US-Autobauer
Höllenhund Cerberus räumt weiter auf

Neuer Nackenschlag für die Autoindustrie: Der seit Jahren defizitäre US-Hersteller Chrysler will bis Jahresende weitere 5 000 Arbeitsplätze abbauen. In einem Brief an die Mitarbeiter, der dem „Wall Street Journal“ vorliegt, schreibt Vorstandschef Robert Nardelli, der Schritt sei wegen des Wirtschaftsabschwungs und der Verschärfung der Kreditkrise nötig.

HB DETROIT/NEW YORK. Das Unternehmen aus Auburn Hills bei Detroit sehe sich der schwierigsten ökonomischen Periode überhaupt gegenüber, so Nardelli. Betroffen vom Stellenabbau sind insbesondere die Angestellten von Chrysler, in dem Bereich sollen nicht weniger als 25 Prozent der Arbeitsplätze wegfallen.

In der Autoproduktion hatte Mehrheitseigentümer Cerberus, der seit gut einem Jahr 80 Prozent der Anteile hält, schon zuvor Tausende von Arbeitsplätzen gestrichen. Nur einem Teil der betroffenen Angestellten sollen Abfindungen oder Vorruhestandsregelungen angeboten werden. Es seien außergewöhnliche Zeiten für die Automobilindustrie, betonte Nardelli. Niemals zuvor habe es einen Absatzrückgang in einem solchen Ausmaß gegeben.

Beobachter gehen davon aus, dass Cerberus mit dem neuerlichen Kahlschlag auch Druck auf die US-Regierung ausüben will. Sie soll möglichst noch vor den Präsidentschaftswahlen am 4. November den geplanten Zusammenschluss der wankenden Auto-Riesen General Motors und Chrysler mit Staatshilfen unterstützen. Auf eigene Faust bekommt GM derzeit keine Finanzierung auf die Beine, um die Notfusion mit Cerberus einzuleiten. Sie könnte dem US-Marktführer wenigstens eine Atempause verschaffen, weil Chrysler noch auf rund 10 Mrd. Dollar Cash sitzen soll.

Angesichts einbrechender Neuwagenverkäufe und drohender Liquiditätsengpässe im nächsten Jahr kämpft insbesondere GM darum, einen Gang in die Insolvenz zu vermeiden. Experten erwarten, dass in diesem Szenario auch Chrysler und Ford nicht umhin kämen, Konkursantrag zu stellen. Der deutsche Autokonzern Daimler hält derzeit noch 19,9 Prozent an Chrysler, will diese Beteiligung in den nächsten Wochen aber an Cerberus abtreten.

Matthias Eberle
Matthias Eberle
Handelsblatt / Ressortleiter Ausland
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