Urabstimmung soll dreiwöchigen Streik am Donnerstag beenden
Boeing einigt sich mit Mechanikern auf Tarif

Der US-Luft- und Raumfahrtkonzern Boeing Co., Chicago, könnte bereits Ende dieser Woche wieder die Produktion von Ziviljets aufnehmen. Nach einem dreiwöchigem Ausstand von 18 400 Mechanikern einigte sich das Unternehmen mit der Gewerkschaft International Association of Machinists (IAM) auf einen neuen Tarifvertrag mit dreijähriger Laufzeit. Die Urabstimmung soll Donnerstag stattfinden.

HB/je PORTLAND. Die Gewerkschaftsführung appellierte an ihre Mitglieder, den Vertragsentwurf abzusegnen. Alan Mulally, Chef des Zivilflugbereiches bei Boeing, sagte, der Tarifvertrag sei „unsere Definition für einen vernünftigen Kompromiss“. Er hatte sich am Wochenende in geheimer Mission mit der IAM-Führung in Washington, D.C. getroffen, um eine Lösung für den Tarifkonflikt zu finden, der Boeings Erholung nach drei schwierigen Jahren bedroht hatte.

Bei der Tarifauseinandersetzung ging es in erster Linie um Arbeitsplatzsicherung, Krankenversorgung und Pensionsleistungen und erst in zweiter Linie um Lohnerhöhungen für Boeing-Mechaniker in der Umgegend von Seattle, Gresham, Oregon und Witchita, Kansas. Boeing hatte ursprünglich eine Tarifeinigung mit vier- oder fünfjähriger Laufzeit gefordert, wollte Zulieferer Teile installieren lassen, um eigene Arbeitskräfte zu sparen und die betrieblichen Sozialleistungen für Neueinstellungen erheblich senken.

Die IAM bestand auf einem Dreijahresvertrag, wehrte die Beteiligung von Zulieferern an der Flugzeugmontage ab und bewahrte die betriebliche Krankenversorgung nach der Pensionierung auch für künftige Beschäftigte. Auf der anderen Seite akzeptierte die IAM statt einer allgemeinen Lohnerhöhung drei Pauschalzahlungen von insgesamt 11 000 Dollar pro Mitglied und geringere Pensionsleistungen als sie ursprünglich gefordert hatte. Auf der anderen Seite rückte Boeing von seinem Angebot der Zahlung erfolgsabhängiger Sonderleistungen ab. Der Konzern hatte angeboten, bis zu 15 Tagen pro Jahr extra zu zahlen, wenn die finanziellen Zielvorgaben übertroffen würden.

Der Streik, der seit dem 2. September lief, hatte die Produktion von Ziviljets zu einer Zeit lahmgelegt, in der Boeing nach jahrelangem Sinkflug wieder stark an Höhe gewann. In diesem Jahr buchte der Konzern bereits Aufträge für mehr als 620 Flugzeuge, das beste Ergebnis seit 1998. Seit Jahresbeginn hob der Hersteller die Auslieferungsfrequenz für verschiedene Typen an und stellte 4000 Mechaniker wieder ein, die während des Abschwungs ihren Job verloren hatten. Zudem gewann Boeing zahlreiche Kunden für den neuen supereffizienten Jet 787. Diese Familie von Langstreckenflugzeugen mit 200 bis 250 Sitzen soll ab 2008 einsatzbereit sein.

Wegen steigender Kosten und hoher Überkapazitäten fliegen mittlerweile vier der großen US-Fluggesellschaften unter dem Schutz des Insolvenzrechtes. Umfangreiche Order von Billigfliegern und ausländischen Carriern bescheren aber sowohl Boeing als auch Airbus volle Orderbücher. In diesem Jahr will Boeing 320 und 2006 rund 395 neue Jets ausliefern. Der Streik verzögerte die im September geplante Fertigstellung von 25 bis 30 Flugzeugen.

Analysten schätzen, dass der Ausstand Boeing etwa 70 Mill. Dollar pro Tag kostete. Mehrere Zulieferer waren ebenfalls gezwungen, ihren Betrieb vorübergehend einzustellen.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%