht kultivierten oder nicht-kultivierbaren Bakterien gewinnen und marktreif machen.

BERLIN. Henkel erforscht als Vorreiter seit langem für verschiedene Verschmutzungen spezifisch wirkende Enzyme, integriert sie in Wasch- und Geschirrspülmittel und nutzt ökonomische und ökologische Vorteile der weißen Biotechnik. Reinigungsmitteltonnen schrumpften auf diese Weise zu kleinen Kartons mit Tabletten. Das bedeutet: weniger Rohstoffe, weniger Chemie, weniger Verpackung, vereinfachte Abläufe, niedrigere Kosten.

Schon 2001 forderten OECD und EU-Kommission die Industrie auf, derartige Verfahren stärker für ein nachhaltigeres, verantwortungsvolleres Wachstum zu nutzen. Kommende Woche widmet sich ein Kongress in Berlin der weißen Biotechnik als Erfolgsstrategie für eine nachhaltige Chemieindustrie.

Was die Mikroben alles können und welche wirtschaftliche Bedeutung sie haben, ist weithin unbekannt. Denn anders als bei der "roten" medizinischen Biotechnik entstehen die Innovationen nur selten in börsennotierten Jungfirmen, sondern unauffällig in Großkonzernen.

Mit Hilfe biotechnischer Verfahren entstehen weltweit allein in der Chemie fast fünf Prozent aller Substanzen. Das entspricht 35 Mrd. Euro Umsatz. Dieser Anteil werde sich bis 2010 auf bis zu 20 Prozent vervielfachen, erwarten Experten der Unternehmensberatungen McKinsey und Capital Festel. Das entspräche einem Umsatz von 310 Mrd. Dollar, rechnet Jens Riese, Mitautor einer McKinsey-Studie, vor.

Biotechnik kann nicht nur der Chemie- und Pharmabranche dienen, sondern auch der Textil-, Spielzeug-, Kosmetik-, Papier-, Lebensmittel- und Automobilindustrie sowie der Energiebranche für Biokraftstoffe. Der Maschinenbau wiederum kann von der Nachfrage nach Fermentationsapparaten profitieren.

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