Unternehmer über Europa
„Wenn es die EU nicht gäbe, müsste man sie erfinden“

Europa wird 50 Jahre alt. Mit den Römischen Verträgen 1957 brach eine neue Zeit an – eine Zeit des Friedens und Wohlstands. Was Unternehmer über das vereinte Europa denken, was sie schätzen und besser machen würden.

Henning Kagermann, SAP-Chef:
„Die Idee, eine politische Gemeinschaft und einen gemeinsamen europäischen Wirtschaftsraum zu gründen, ist heutzutage noch genauso aktuell wie vor 50 Jahren. Die EU hat in diesem Zeitraum viel erreicht bei der Einführung der Freiheit von Handel und Arbeit und bei der Schaffung eines einzigartigen demokratisch-institutionellen Rahmens. Doch es muss besonders bei der Förderung von Innovationen in Europa noch mehr getan werden, um in einer globalisierten Weltwirtschaft erfolgreich mit rapide aufsteigenden ökonomischen Schwergewichten wie China und Indien mithalten zu können. Europa muss sich auf seine Stärken konzentrieren, d.h. es muss Kapital aus der Stärke seiner Industrie und dem hohen Qualifikationsniveau seiner Arbeitskräfte schlagen. Ich bin überzeugt davon, dass Europa der Informationstechnologie mehr Aufmerksamkeit schenken muss, da man heutzutage auf keinem Gebiet mehr die Nummer Eins sein kann ohne IT. Wir müssen unsere Ressourcen bündeln, um Experten aus den Hochschulen, der Industrie und - wo relevant - aus Regierungskreisen an einen Tisch zu bringen. Jenen Unternehmen, die aus diesem Prozess hervorgehen, muss ein breiterer Zugang zu Kapital eröffnet werden. Und wir sollten einen besseren, europaweiten Patentschutz einführen, um sicherzustellen, dass der finanzielle Nutzen von 'Innovation - Made in Europe' auch in Europa bleibt.“

Joachim Hunold, CEO Air Berlin:
„Wenn es sie noch nicht gäbe, müsste man die Europäische Union erfinden. Sie hat uns Zollfreiheit, Freizügigkeit und Niederlassungsfreiheit gebracht. Ohne die EU könnten deutsche Flugzeuge keine Inlandstrecken in Spanien oder Großbritannien bedienen. Und dass immer mehr Länder den Euro als gemeinsame Währung haben, erleichtert den grenzüberschreitenden Verkehr. Dennoch haben wir keinen Grund, in Europa-Euphorie zu verfallen. Leider hat sich die europäische Bürokratie zu einem Kraken entwickelt, der uns immer häufiger die Luft zum Atmen nimmt. Bereits zwei Drittel aller Gesetze, die die Wirtschaft betreffen, werden in Brüssel oder Straßburg beschlossen. Damit werden unser nationales Selbstbe-stimmungsrecht und unsere demokratischen Freiheiten eingeschränkt. Wir brauchen keine Vorschriften darüber, welchen Krümmungsradius eine Banane haben soll oder an wen wir einen Bauauftrag vergeben dürfen. Die Regierung der Bundesrepublik ist gerade während ihrer Präsidentschaft aufgefordert, der EU-Regulierungswut Grenzen zu setzen.“

Albert Darboven, Inhaber Kaffeerösterei J.J. Darboven:
„Die Vereinheitlichung der EU-Märkte war für unsere Kaffeerösterei J.J. Darboven höchst willkommen. Vor allem die erheblichen Vereinfachungen in Bezug auf den Zahlungsverkehr und ein eu-weit einheitlicher Röstkaffeepreis haben den Röstkaffeemarkt eindeutig belebt. Ein Hindernis und geradezu ein Ärgernis in Bezug auf den Binnenmarkt stellt die in Deutschland nach wir vor vorhandene hohe Kaffeesteuer dar.“

Ekkehard D. Schulz, Vorstandsvorsitzender Thyssen Krupp:
Am Anfang stand die Montanunion für Kohle und Stahl. Heute steht Europa für Frieden und Wohlstand und den größten Binnenmarkt weltweit. Für ThyssenKrupp eine erprobte Partnerschaft seit mehr als 50 Jahren, geprägt durch Vertrauen und Verlässlichkeit mit 125.000 Menschen an unseren Standorten in den 27 Mitgliedstaaten der EU. Der große Binnenmarkt ist Teil der Erfolgsstory Europa: 3 Millionen zusätzliche Arbeitsplätze, 900 Milliarden Euro Wohlstandszuwachs. Das sind die Fakten. Dennoch, Europa muss sein Potenzial noch besser ausschöpfen und die Vollendung des Binnenmarktes konsequenter vorantreiben. Ich denke vor allem an Dienstleistungen und Energie. Denn die wirtschaftliche Integration ist Vorreiter für die politische und gesellschaftliche Integration Europas. Wir dürfen keine Zeit verlieren, um Wachstum und Wohlstand in Europa dauerhaft zu sichern.

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