Unternehmer kämpfen gegen die Krise
Griechische Tiger in Thessaloniki

Griechische Firmen können durchaus auf dem internationalen Markt konkurrenzfähig sein – wenn die eigene Regierung sie denn lässt. Zwei Unternehmer in Thessaloniki stemmen sich gegen die Krise.
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ThessalonikiDie Fahrt vom Zentrum der nordgriechischen Stadt Thessaloniki dauert mehr als 40 Minuten. Vorbei geht’s an den üblichen Beton-Wohnblöcken der griechischen Vorstädte, verfallenen oder gar nicht fertig gebauten Industriegebäuden, die zum Teil an das verlassene Zentrum der amerikanischen Autostadt Detroit erinnern. Eigentlich kaum vorstellbar, dass hier noch etwas produziert wird.

Welch einen Kontrast bietet da die Zentrale des Baustoffherstellers Isomat. Die Produktionsanlagen und das Verwaltungsgebäude sehen aus wie neu, das Firmengelände ist ordentlich aufgeräumt. Firmenchef Stefanos Tziritis empfängt den Besucher in seinem freundlich eingerichteten Büro. Er spricht hervorragend deutsch: „Ich habe die deutsche Schule in Thessaloniki besucht und in Deutschland Bauingenieurwesen studiert.“ Doch das sei 30 Jahre her, sein Deutsch sei deshalb etwas eingerostet. Was natürlich überhaupt nicht stimmt.

1980 hat Tziritis sein Unternehmen Isomat gegründet, „in einem Hühnerstall, den ich mit ein paar Betonsteinen ausgebaut habe“, wie er lächelnd anmerkt. Seitdem ist die Firma kontinuierlich gewachsen. Sie produziert Dämmstoffe und Isoliermaterial, Bodenfliesen, Trockenmörtel und andere Baustoffe. Es gibt Niederlassungen in Athen, in Rumänien, Bulgarien, Serbien und der Türkei sowie eine Repräsentanz in Moskau. Mittlerweile arbeiten 350 Mitarbeiter bei Isomat, 230 davon in Griechenland.

2014 war ein sehr gutes Jahr für die Firma. Der Umsatz wurde insgesamt um 7,7 Prozent auf 33 Millionen Euro gesteigert, in Griechenland allein waren es sogar 12,5 Prozent. „Der kleine Zuwachs des griechischen Bruttoinlandsprodukts im vergangenen Jahr hat uns allen Kraft und Zuversicht gegeben“, sagt Tziritis. Die Tourismussaison war gut, Hotels haben wieder in Renovierung und Ausbau ihrer Gebäude investiert. Auch dieses Jahr hat sich sehr gut angelassen – bis zum 29. Juni, als die Kapitalverkehrskontrollen eingeführt wurden. „Jetzt steht alles auf dem Spiel“, sagt Tziritis nachdenklich.

Natürlich hat er sein eigenes Risikomanagement betrieben. Die Firma hat auch ein Bankkonto in Deutschland, damit kann er die für die Produktion benötigten Rohstoffe noch bezahlen. Und auch die fünf chemischen Labors des Unternehmens müssen noch nicht darben, sie entwickeln schließlich jedes Jahr 15 bis 20 neue Produkte.

Die Zukunft sieht Tziritis trotzdem eher skeptisch. Regierungschef Tsipras sei nun schon sechs Monate an der Macht, erreicht habe er bislang gar nichts. Seine Wirtschaftsberater – wie etwa der neue Finanzminister Tsakalotos und dessen Vorgänger Varoufakis – seien „marxistische Theoretiker, die nie in der freien Wirtschaft gearbeitet haben.“ Und Premier Tsipras „ein charismatischer Demagoge“, dem die anderen Parteien nichts entgegenzusetzen hätten. „Wissen Sie, wer Tsipras zum Ausgang des Referendums gratuliert hat? Fidel Castro, das sagt doch schon alles“, schimpft Tziritis.

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Am liebsten das ganze Land modernisieren

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  • Bei allem Respekt, aber GR braucht einen generellen Sinnes-Wandel. Die GR sind noch immer gefangen in ihrer Verehrung von Alexander dem großen Völkermörder (Vernichter des Persischen Reiches). d.h. ein Grieche denkt, dass andere für ihn arbeiten MÜSSEN (als Sklaven, Opfer,..).

    Und so lange man diese Denke nicht korrigiert, wird GR nicht auf die Beine kommen.

  • Nichts für ungut liebes Handelsblatt, aber wenn diese Unternehmen schon als "Griechische Tiger" bezeichnet werden, dann wird Griechenland nie eine Volkswirtschaftlichen Mehrwert = wirtschaftliche Wertschöpfung erbringen können.
    Das sind keine Tiger, sondern Schmusekätzchen.
    Griechenland brachaucht eine von Staat unterstützten Industrieaufbau. Eine Grundstoffindustrie. Eine Industriebranche die die Menschen in Griechenland in Massen an der wirtschaftlichen Wertschöpfung teilhaben lässt = Arbeitsplätze schafft. Für den inländischen Konsum und auch für den Export. Die griechische Regierung muss hier endlich ein Wirtschaftsprogramm auflegen und nicht immer wieder das erhaltenden EURO-EU Steuergeld in ihrem Beamten- und Staatsapparat umverteilen. Mit Umverteilung ist noch nie eine wirtschaftliche Wertschöpfung und damit ein Mehrwert für eine Gesellschaft generiert worden.

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