Untreue: Chef von Hyundai Motor soll ins Gefängnis

Untreue
Chef von Hyundai Motor soll ins Gefängnis

Ein Gericht hat Chung Mong Koo, Chef des südkoreanischen Autokonzerns Hyundai Motor, wegen Untreue zu drei Jahren Haft verurteilt. Die Strafe ist vergleichsweise milde, könnte das Unternehmen und sogar die ganze Volkswirtschaft aber in Schwierigkeiten bringen. Denn Chung ist nicht irgendwer.

HB SEOUL. Das Bezirksgericht in Seoul befand am Montag den 68-Jährigen im Hauptverfahren für schuldig, Firmengelder in Millionenhöhe abgezweigt und für private Zwecke genutzt zu haben. Seine Aktionen seien „eindeutig kriminelle Handlungen“ gewesen. „Falsche Sitten müssen ausgerottet werden, um Südkorea zu einer fortschrittlichen Wirtschaft zu machen“, wurde der Vorsitzende Richter von der nationalen Nachrichtenagentur Yonhap zitiert.

Die Staatsanwaltschaft hatte eine Haftstrafe von sechs Jahren gefordert. Die Verteidigung plädierte für eine Bewährungsstrafe und begründete dies mit schlechter Gesundheit ihres Mandanten. Trotz der Verurteilung bleibt Chung, der Ende Juni 2006 gegen Kaution aus der Untersuchungshaft entlassen worden war, vorerst auf freiem Fuß.

Chung wurde vorgeworfen, mehr als 100 Mrd. Won (etwa 82 Mill. Euro) veruntreut und in schwarze Kassen umgeleitet zu haben. Von dem unterschlagenen Geld soll er knapp 70 Mrd. Won für private Zwecke sowie zur Bezahlung von Lobbyisten ausgegeben haben. Aus den Geheimfonds sollen auch Staatsbeamte und Politiker für Gefälligkeiten bezahlt worden sein.

Chung bleibt an Hyundai-Spitze

Vor Gericht gab Chung seine Verfehlungen zu und entschuldigte sich dafür. Zugleich bat er um ein mildes Urteil, damit er weiter an seinem Ziel arbeiten könne, Hyundai zum fünftgrößten Autobauer der Welt zu machen. Der Richter erklärte, wegen des hervorragenden Beitrags Chungs zur wirtschaftlichen Entwicklung des Landes sei ein geringeres Strafmaß gerechtfertigt als von der Staatsanwaltschaft gefordert. Hyundai Motor zeigte sich dennoch enttäuscht und kündigte an, Berufung gegen das Urteil einzulegen. Chung werde weiter die „volle Kontrolle“ über den Betrieb bei Hyundai Motor haben, teilte das Unternehmen weiter mit.

Börsenexperten befürchteten bei einer Vollstreckung der Haftstrafe ein Machtvakuum bei Hyundai, da der 68 Jahre alte Chung keinen designierten Nachfolger hat. Wichtige Entscheidungen würden verschoben, der Konzern drohe in noch unruhigeres Fahrwasser zu geraten. Momentan hat das Unternehmen unter Streiks und der Stärke der einheimische Währung zu leiden.

„Dies könnte starke Auswirkungen auf Hyundai Motor haben“, sagte Kim Hyun Tae von Landmark Investment Management zu dem Urteil. Auch die koreanische Wirtschaft könnte deutlich in Mitleidenschaft gezogen werden, da sich das juristische Verfahren wegen der Berufung noch länger hinziehen könnte. Der Kurs der Hyundai Aktie sackte im asiatischen Vormittagshandel um fast 2 Prozent ab.

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