Unüberbrückbare Differenzen mit der Eignerfamilie
Hochtief gibt kein Angebot für Züblin ab

Für die österreichische Bauholding Strabag ist voraussichtlich der Weg zur Übernahme der Mehrheit an der Ed. Züblin frei. Deutschlands größter Baukonzern Hochtief hat jetzt seine Pläne zur Übernahme des Stuttgarter Baukonzerns aufgegeben.

agr DÜSSELDORF. Nach langen und intensiven Verhandlungen habe sich Hochtief entschlossen, kein Angebot für eine Beteiligung an Züblin abzugeben, teilte Hochtief mit.

Die Strabag hatte bereits vor Hochtief Interesse an Züblin geäußert und knapp fünf Prozent aus dem Besitz der insolventen Walter Bau übernommen. Branchenkreise hatten das plötzliche Interesse der Essener dann auch eher als Abwehr des ausländischen Wettbewerbers interpretiert. Walter-Bau-Insolvenzverwalter Werner Schneider nahm die Entscheidung „ohne große Überraschung“ zur Kenntnis.

Die Gesprächspartner hätten sich auf kein Konzept verständigen können, das sowohl den Interessen von Züblin als auch denen der alten und potenziellen neuen Anteilseigner gerecht werde, begründete Hochtief den Rückzug. Details wollte ein Sprecher nicht nennen. Die Hochtief-Aktie profitierte gestern von der Meldung.

Hochtief hatte mit dem Großaktionär von Züblin, der Familie Lenz, Gespräche über die unternehmerische Führung bei Übernahme einer Mehrheitsbeteiligung geführt. Hochtief war wie Lenz an den 48 Prozent der Anteile an Züblin interessiert, die bei der BayernLB liegen. Ein Sprecher der Stuttgarter Familie, die 43 Prozent an Züblin hält, machte für das Scheitern der Gespräche „unüberbrückbare Differenzen“ bei der Ausgestaltung der Zwei-Marken-Strategie Züblin Hochtief verantwortlich. Daher habe Lenz die Gespräche beendet. Lenz wolle aber weiterhin gemeinsam mit dem US-Investor Zwirn die Mehrheit an Züblin übernehmen.

Im Bieterrennen um die Anteile der BayernLB hat die Strabag nach Branchenkreisen aber nun die besseren Karten, da Lenz mit Hochtief einen starken Verbündeten verloren hat. Eine Schlüsselrolle spielt die BayernLB, die nach eigenen Angaben an einem „guten“ Preis und an einem überzeugenden Konzept interessiert ist. Strabag-Chef Hans-Peter Haselsteiner besitzt ein Vorkaufsrecht und hat auch Gesprächsbereitschaft über den Kaufpreis signalisiert. Während die Strabag bislang 58 Mill. Euro für das Züblin-Paket bietet, wollen Lenz und Zwirn 62 Mill. Euro bezahlen.

Haselsteiner plant bei einer Mehrheitsbeteiligung, künftig den Ingenieurtiefbau bei Züblin anzusiedeln und bei der Kölner Strabag-Tochter den Staßenbau. Die nach Branchenkreisen durchaus sinnvolle Fusion der beiden Konzerne hält er allerdings wegen des Widerstands der Familie Lenz zumindest kurzfristig für unwahrscheinlich.

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