Unternehmensgeschichte
Wie Siemens zum Jahrhundert-Champion wurde

Sie überdauerten die Depression der 20er-Jahre und beide Weltkriege. Zwei Autoren haben untersucht, was die Traditionsunternehmen Europas erfolgreich gemacht hat. Auch der große deutsche Mischkonzern Siemens ist dabei.
  • 0

Dieses Buch ist nichts für flüchtige Lektüre. Auch der Unterhaltungswert hält sich in Grenzen. Wer eine launige Reise durch die Welt der erfolgreichen Traditionsunternehmen Europas erwartet, wird enttäuscht sein. Dieses Buch wendet sich an Leute, die schon etwas genauer wissen wollen, warum AEG untergegangen ist, Siemens aber überlebt hat. Aber: Die beiden Autoren, Christian Stadler und Philip Wältermann, der eine Professor für Strategisches Management an der Warwick Business School, der andere Unternehmensberater, erheben nicht den Anspruch, den Stein der Weisen gefunden zu haben.

„Wir wissen nicht, ob diese Konzerne auch zukünftig Erfolg haben werden; wie wissen aber, dass sie in der Vergangenheit etwas richtig gemacht haben.“ Ihre Suche danach auf gut 200 Seiten ist durchaus lesenswert. Was dieses Buch von anderen Championaten unterscheidet, ist der Versuch einer langfristigen Analyse. Unternehmen, die nicht mindestens 100 Jahre geschafft haben, hatten keine Chance auf Erwähnung.

Folgerichtig beginnen die Autoren auch erst einmal mit der Vorstellung des britischen Clubs Tercentenarians. Der wurde zwar erst vor 40 Jahren gegründet. Mitglieder sind aber mindestens 300 Jahre alt. Aber es geht nicht nur um das Gründungsdatum. Die Autoren haben sich für ihre mehrjährige Studie, an der ein neunköpfiges Forscherteam beteiligt war, 18 langlebige Unternehmen aus ganz Europa ausgesucht und aus deren Analyse Thesen und Erkenntnisse entwickelt. Beginnend mit der Aachener und Münchener Versicherungsgesellschaft über BP, Nokia bis zum früheren britischen Pharmakonzern Wellcome.

Die Namen sind Programm. Dieses Buch ist ausdrücklich nicht den Googles oder Vodafones dieser Welt gewidmet. Herausdestilliert wurden fünf unternehmerische Prinzipien, die zwar nicht überraschend, aber durchaus erkenntnisreich sind. Über Regeln wie „Effizienz vor Innovation“ oder „aus Fehlern lernen“ haben wir auch schon an anderer Stelle etwas gelesen. Hier sind sie allerdings hergeleitet aus der Beobachtung der Jahrhundert-Champions. Und nicht das Ergebnis einer Klausurtagung von Hunderten Unternehmensberatern.

Bleibt noch die Frage, ob die Jahrhundert-Erfahrungen auch in Zeiten nach dem großen Lehman-Crash Relevanz haben. Ob sie noch als Maßstab gelten können. Diese Frage stellen sich die Autoren selbst. Und ihre Antwort darauf ist eindeutig. „Wir neigen wie jede Generation dazu, die Herausforderungen unserer Zeit als besonders dramatisch zu betrachten.“ Und die Jahrhundert-Champions überlebten die Depression der 20er-Jahre und die beiden Weltkriege. Insofern gilt die Erkenntnis, dass die Tür jederzeit weit offen steht für Erfolg oder Misserfolg eines Unternehmens.

Dieter Fockenbrock
Dieter Fockenbrock
Handelsblatt / Chefkorrespondent

Kommentare zu " Unternehmensgeschichte: Wie Siemens zum Jahrhundert-Champion wurde"

Alle Kommentare

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%