Unternehmensgründung
Swatch-Gruppe entwickelt Luxusuhren für Tiffany

Der Schweizer Luxusgüterkonzern Swatch wird seinem Imperium eine neue Uhrenmarke hinzufügen: Unter dem Namen "Tiffany“ sollen künftig hochwertige Uhren hergestellt und von der Swatch -Gruppe und dem Juwelenhändler Tiffany gemeinsam verkauft werden. Die beiden Partner dürften noch in diesem Jahr ein Unternehmen gründen.

ZÜRICH. Den Gewinn wollen sich beide Hersteller teilen, wie sie jetzt bekannt gegeben haben. "Die Swatch -Gruppe ist die denkbar beste strategische Partnerin für den geplanten Wiedereinstieg von Tiffany in den Uhrenmarkt“, sagte der Chef der börsennotierten Tiffany -Gruppe Michael Kowalski. Swatch-Chef Nick Hayek sieht Tiffany künftig Seite an Seite mit den "bekanntesten und anerkanntesten Uhrenmarken weltweit“. Eine finanzielle Verflechtung beider Firmen sei nicht geplant, hieß es weiter von der Swatch -Gruppe. Die Schweizer würden von der starken Marke der Amerikaner profitieren, kommentiert Patrick Hasenböhler, Analyst bei der Privatbank Sarasin.

Uhren sind der Exportschlager der Schweizer Wirtschaft. Mit rund einer Mrd. Euro erreichte der Wert der Uhrenexporte im Oktober nach Mitteilung des Dachverbands der Schweizer Uhrenindustrie einen neuen Rekord. Verglichen mit dem Vorjahr erhöhten sich die Ausfuhren damit um 12 Prozent. Ein neuer Rekord ergibt sich auch bei den Exporten in den ersten zehn Monaten des laufenden Jahres: Die Uhrenindustrie verkaufte Zeitmesser im Wert von umgerechnet knapp acht Mrd. Euro. Das Plus beträgt 16,3 Prozent. Neben rund einem Dutzend kleineren Manufakturen prägen die beiden Konzerne Swatch und Richemont die Branche.

Die Swatch -Gruppe setzt seit Jahren immer stärker auf das hochpreisige Luxussegment, in dem die Margen deutlich über dem liegen, was bei günstigen Marken wie etwa der Swatch selbst verdient wird. Zum Swatch-Konzern gehören 19 Marken, darunter klingende Namen wie Glashütte, Blancpain und Longines. Erfolgreich hat die Swatch -Gruppe immer wieder totgesagte Uhrenmarken wiederbelebt. So feiert sie mit Breguet Erfolge, einer Marke, die Uhren mit oft fünfstelligen Preisen anbietet. Daneben bemüht sie sich, Marken wie Omega aufzuwerten und als Herausforderer für Rolex zu platzieren.

Treibende Kraft ist dabei neben Nick Hayek nach wie vor dessen Vater, der 80-jährige Firmengründer und Verwaltungsratspräsident Nicolas Hayek, der in der Schweiz einen legendären Ruf als "Retter der Uhrenindustrie“ genießt. Die Familie Hayek besitzt laut jüngstem Geschäftsbericht 37,3 Prozent des Konzerns. Der Anteil dürfte steigen, wenn ein Aktienrückkaufprogramm, bei dem die erworbenen Aktien vernichtet werden, wie geplant abgeschlossen und im nächsten Jahr von der Generalversammlung auch so gutgeheißen wird. Die Familie wird sich dann weiter der Schwelle nähern, von der aus sie ein Übernahmeangebot an die anderen Aktionäre abgeben muss. Diese Schwelle liegt bei der Swatch -Gruppe bei 49 Prozent.

Verwaltungsratspräsident Hayek hat in Interviews stets mit dieser Lösung geliebäugelt, wenn er seine Abneigung gegen die Spielregeln an der Börse äußerte. So bezeichnet er das Bei-Laune-Halten der Investoren als mühsame Geschichte: "Wir verlieren damit eine Menge Zeit.“ Dass die Familie den Konzern tatsächlich selbst übernimmt, sei allerdings dennoch nicht absehbar. Dann nämlich, sagt Hayek, müsste er sich Geld bei der Bank leihen, was er auch nicht will.

Oliver Stock
Oliver Stock
Handelsblatt / Stellvertretender Chefredakteur
Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%