„Unverschämtheit“: IG Metall lehnt Arbeitgeber-Angebot ab

„Unverschämtheit“
IG Metall lehnt Arbeitgeber-Angebot ab

Die IG Metall ist empört: Eine „Unverschämtheit“ sei die Offerte der Arbeitgeber. Letztere hatten 2,3 Prozent mehr Lohn für 13 Monate angeboten. Die IG Metall bekräftigt nun ihre Forderung nach 5,5 Prozent mehr Lohn.
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München/Hamburg/LudwigsburgIn den Tarifverhandlungen der Metall- und Elektroindustrie liegen die Vorstellungen von Arbeitgebern und Gewerkschaften weit auseinander. In Bayern und Baden-Württemberg unterbreiteten die Arbeitgeber am Freitag zum Auftakt der zweiten Verhandlungsrunde ein erstes Angebot. Demnach sollen die Löhne der Schlüsselbranche in dem Bundesland zum 1. Juli um 2,3 Prozent steigen, wie die Verbände der Metall- und Elektroindustrie beider Bundesländer mitteilten. Der neue Tarifvertrag soll bis Ende Mai 2014 und damit 13 Monate laufen. Die IG Metall fordert dagegen ein Plus von 5,5 Prozent über eine Laufzeit von zwölf Monaten. Die Gewerkschaft wies die Offerte umgehend als zu niedrig zurück.

In München verhandeln Gewerkschaft und Arbeitgeber für 770.000 Beschäftigte, in Ludwigsburg gleichzeitig für 740.000 Beschäftigte in Baden-Württemberg. Der erste Bezirk, der einen Abschluss erzielt, gibt in der Regel aber das Ergebnis für die gesamte Branche mit ihren 3,7 Millionen Beschäftigten vor.

Die Verhandlungsführerin des bayerischen Metallverbandes, Angelique Renkhoff-Mücke, sagte, die Offerte bedeute für die Beschäftigten einen deutlichen Reallohnzuwachs und sichere Beschäftigung. Der Chef des Arbeitgeberverbandes Südwestmetall Stefan Wolf ergänzte, mehr sei angesichts der teils schwierigen Lage der Betriebe nicht darstellbar. Zuletzt hatte Wolf für den Fall eines hohen Tarifabschlusses mit Stellenabbau gedroht. In den Unternehmen gebe es tendenziell einen Personalüberhang, viele Unternehmen hätten noch den üppigen Abschluss des vergangenen Jahres zu verkraften. Ein Drittel der Betriebe kämpfe derzeit mit einer schwachen Auftragslage, weit mehr als ein Drittel der Unternehmen habe schon im vergangenen Jahr keine Gewinne mehr geschrieben.

„Dieses Angebot provoziert den Konflikt“, kritisierte der baden-württembergische Bezirksleiter der IG Metall, Jörg Hofmann. Das Angebot bedeute wegen der zwei Monate ohne Erhöhung nach Auslaufen des alten Tarifvertrages ein Plus von 1,9 Prozent und gleiche damit nicht einmal die Inflationsrate aus. „Statt Impulse für mehr Nachfrage zu setzen, gefährdet dieses Angebot Beschäftigung und Investitionen“, sagte Bayerns IG-Metall-Chef Jürgen Wechsler. Er kündigte Warnstreiks ab Anfang Mai an, wenn die Friedenspflicht ausgelaufen ist. Mehrere Tausend Metallbeschäftigte demonstrierten für ihre Forderung vor dem Verhandlungsort in Ludwigsburg. Der Vorsitzende des Gesamtbetriebsrats von Daimler, Erich Klemm, drohte, wenn es bei diesem Angebot bleibe, bekämen die Unternehmen den Unmut der Arbeitnehmer auch in den Betrieben zu spüren.

Verhandlungsführer Hofmann sagte, die Geschäftslage der Unternehmen sei robust und nicht annähernd so schlecht wie von den Arbeitgebern dargestellt. Die Unternehmen hätten insgesamt im vergangenen Jahr mehr als 50 Milliarden Euro Gewinn gemacht. Im Südwesten waren in vergangenen Jahren mehrfach wegweisende Abschlüsse in der Branche vereinbart worden, die anschließend bundesweit übernommen wurden. In dieser Tarifrunde machen sich auch die Bayern Hoffnungen auf einen Pilotabschluss. Die alten Tarifverträge laufen Ende April aus, unmittelbar danach kann die Gewerkschaft zu Warnstreiks aufrufen. Experten gehen davon aus, dass ein Abschluss nicht so schnell erreicht wird, wie anfangs erhofft.

Im vergangenen Jahr war die IG Metall mit einer Forderung nach 6,5-prozentigen Lohn- und Gehaltssteigerungen in die Verhandlungen gegangen - und hatte 4,3 Prozent durchgesetzt, die kräftigste Erhöhung seit 20 Jahren.

Agentur
Reuters 
Thomson Reuters Deutschland GmbH / Nachrichtenagentur

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