Unternehmenskrisen: Deutschlands Konzerne im Abwärtssog

Unternehmenskrisen
Deutschlands Konzerne im Abwärtssog

Traditionsmarken wie Commerzbank, aber auch frühere Vorzeigeunternehmen wie K+S kämpfen gegen den Niedergang. Gewinneinbrüche erschüttern selbst Schwergewichte der deutschen Wirtschaft. Warum geht es ihnen so schlecht?
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Die Nahtoderfahrung des Bonner Ökopioniers Solarworld ist nur das jüngste Beispiel einer ganzen Serie von Unternehmenskrisen: Dem hoch verschuldeten Bonner Immobilienkonzern IVG droht der Kollaps. Die Baumarktkette Praktiker rabattierte sich im Juli in die Pleite. Der oberfränkische Fernsehhersteller Loewe flüchtete ebenso wie der traditionsreiche Suhrkamp-Verlag unter einen Insolvenz-Schutzschirm.

Mit Wucht werden derzeit selbst Konzernschwergewichte durchgeschüttelt: Zerschlagungsgerüchte erschüttern den Stahlgiganten ThyssenKrupp. Siemens-Chef Peter Löscherwurde wegen chronischer Renditeschwäche vom Hof gejagt. Dem Düngemittelproduzenten K+S droht nach einer dramatischen Kursschmelze gar der Rauswurf aus der ersten Börsenliga. Nebenher orchestrieren energiewendegeplagte Versorger und dauerkriselnde Finanzhäusern das Konzernrequiem.

Doch steckt hinter Großpleiten und Gewinneinbrüchen mehr als eine zufällige Häufung prominenter Einzelfälle? Schließlich tendiert der deutsche Aktienindex Dax nahe seinem Höchststand, die Konjunkturdaten sind solide, und Politiker aller Parteien preisen unverdrossen die Stärke der heimischen Wirtschaft.

Tatsächlich ist die Lage gespalten. „Einerseits geht die Zahl der Unternehmensinsolvenzen deutlich zurück“, heißt es beim Verband der Insolvenzverwalter Deutschlands. „Gleichzeitig gibt es seit Monaten eine auffällige Häufung von Großinsolvenzen mit enormen finanziellen Schäden und einer großen Anzahl gefährdeter Arbeitsplätze.“

Was also ist los in den deutschen Konzernzentralen? Warum geraten ausgerechnet bekannte Marken und vermeintlich stabile Großunternehmen ins Wanken?

Fest steht: Das Gros der Krisen ist hausgemacht – die banale Erkenntnis hat nicht an Gültigkeit verloren. Doch jenseits aller operativen Fehlgriffe, aller internen Macht- und globalen Konkurrenzkämpfe vollzieht sich Grundsätzliches. Gleich mehrere Faktoren sorgen dafür, dass sich Krisen schneller als je zuvor von Störfeuern zu existenzbedrohenden Flächenbränden ausweiten können. Die Basis dafür wurde in der Finanzkrise gelegt. „Nie zuvor“, sagt Rolf-Magnus Weddigen, Deutschland-Chef der Strategieberatung Bain, „hat ein globaler Abschwung solche schwerwiegenden Folgen gehabt.“

Um die Wirtschaftsflaute im Zuge der Finanzkrise zu bekämpfen, haben die Notenbanken weltweit die Leitzinsen drastisch gesenkt. Das Instrument half: Unternehmen bekamen wieder Geld. Zugleich sorgte der in der Folge entstehende Anlagedruck aber auch dafür, dass marode Konzerne künstlich am Leben erhalten wurden. Gerät nun die Konjunktur auch nur ein wenig ins Stocken, rächen sich die Sünden der Vergangenheit: Cash, boom, bang!

Kommentare zu "Deutschlands Konzerne im Abwärtssog"

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  • Selten so viel Nonsens gelesen. Wenn Unternehmen versagen, hat die Politik in den seltensten Fällen Schuld daran. Inerter Linie leitet der Vorstand ein Unternehmen. Überall auf der Welt sind Rahmendaten gegeben, die berücksichtigt werden müssen. Wofür bekommt den ein Vorstand sein Gehalt, dass oft astronomisch hoch ist? Er muss eben mit seiner Kompetenz und Führungsstärke das Unternehmen lenken. Der Aufsichtsrat ist seine Kontrollinstanz dem er berichten muss. Der Aufsichtsrat hat zum Wohle des Unternehmens zu entscheiden. Am Ende steht der Investor, welcher für sein Invetment eine Rendite erwartet.
    Dieses ganze Konstrukt ist aus dem Ruder gelaufen. Selbstgefällige, oft von McKinsey eingeschleuste, hochmütige, gierige und leider auch inkompetente Vorstände werden von durch Seilschaften eingesetzte und gierige Aufsichtsräte kontrolliert und alle versuchen den hoffnungslos überzogenen Renditeerwartungen der Investoren zu genügen.
    Bei der Gemengelage brauchen wir keine unfähigen Politiker mehr, das Konstrukt ist eh schon explosiv genug.
    Die Ünfähigkeit unserer Politiker beziehe ich aber darauf, dass sie weder die Situation richtig einschätzen noch das geringste dagegen tun.

  • Jetzt rächt sich, dass die Unternehmen sich entweder von der Politik fernhalten oder reine Interessenwahrung betrieben haben. Das ist in einem überschaubaren Zeitraum sehr vorteilhaft. Langfristig jedoch zerstört das die Investitionssicherheit.
    Fast jede Branche durfte das erleben, aktuell ist besonders die Versicherungswirtschaft betroffen, die bei den Reformen der Regierung Schröder nur zuschaute und sich mit Ertragssicherung zufrieden gab oder ledigklich nur auf entsprechende Regelungen pochte wie z.B. das Mitnahmeverbot der Altersrückstellungen in der PKV.
    Vor lauter Renditegeilheit haben die Unternehmen ihre gesellschaftliche Gestaltungsaufgabe verraten und der Inkompetenz der Politik überlassen. Nun zahlen sie den Preis für die eigene arrogante Dummheit gemeinsam mit den Politikern. Stabile Macht und auch stabiler unternehmerischer Erfolg basiert auf langfristig geplante und sorgsam gepflegter Gesellschaftspolitik.
    Wir aber haben uns auf Politiker und dumme Betriebswirte verlassen, die von nichts eine Ahnung haben außer wie man möglichst viel herausquetscht aus einem gegebenen System.
    Betriebswirtschaft ist wie Jura eine wichtige Hilfswissenschaft, wenn sie anfängt (wie Jura) das geschehen zu bestimmen wackelt der Schwanz mit dem Hund.

    H.

  • Die Wirtschaftskrise ist durch die Politik diktiert worden und die Konzerne haben sich von der Politik Gesetze und Verordnungen vorschreiben lassen, die einer freien Marktwirtschaft widerstreben. Die deutsche Politik macht den deutschen Unternehmen den Wettbewerbsvorteil durch immer mehr ökologische und unsinnige Klimschutz Gesetze zu nichte! Energie- und Wirtschaftspolitik wird einer ideologischen Umweltpolitik geopfert. Das EEG und die absurde Energieeinsparverordnungen (in einer Welt mit unbegrenzten und immer verfügbarer Kernenergie) ist für die Vernichtung der Energiekonzernze und Infrastruktur verantwortlich. Verschwinden die großen Versorger, dann verschwindet auch das Kapital (Steuer-Abgaben) die unsere Wohlstands-Einrichtungen (vom öffentlichen Bad bis zur öffentlichen Infrstruktur) bezahlen.
    Der ESM ist ein weiter politischer Sargnagel für unsere Konzerne und Unternehmen in Deutschland.

  • Offensichtlich ist der Drang nach schierer Größe im Management so starkausgebreitet, dass die Risiken geringgeschätzt (bzw. die eigene Managementfähigkeit überschätzt) wird.
    Es sind intelligente Manager / Menschen, die sich selbst ein Denkmal errichten wollen; aber es sich auch intelligente Menschen, die als Mitarbeiter oder Aufsichtsräte kritische Fragen stellen könnten.
    In Unternehmen ist nie einer alleine für einen Fehler verantwortlich!

  • Hoffentlich gehts bald schneller bergab mit dem ganzen sinnlosen Spielgeld und der unsäglichen Geldvermehrung. Der Kapitalsimus befindet sich im freien Fall :) und die Armani-Linke (gefunden bei dem Schwarzbuch des Kapitalismus und ein toller Begriff, weil wahr!) hat versäumt rechtzeitig sich kritisch mit dem System auseinander zu setzen.

    Es lebe der Faschismus und mit ihm all die Grausamkeiten, die seitens der Besserverdienenden tagtäglich fabriziert werden. Am DEUTSCHEN WESEN SOLL JA DIE WELT GENESEN. An der Alternative für Deppen sowieso :)

    DER KAPITALISMUS TRÄGT SICH ZU GRABE!! Ob das nun einer will oder nicht :-)....und dann können ja die Besserverdienenden wieder zum Raubtier mutieren. Zum Sadisten haben sie sich schon gewandelt.

  • @Georg Richtig! Bin bald 60; wir sind die größten Versager
    unter der Sonne. In die Pleite von Deppen geführt und die Komiker auch noch gewählt.

  • Ach ja es ist einfach die Probleme auf die Generation "Pisa" zu schieben. Nur wenn wir uns einmal angucken wer die Strategien und Ziele ausgearbeitet hat die die meisten Unternehmen an den Rand des Abgrunds getrieben haben, dann war das eher die Generation der heute 50 bis 60 jaehrigen! (@ kognitiver)

  • Starker, gut recherchierter Artikel. Nach fünf Jahren Geldflut ist eine Flurbereinigung überfällig. Dennoch werden wir morgen wieder lesen, man solle sein Geld in Aktien anlegen, alternativlos, zur Altersvorsorge! Dann fängt die Woche gleich mit einem Lacher an.

  • Problem is BIG money is too big! When big money wants to reproduce (expand) it sucks like ticks on other money stacks. Publically traded shareholding companies are such easy manipulable money stacks to help oneself to. Since this is heavy influence the company under attack is bound to collapse in the process... got it?


  • Der von Wiwo übernommene Aufsatz führt aus: „Das Gros der Krisen ist hausgemacht – die banale Erkenntnis hat nicht an Gültigkeit verloren“.

    Hinter dieser Aussage stehen sehr unterschiedliche Gründe für das Scheitern. Wegen der Vielzahl der Ursachen können Hinweise zur Vermeidung von Schieflagen nur sehr allgemein sein. Das Konkrete obliegt den Vorständen, Geschäftsführern oder Einzelkaufleuten. Die Probleme der Solarbranche kommen eigentlich nicht überraschend: so produzieren nahezu alle Modulanbieter mit zugekauften Betriebsausrüstungen und folgerichtig mit fremden Know-how. Folgerichtig wird der Wettbewerb über die Produktionskosten - insbesondere die Lohnkosten - geführt. Der Bestand der europäischen Modulhersteller kann m.E. nur gesichert werden, wenn das technische Knowhow der Fertigung in wesentlichen Teilen beherrscht und bestimmt wird. Anderenfalls werden deren Wünsche nach Preissubvention oder Strafzöllen (deren Wirkung letztlich denen von Subventionen gleicht) permanent vorgetragen werden. Betriebe, die keine Niedriglöhne als Wettbewerbsfaktor nutzen (können), müssen wirkungsgleiche Alternativen entwickeln. Man kann nicht folgenlos lohnkostenintensiveres Personal an Betriebsausrüstungen stellen, die frei gehandelt werden und bei den Wettbewerbern ebenfalls vorhanden sind. Der notwendige Rationalisierungsdruck muss künftig über fortschrittliche, hochproduktive Ausrüstungsunikate geführt werden. Geschieht dies nicht, werden sich die Konsumenten für die Konkurrenzangebote entscheiden. An dieser simplen Wahrheit führt nichts vorbei - auch keine strammen patriotischen Appelle.

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