Unternehmen wollen Produktionskosten senken und Märkte erobern – Neue Studie
Deutsche Maschinenbauer verlagern Produktion ins Ausland

90 Prozent der deutschen Maschinen- und Anlagenbauer wollen in den kommenden fünf Jahren Unternehmensteile in andere Länder verlagern. Das ist das Ergebnis einer Studie, die die Unternehmensberatung Roland Berger mit der Universität Aachen erarbeitet hat. Die Studie liegt dem Handelsblatt vor.

DÜSSELDORF. Ausschlaggebend für diese Entwicklung sind vor allem niedrigere Produktionskosten, die verbesserte Fertigungsqualität außerhalb Deutschlands sowie der Wille, neue Absatzmärkte zu erobern. Auch andere Branchen drängen ins Ausland.

Osteuropa wird für den deutschen Anlagen- und Maschinenbau als verlängerte Werkbank zunehmend attraktiv. Von den in der Studie befragten 70 führenden Unternehmen des Maschinen- und Anlagenbaus sowie der Autozulieferer- und Elektronikindustrie lassen rund 20 Prozent schon in Osteuropa produzieren und montieren – auch auf Kosten deutscher Jobs. Dennoch hat der Anlagen- und Maschinenbau mit 885 000 Mitarbeitern nach wie vor mehr Beschäftigte als alle anderen deutschen Industriezweige. Neben den niedrigen Lohnkosten sprechen aus Sicht der Unternehmen auch die politische Stabilität und das gute Ausbildungsniveau der dortigen Mitarbeiter für den Standort Osteuropa.

„Die Verlagerungen haben heute eine andere Qualität als in den neunziger Jahren, als viel nach Spanien und Portugal verlagert wurde“, sagte der Aachener Professor und Mitautor der Studie, Günther Schuh. „Heute ist ein nachhaltigerer Effekt nötig.“ Der Gang nach Osteuropa lohnt sich für deutsche Unternehmen auch deshalb, weil die dortige Fertigungsqualität in den vergangenen Jahren steil angestiegen ist. 62 Prozent der befragten Unternehmen gaben an, dass ihre Standorte in Osteuropa inzwischen die gleiche Fertigungsqualität hätten wie in Deutschland. Deshalb lassen die Maschinen- und Anlagenbauer zunehmend auch komplexe und technologieintensive Produkte beziehungsweise komplette Baugruppen in Osteuropa herstellen. Lediglich die Produktivität sei hier zu Lande noch wesentlich höher, heißt es in der Studie.

Bei dem Gang nach Osteuropa „stehen die niedrigeren Kosten im Vordergrund“, sagte Kay Mayland, Vorstandschef des weltgrößten Walzwerkeherstellers SMS Demag, dem Handelsblatt. Dagegen gehe es beispielsweise in China vorrangig um die Erschließung des Marktes. Das bestätigte Reinhardt Geissbauer, Partner bei Roland Berger und Mitautor der Studie: „Asien kann nicht mehr nur von Deutschland aus bedient werden.“

Dies liegt schon daran, dass etwa die Regierung in Peking fordert, auch die Chinesen an der Wertschöpfung zu beteiligen. „In China können Sie ohne lokale Fertigung keine Anlage verkaufen“, sagte Mayland. Die Studie rät Unternehmen, auf großen Zukunftsmärkten wie China nicht nur produzieren zu lassen. Stattdessen sollten auch hochwertige Entwicklungs- und Konstruktionsarbeiten ausgelagert sowie lokale Service- und Ersatzteilstandorte im Ausland aufgebaut werden. Dadurch könne etwa vermieden werden, dassbei Problemen jeweils deutsche Spezialisten eingeflogen werden müssten.

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