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18.12.2007 
Experten erwarten Marktrückgang

US-Autobauer kürzen Produktion

von Martin W. Buchenau

Die großen drei US-Automobilhersteller fahren die Produktion auch 2008 nach unten. Der größte US-Hersteller General Motors (GM) wird nach Angaben der US-Fachzeitung "Automotive News" und der Marktforscher von CSM Worldwide im ersten Quartal 10,6 Prozent weniger Autos als im Vorjahr herstellen. Ford plant Kürzungen von sieben Prozent. Der in diesem Jahr von Daimler an den Finanzinvestor Cerberus abgegebene Chrysler-Konzern will in den ersten vier Monaten sogar 15 Prozent weniger Fahrzeuge herstellen.

Werbe-Pilonen von GM und Ford am Straßenrand: Die US-Autokonzerne wollen ihre Produktion drosseln. Foto: dpaLupe

Werbe-Pilonen von GM und Ford am Straßenrand: Die US-Autokonzerne wollen ihre Produktion drosseln. Foto: dpa

STUTTGART. Auslöser sind Prognosen, nach denen der Fahrzeugabsatz in den USA 2008 erstmals seit zehn Jahren unter die Grenze von 16 Millionen Autos rutschen wird. Darüber hinaus wollen die US-Hersteller der Überproduktion Einhalt gebieten und sich gegen ruinöse Rabatte wehren. Toyota, der größte Konkurrent der "big three" aus Detroit, plant das Gegenteil: Die Japaner wollen ihre Produktion nächstes Jahr in den USA erhöhen. Damit könnte Toyota seinen US-Marktanteil weiter erhöhen und gefährlich nahe an den Marktführer General Motors heranrücken.

In den USA werden nach Einschätzung des Gelsenkirchener Instituts für Automobilwirtschaft in diesem Jahr 16,15 Millionen Fahrzeuge verkauft - 400 000 weniger als 2006. Und 2008 sollen es noch weniger werden, nämlich 15,9 Millionen Fahrzeuge. 2007 verkaufte allein GM mit einem Absatz von 3,9 Millionen Fahrzeugen fast 330 000 Fahrzeuge weniger als im Vorjahr, hat Autoexperte Ferdinand Dudenhöffer ermittelt. Als Grund geben Experten die Immobilienkrise an, durch die die Kaufkraft der Verbraucher geschwächt und damit der Autoabsatz gedämpft wird. Die drei großen, angeschlagenen US-Automobilhersteller richten sich mit der Reduzierung der Produktion bereits auf die neue Talfahrt auf ihrem Heimatmarkt ein.

Erste Sanierungserfolge wie bei GM drohen sich in Luft aufzulösen. Die US-Hersteller wollen zwar die Überproduktion stoppen und sich damit gegen die ruinöse Rabattschlacht im Heimatmarkt stemmen. Doch ein mächtiger Wettbewerber könnte jetzt versuchen, aus der Entwicklung Nutzen zu ziehen und ihnen einen Strich durch die Rechnung zu machen.

Vergangene Woche äußerte Weltmarktführer Toyota die Absicht, seine Produktion in den USA um 6,5 Prozent auszuweiten. Und den Absatz wollen die Japaner in den USA um mindestens drei Prozent nach oben schrauben. Amerikanische Autoexperten befürchten, dass Toyota die Gewinne aus der Vergangenheit für Rabatte einsetzt, um weitere Marktanteile zu erobern. Damit würde sich der Marktanteil Toyotas von 17 auf 17,4 Prozent erhöhen und die Japaner noch näher an die bedrohte Führungsposition von GM auf dem Heimatmarkt heranführen. Dadurch würde sich der Niedergang der einst führenden US-Autoindustrie im kommenden Jahr bei sinkendem Gesamtmarkt fortsetzen.

Lesen Sie weiter auf Seite 2: Für Toyota haben die USA eine enorme Bedeutung

Für Toyota haben die USA eine enorme Bedeutung. Analysten zufolge schöpft Toyota heute 35 Prozent des Umsatzes und 43 Prozent seines Betriebsgewinns aus den USA. Der Erfolg von Toyota sowie wachsende Marktanteile auch von Honda haben für den Niedergang der gesamten Autoregion um Detroit gesorgt. Weil dort die Gewerkschaften stark sind, siedeln die Japaner eher in den Südstaaten oder an der Westküste.

Erstmals in der Geschichte der US-Autoindustrie war im Juli der Marktanteil der heimischen Autohersteller auf dem US-Markt unter die Markte von 50 Prozent gesunken. 1984 belief sich der Marktanteil der Detroiter noch auf 77,4 Prozent.

Mit den geplanten Produktionskürzungen von GM, Ford und Chrysler würde sich der Niedergang der einst führenden US-Autoindustrie im kommenden Jahr bei sinkendem Gesamtmarkt fortsetzen. 2007 verkaufte allein GM mit einem Absatz von 3,9 Millionen Fahrzeugen fast 330 000 Fahrzeuge weniger auf dem Heimatmarkt als im Vorjahr, hat Autoexperte Ferdinand Dudenhöffer ermittelt.

Die Krise der US-Hersteller hat den Druck auf den Automobilstandort USA in den vergangenen Jahren massiv erhöht. Wegen der hohen Überkapazitäten strichen die sogenannten Big Three, General Motors, Ford und Chrysler, allein in den letzten zwei Jahren Stellen in hoher fünfstelliger Zahl in den USA. Die jetzt geplanten Produktionskürzungen dürften zur weiteren Erosion der Jobs in der US-amerikanischen Autoindustrie führen.

Die taumelnden US-Autobauer bauen schon seit längerem angesichts des schwierigen Heimatmarkts und hoher Lohnkosten neue Produktionsstätten nur noch in den Auslandsmärkten auf. Auf diese Weise wollen die US-Konzerne die Schwäche auf ihrem wichtigen Heimatmarkt kompensieren.

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