Unternehmenszahlen
General Electric legt in Deutschland kräftig zu

Investitionen in den Vertrieb, ein Forschungszentrum vor den Toren Münchens, Millionen für Reklame: General Electric hat sich in den vergangenen Jahren sehr bemüht, dem Konkurrenten Siemens in Deutschland das Leben schwer zu machen. Die Anstrengungen machen sich bezahlt: Der US-Konzern wächst bundesweit zweistellig und hält jetzt Ausschau nach Zukauf-Möglichkeiten.

MÜNCHEN. Der Siemens-Rivale General Electric (GE) kommt in Deutschland gut voran. „Wir sind sehr zufrieden mit dem Geschäft“, sagte Deutschland-Chef Georg Knoth im Gespräch mit dem Handelsblatt. GE wachse bundesweit zweistellig und entwickle sich damit dynamischer als der gesamte Konzern, der sich ein jährliches Plus von acht bis zehn Prozent als Ziel gesetzt hat.

Überprüfen lassen sich die Aussagen allerdings nicht, denn GE veröffentlicht schon seit einigen Jahren keine Zahlen mehr für Deutschland. Die letzten Angaben stammen aus dem Jahr 2004. Damals erreichte GE in Deutschland, der Schweiz und Österreich einen Umsatz von etwa sieben Mrd. Euro. Zum Vergleich: Siemens erwirtschaftete allein in Deutschland im zweiten Quartal 2007 knapp 3,6 Mrd. Euro.

GE hat sich in den vergangenen Jahren sehr bemüht, dem Konkurrenten Siemens auf dessen Heimatmarkt das Leben schwer zu machen. Die Amerikaner haben in den Vertrieb investiert, ein Forschungszentrum vor den Toren Münchens gebaut und Millionen für Reklame ausgegeben. „In den vergangenen Monaten haben wir die Werbung sogar noch verstärkt“, sagte Deutschland-Chef Knoth. So sind die Spots inzwischen nicht nur in Zeitungen und Magazinen zu sehen, sondern auch auf Internetseiten und im Fernsehen zu den besten Zeiten vor der „Tagesschau“ oder der „Sportschau“. „Wir merken, dass uns ein besseres Image in den Geschäftsbeziehungen hilft“, begründete der Manager die Ausgaben. Wie viel Geld GE genau ausgibt, wollte Knoth nicht sagen. Der Schwerpunkt der Kampagne liegt auf umweltfreundlichen Produkten wie der Wasseraufbereitung und der Windkraft.

Siemens dagegen hat sich seit der Trennung vom Handy-Geschäft vor zwei Jahren fast ganz aus der Werbung für die breite Öffentlichkeit zurückgezogen. In Konzernkreisen heißt es jetzt aber, dass eine Kampagne für das Jahresende geplant sei. Der neue Konzernchef Peter Löscher war früher bei GE und hat gleich nach seinem Amtsantritt im Sommer durchblicken lassen, dass er wieder mehr Geld für Reklame ausgeben möchte.

Siemens und GE sind vor allem in der Energieerzeugung und in der Medizintechnik erbitterte Rivalen. Darüber hinaus stehen sie sich auch im Geschäft mit Lichttechnik gegenüber. GE ist allerdings zudem in Bereichen tätig, die Siemens überhaupt nicht abdeckt, zum Beispiel den Medien (NBC) oder im Bankgeschäft. In Deutschland beschäftigt das Traditionsunternehmen rund 9 000 Mitarbeiter. Weitere Beschäftigte könnten bald hinzukommen, denn GE bleibt auf Akquisitonskurs: „Wir wollen expandieren, und wenn eine Firma zu uns passt, dann kaufen wir auch“, so Knoth.

Joachim Hofer
Joachim Hofer
Handelsblatt / Korrespondent München
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