US-Autobauer
Eine Chrysler-Wette auf den Konkurs

Der seit Jahren krisengeplagten US-Autoindustrie steht die erste große Pleite bevor. Branchenexperten rechnen für die frühere Daimler-Tochter Chrysler mit einem Gläubigerschutzverfahren nach Kapitel elf des US-Konkursrechts. Am heutigen Donnerstag läuft das Ultimatum der amerikanischen Regierung für den Autobauer aus.

NEW YORK/MAILAND. Die Rettungsgespräche sind laut einem Zeitungsbericht gescheitert. Ein Insolvenzantrag noch am Donnerstag sei nun so gut wie sicher, berichtete das "Wall Street Journal" in der Online-Ausgabe unter Berufung auf informierte Personen. Die Regierung gehe davon aus, Chrysler schnell durch die Insolvenz zu bringen und vom italienischen Fiat-Konzern übernehmen zu lassen. Die Gespräche über eine Rettung ohne Insolvenzverfahren seien daran gescheitert, dass Gläubiger nicht in dem Maße auf ihre Ansprüche verzichten wollten wie es Washington verlangte.

Der Präsident der kanadischen Auto-Gewerkschaft CAW, Ken Lewenza, hatte zuvor Fiat-Chef Sergio Marchionne mit den Worten zitiert: "Wenn ich im Moment wetten würde, dann auf ein Konkursverfahren nach Chapter 11." Es könnte dem italienischen Hersteller den geplanten Einstieg erleichtern und den Weg freimachen für eine radikale Chrysler-Sanierung unter Mithilfe frischer Staatskredite.

Die Regierung in Washington hat die Überweisung von weiteren sechs Mrd. Dollar in Aussicht gestellt für den Fall, dass Chrysler bis zum heutigen Abend einen tragfähigen Sanierungsplan vorlegt und den geplanten Einstieg von Fiat unter Dach und Fach bringt. Ohne frisches Kapital droht dem drittgrößten US-Hersteller, der derzeit wie der Rivale General Motors nur über staatliche Notkredite am Leben gehalten wird, womöglich die Liquidation. "Ich würde nichts ausschließen", sagte ein Sprecher des Weißen Hauses.

US-Präsident Barack Obama hatte sich zuversichtlich über eine Chrysler-Rettung geäußert. Er sei sehr hoffnungsvoll, dass Chrysler sich als überlebensfähig erweisen könne, sagte der Präsident am Mittwoch vor Journalisten in Washington. Arbeitnehmer und Banken hätten große Opfer gebracht. Dies habe die vielversprechende Möglichkeit eröffnet, dass Chrysler die angestrebte Allianz mit dem italienischen Autobauer Fiat realisieren könne. Allerdings seien die Arbeiten an letzten Einzelheiten zwischen beiden Unternehmen noch nicht beendet. Obama hatte offengelassen, ob Chrysler als Teil seiner Umstrukturierung Gläubigerschutz beantragen wird.

In den unter Hochdruck laufenden Verhandlungen mit Gläubigern, Gewerkschaften und dem potenziellen Partner Fiat zeichnen sich immerhin weitere Fortschritte ab. Chrysler komme bei seiner Sanierung voran und arbeite unter Hochdruck an der Allianz mit Fiat, schrieb Unternehmenschef Robert Nardelli seinen Mitarbeitern. Im ersten Quartal seien die Kosten im Vergleich zum Vorjahr und auch zum Schlussquartal 2008 deutlich gesunken. Das US-Finanzministerium habe zudem die vorläufige Einigung mit einer Gläubigergruppe zum Schuldenabbau bestätigt, so Nardelli.

"Bei Chrysler schließen wir am Donnerstag", gab sich auch John Elkann, der Vertreter des Fiat-Hauptaktionärs Agnelli, zuversichtlich. Er machte dabei erneut klar, dass Fiat kein Kapital in Chrysler investieren werde. "Alle Operationen, an denen Fiat arbeitet, sehen keine Ausgaben vor - jedenfalls für den Moment", sagte er. Fiat will zunächst 20 Prozent an dem finanziell ausgezehrten US-Konzern übernehmen und dann etappenweise auf 35 Prozent aufstocken.

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