US-Anhörung zum Dieselgate bei VW
Die 68-Milliarden-Dollar-Drohung

Als erster VW-Manager stellte sich US-Chef Michael Horn den Fragen eines Ausschusses im US-Kongress. Mit seinem Stil konnte er überzeugen, gar Sympathien wecken. Aber Horn ist hilflos angesichts der Wut der Amerikaner.

New YorkImmer wieder und wieder schwärmten die Abgeordneten des US-Repräsentantenhauses von Volkswagen. Der Texaner Joe Barton hatte „immer höchsten Respekt für die Marke Volkswagen“. Vorsitzender Tim Murphy erklärte gar seine Liebe zu seinem ersten Auto: „Ich konnte den Motor auseinanderbauen und wieder zusammensetzen“.

Immer wieder und wieder erzählten die Politiker dann von der umso größeren Enttäuschung, die der Skandal um die Dieselfahrzeuge bei ihnen auslöste. Volkswagen schummelte mit einer Software, die den wahren Ausstoß von Stickoxiden verschleierte. Das sei kein Versehen oder Produktionsfehler gewesen, erzürnte sich Barton, das sei mit Vorsatz geschehen, das sei „schlicht falsch“ und „die Strafe muss mehr als eine Verwarnung sein“.

Bislang hat Volkswagen rund sieben Milliarden Dollar zurückgelegt, um den Rückruf und Strafen zu bezahlen, berichtete Michael Horn, der als US-Chef von Volkswagen am Donnerstag zwei Stunden lang einem Untersuchungsausschusses des US-Repräsentantenhauses Rede und Antwort stand. Viel zu wenig Geld, sagte Chris Collins, Abgeordneter von New York: „68 Milliarden Dollar kommen dem schon näher“.

Die Wut ist groß in Amerika – und die wird teuer. Horn musste sich zwei Stunden lang Vorwürfe um Vorwürfe anhören. „Lügen“, „Arroganz“, hieß es, „Betrug“. „Die Verbraucher sind fuchsteufelswild“, sagte Peter Welch aus Vermont und las einige der Aussagen der VW-Besitzer aus seinem Distrikt vor.

Horn schlug sich angesichts der Umstände gut. In dunklen Anzug und blauer Krawatte saß er im Ausschuss für Energie und Handel des US-Repräsentantenhauses. Beim Reinkommen lächelte er noch, schüttelte Hände mit einigen VW-Händlern, die im Publikum saßen. Ein Schwarm von Kameraleuten und Fotografen umgab ihm, als er kurz vor 10 Uhr Ortszeit Washington den Raum betrat.

Während der Anhörung saß Horn dann mit ernstem Gesicht, Mundwinkel nach unten gezogen, vor der Abgeordneten. Alles an dem 52-Jährigen drückte Sorge aus. Seine Antworten waren anfangs sehr kurz, aber mit der Zeit brach Horn aus. Der Manager ist für seine direkte Art bekannt, der ohne Rücksicht auf interne Unternehmenspolitik seine Meinung sagte und Probleme beim Namen nannte.

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Die 68-Milliarden-Dollar-Drohung

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Horn stellt Müllers Aussagen in Frage

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