Untersuchung auf Mitarbeiter von Deloitte ausgeweitet: Parmalat nun auch der Geldwäsche verdächtig

Untersuchung auf Mitarbeiter von Deloitte ausgeweitet
Parmalat nun auch der Geldwäsche verdächtig

Die Behörden in Luxemburg untersuchen, ob der italienische Lebensmittelkonzern Parmalat in Geldwäscheaktivitäten verwickelt war. Das sagte Staatsanwalt Carlos Zeyen gestern. Banken in Luxemburg hätten den Behörden verdächtige Transaktionen des in einen Bilanzskandal verwickelten Konzerns gemeldet. „Es ist ein größerer Fall, keine Kleinigkeit“, sagte Zeyen.

HB/wsj DÜSSELDORF. Die italienischen Ermittler haben inzwischen auch die Wirtschaftsprüfer von Deloitte & Touche im Visier, die die Abschlüsse der Konzernholding Parmalat Finanziaria testiert hatten. Aus mit der Untersuchung vertrauten Kreisen hieß es gestern, die Staatsanwaltschaft ermittle gegen zwei Prüfer der Firma. Die Deloitte-Angestellten Adolfo Mamoli und Giuseppe Rovelli würden der Falschinformation und der Kursmanipulation beschuldigt, hieß es in den Kreisen. Auch gegen Luca Sala, bis zum Sommer 2003 Banker beim italienischen Ableger der Bank of America und später Berater von Parmalat, wird ermittelt. Damit haben sich die Untersuchungen auf mindestens 25 Leute ausgeweitet.

Parmalat hat Deloitte inzwischen das Mandat entzogen – nur einen Tag nachdem Grant Thornton entlassen worden war. Grant Thornton hatte die Bilanzen mehrerer Töchter des Konzerns geprüft, und zwei Mitarbeiter sollen eine zentrale Rolle bei den Parmalat vorgeworfenen Betrügereien gespielt haben. Mehrere große italienische Klienten von Grant Thornton – darunter der Versorger ACSM, die Banca Antonveneta, die Softwarefirma Finmatica und der Spezialist für Internetinhalte Digital Bros – kündigten gestern an, ihre Geschäftsbeziehung zu der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft zu überdenken. Die Bilanzen von Parmalat wird Pricewaterhouse Cooper prüfen.

Die Mailänder Büros von Deloitte wurden gestern wegen eines anderen Falles durchsucht – des Zusammenbruchs des Lebensmittelkonzerns Cirio Ende 2002. Auch Grant Thornton ist in diesen Fall verwickelt. Cirio hatte Anleihen in Höhe von einer Mrd. Euro nicht bedienen können. Die Firma hatte 1999 die Milchfirma Eurolat an Parmalat verkauft.

Drei italienische Anwälte wollen unterdessen 7,7 Mrd. Euro des bei Parmalat verschwundenen Geldes gefunden haben. Auf einer Internetseite hieß es, das Geld läge in Form von Bonds auf einem Konto einer mit dem inhaftierten Parmalat-Günder Calisto Tanzi verbundenen Firma bei der Bank of America. Allerdings blieben die Anwälte, die eine kleine Gruppe italienischer Gläubiger und Aktionäre von Parmalat repräsentieren, den Beweis für die Existenz des Geldes zunächst schuldig. Von Parmalat kam lediglich eine Mitteilung, man wisse nichts über ein solches Konto.

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