Untreue-Anklage und Schadenersatz-Forderung
Hartz unter Druck

Der frühere VW-Personalchef Peter Hartz steht wegen der Volkswagen-Affäre weiter unter Druck, auch wenn er gerade eine kleine Entlastung erleben kann.

HB BRAUNSCHWEIG. Die Staatsanwaltschaft Braunschweig hat einen Magazinbericht über eine bevorstehende Anklage gegen den früheren VW-Personalchef Peter Hartz in der Volkswagen-Affäre als verfrüht bezeichnet. Der Sprecher der Staatsanwaltschaft, Klaus Ziehe, wies am Samstag einen Vorabbericht des Magazins „Focus“ zurück, wonach Hartz einer der Hauptbeschuldigten sei und wegen Untreue in mehreren Fällen angeklagt werden solle. „Wir teilen diese Bewertung nicht“, sagte Ziehe Reuters. „Wir haben keine Hitliste von Verdächtigen.“

Die Ermittlungen gegen sechs der zwölf Beschuldigten, die nicht nur eine Nebenrolle in der Affäre spielten, sollten bis Jahresende abgeschlossen sein. Den Beschuldigten sei kürzlich Akteneinsicht gewährt worden, sagte Ziehe. Sie könnten dazu nun Stellung nehmen. Der „Focus“ berichtete, Hartz sei nach jetzigem Erkenntnisstand einer der Hauptbeschuldigten. Er habe nach Einschätzung der Ermittler über Jahre Gelder des Konzerns für die Begünstigung von Betriebsräten wie für eigene private Vergnügungen veruntreut. Die Justiz habe ihre Ermittlungen weitgehend abgeschlossen.

Volkswagen wollte zu dem Bericht keine Stellung nehmen. Ein Sprecher verwies darauf, dass Hartz nicht mehr für VW tätig sei. Der ehemalige Arbeitsdirektor, der auch als Vater der nach ihm benannten Sozialreformen der rot-grünen Bundesregierung gilt, war im Zuge der Affäre 2005 zurückgetreten und in Ruhestand gegangen. Hartz war zunächst für eine Stellungnahme nicht zu erreichen.

Im Zentrum der Vorwürfe stehen neben Hartz sein Mitarbeiter Klaus-Joachim Gebauer, der für die Betreuung der Betriebsräte zuständig war, der ehemalige Betriebsratschef Klaus Volkert und der ehemalige Skoda-Personalvorstand Helmuth Schuster. In der Affäre geht es unter anderem um von Volkswagen bezahlte Vergnügungsreisen und andere Vergünstigungen für Betriebsräte. Dem Nachrichtenmagazin „Der Spiegel“ zufolge will Volkswagen von Hartz mindestens 2,5 Millionen Euro Schadenersatz fordern. Der Aufsichtsrat sei sich allerdings uneins darüber, ob VW das Geld direkt von Hartz einfordern oder zunächst von der Haftpflichtversicherung für Fehler von Managern (D&O) verlangen solle. Die Versicherung könnte Hartz bei einer Verurteilung in Regress nehmen.

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