Unternehmensfinanzierung
Wenn die Fälligkeit droht

Die Refinanzierung ihrer bis Ende 2009 auslaufenden Anleihen wird für die meisten Dax-Konzerne erheblich teurer. Den größten Finanzbedarf hat der Stuttgarter Automobilkonzern Daimler mit Anleihefälligkeiten von knapp 12 Milliarden Euro.

DÜSSELDORF. Die Realwirtschaft rast in die Rezession, auch bei einigen großen Dax-Unternehmen sinkt der Mittelzufluss aus dem operativen Geschäft rapide. Der Zeitpunkt könnte nicht ungünstiger sein, denn allein bis Ende 2009 werden Anleihen der Dax-Konzerne außerhalb des Finanzbereichs in Höhe von insgesamt mehr als 50 Mrd. Euro fällig.

Den größten Finanzbedarf hat der Stuttgarter Automobilkonzern Daimler mit Anleihe-Fälligkeiten in Höhe von knapp zwölf Mrd. Euro. Danach folgen die Konkurrenten BMW und Volkswagen sowie Deutsche Post mit jeweils rund sechs Mrd. Euro. Telekom, Eon und Bayer benötigen jeweils mehr als vier Mrd. Euro.

Pech haben insbesondere diejenigen Unternehmen, die nicht genügend Barreserven angelegt haben, um ihre Schulden zu tilgen. Ihnen bleibt keine andere Wahl, als sich neues Geld zu borgen. Doch die meisten Banken horten Liquidität, wenn überhaupt vergeben sie Kredite nur zu deutlich schlechteren Konditionen. Auch der Weg über den Kapitalmarkt entschärft das Problem nicht: Die Zinssätze für neu ausgegebene Anleihen steigen kräftig.

Das gilt vor allem für die kriselnde Autobranche. So musste der Münchener BMW-Konzern in der vergangenen Woche den Investoren eine Rendite von knapp neun Prozent bieten, damit diese eine neue fünfjährige Anleihe des Unternehmens im Volumen von 750 Mio. Euro zeichneten. Noch im Oktober 2007 konnte BMW eine Fünfjahres-Anleihe mit einem jährlichen Kupon von 4,875 Prozent, also vier Prozentpunkte weniger, begeben. Die Analysten von Merrill Lynch werteten die Umschuldungsaktion dennoch positiv: Viele Investoren hätten gar nicht mit der Möglichkeit einer Refinanzierung für den Autobauer auf diesem Weg gerechnet, heißt es in einer aktuellen Studie der US-Bank.

Allerdings verdeutlicht ein Blick auf die Credit Default Swaps von BMW, wie extrem hoch der Zinskupon der neuen Anleihe tatsächlich ist. CDS sind Kreditderivate, die Banken kaufen, um sich gegen den Zahlungsausfall ihrer Kunden abzusichern. Die Höhe der Prämie (CDS-Spread) impliziert, wie hoch der Markt die Ausfallwahrscheinlichkeit des Kreditnehmers einschätzt.

Der CDS-Spread von BMW notiert aktuell bei 370 Basispunkten (3,7 Prozent). Bevor Investoren die Anleihe des Unternehmens zeichneten, verlangten sie zusätzlich noch eine Art Liquiditätsprämie, wodurch der Spread für die Anleihe auf insgesamt 525 Basispunkte (5,25 Prozent) - also das 1,4-Fache des CDS-Spreads - stieg. Dieser Spread wird auf den Interbankensatz von 3,6 Prozent aufgeschlagen, zu dem sich Banken derzeit untereinander Geld leihen.

Das Beispiel BMW zeigt deutlich: Nicht das Risiko eines Zahlungsausfalls ist das eigentliche Problem, sondern der akute Liquiditätsengpass auf den Kapitalmärkten. Denn nicht nur die Banken, auch Fonds und Versicherungen halten ihre Taschen zu.

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