Untersuchung der Monopolkommission
Netzwerk der Deutschland AG dünnt aus

Die enge finanzielle Verzahnung unter deutschen Unternehmen wird immer seltener. Das zeigt die jüngste Untersuchung der Monopolkommission.

DÜSSELDORF/BERLIN. „Bei den 100 größten deutschen Unternehmen haben wir eine deutliche Abnahme der Verflechtung untereinander festgestellt“, sagte Jürgen Basedow, Vorsitzender der Monopolkommission, bei der Übergabe des Gutachtens an Wirtschaftsstaatssekretär Hartmut Schauerte am Mittwoch in Berlin. Als Grund für den Zerfall der „Deutschland AG“ genannten Verflechtung sah Basedow die Tendenz der Unternehmen, im Ausland zu expandieren.

Der Vergleich der netzartigen Kapitalverflechtungen zwischen Industrie und Finanzkonzernen vor etwa einem Jahrzehnt zeigt, dass aus den einstmals 143 Querverbindungen über den Aktienbesitz keine 20 mit relevanter Größenordnung übrig geblieben sind. Vor allem Banken haben ihr Beteiligungsportfolio zusammen gestrichen. Zudem stützt sich die Monopolkommission noch auf Angaben aus den Jahren 2004/2005. Inzwischen hat beispielsweise die Deutsche Bank ihre Daimler-Chrysler-Aktien verkauft und die Hypo-Vereinsbank einen neuen Eigentümer in Italien gefunden.

In Auflösung begriffen ist auch das Geflecht um den Ruhrkonzern RAG, der im kommenden Jahr an die Börse soll und bei dieser Gelegenheit seine Altgesellschafter Eon, RWE und Thyssen-Krupp abschütteln will. Die Kommission selbst ist der Auffassung, dass der Trend klar „auf eine Auflösung des gesamten Netzwerks aus gegenseitigen Beteiligungen hindeutet“. Nach Einschätzung der Wissenschaftler hat die zunehmende Entflechtung der Deutschland AG mehrere Vorteile. Die Unternehmensverwaltungen seien weniger abhängig. Die Entflechtung führt außerdem zu mehr Kontrolle und Transparenz. Denn bislang hatten die untereinander vernetzten Konzerne Informationsvorteile gegenüber reinen Finanzinvestoren, weil mit der wechselseitigen Kapitalbeteiligung zumeist auch wechselseitige Aufsichtsratsmandate verbunden waren.

Martin Höpner, Wissenschaftler am Max-Planck-Institut für Gesellschaftsforschung in Köln, sieht die Entflechtung kritischer. Der Rückzug der traditionellen Großaktionäre eröffne den Managern „unkontrollierte Handlungsspielräume“. Frei werdende Aufsichtsratsposten würden erfahrungsgemäß nach wie vor häufig mit Ex-Managern des eigenen Unternehmens besetzt. Die wachsende Rolle der neuen, shareholder-orientierten Investoren wie Fonds werde zudem zu einer Verschiebung von Wachstums- zu Renditezielen für die Unternehmen führen. „Die Folgen für den Arbeitsmarkt“, so Höpner, „werden nicht gerade günstig sein.“

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