Unternehmen wälzen steigende Rohstoffkosten ab: Stahlhersteller läuten neue Preisrunde ein

Unternehmen wälzen steigende Rohstoffkosten ab
Stahlhersteller läuten neue Preisrunde ein

Die europäischen Stahlkonzerne nutzen das im Moment noch günstige Marktumfeld und läuten für Anfang April eine neue Preisrunde ein. Es wäre die sechste Erhöhung in Folge. Seit Anfang 2003 haben sich die Preise etlicher Stahlsorten bereits mehr als verdoppelt. Branchenbeobachter gehen allerdings davon aus, dass der Spielraum für weitere Preisanhebungen allmählich enger wird. In den USA sei der Höhepunkt bereits überschritten.

HB DÜSSELDORF. Ein Sprecher des zweitgrößten deutschen Stahlherstellers Salzgitter sagte dem Handelsblatt: „Aus unserer Sicht sind weitere Preiserhöhungen notwendig, um die steigenden Kostenbelastungen aufzufangen.“ Insbesondere beim Einkauf von Kokskohle und Eisenerz zeichne sich gegenüber 2004 eine deutliche Verteuerung ab. Eine endgültige Entscheidung über den Umfang der Preiserhöhungen ab April habe Salzgitter aber noch nicht getroffen, ergänzte der Sprecher.

Nicht nur Stahl ist als Folge des von China ausgelösten NachfrageBooms knapp und teuer, sondern auch andere für die Stahlproduktion benötigte Rohstoffe. Daraus versuchen die international führenden Rohstoffkonzerne Kapital zu schlagen. Die beiden australischen Rohstoffkonzerne BHP Billiton und Rio Tinto erhöhten Anfang Januar im Vergleich zu 2004 ihre Preise für Kokskohle um mehr als 100 Prozent. Nun setzt der weltgrößte Eisenerzproduzent CVRD aus Brasilien die Stahlhersteller unter Druck: CVRD fordert für die neuen Jahreskontrakte ab April einen Preisaufschlag von 90 Prozent.

Analyst Hermann Reith von der BHF-Bank in Frankfurt glaubt allerdings, dass CVRD Abstriche machen wird. Doch schon eine Erhöhung der Eisenerzpreise um 40 Prozent würde die Produktion einer Tonne Roheisen um 20 Euro verteuern, hat er ausgerechnet. Die Hälfte der Herstellungskosten in der Stahlindustrie entfällt auf Rohstoffe.

Sozusagen im Vorgriff des zu erwartenden Kostenschubs wird der größte deutsche Stahlhersteller Thyssen-Krupp die Tagespreise für bestimmte Stahlsorten ab April um 15 bis 30 Euro je Tonne anheben. Der weltgrößte Stahlhersteller Arcelor mit Sitz in Luxemburg und die britisch-niederländische Corus-Gruppe dürften in den nächsten Tagen nachziehen, heißt es in Branchenkreisen. Arcelor legt am Donnerstag die Bilanz für 2004 vor.

Markus Hennes
Markus Hennes
Handelsblatt / Teamleiter Sport
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