US-Autobauer
Poker um Chrysler geht auf die Ziellinie

Die erste Etappe der Neuordnung der US-Autoindustrie geht in die entscheidende Phase. Trotz neuer Zugeständnisse der Gläubiger und Arbeitnehmer ist die Existenz von Chrysler kurz vor Ablauf der entscheidenden Frist noch lange nicht gesichert. Scheitern die Gespräche mit Fiat, dreht Obama den Geldhahn zu – die Insolvenz des Autobauers wäre Realität.

NEW YORK. Vize-Aufsichtsratschef Jim Press beschwor die Vertragshändler vor dem Wochenende, sich in der traditionell umsatzstarken letzten Monatswoche auf den Verkauf zu konzentrieren. Ob die rettende Partnerschaft mit dem italienischen Konkurrenten Fiat realisierbar sei, werde sich erst am Fristende entscheiden.

US-Präsident Barack Obama hatte dem mit sechs Mrd. Dollar aus Steuermitteln gestützten, maroden Konzern eine Frist bis Ende April zum Abschluss der Fiat-Partnerschaft gesetzt. Anderenfalls würde der Geldhahn zugedreht. Chrysler wäre insolvent. Gewerkschaften und Gläubiger würden dann fast ihre gesamten Ansprüche verlieren. Bei dem Versuch, dies zu verhindern, wollen sie aber mit den geringstmöglichen Zugeständnissen auskommen. Finanzkreisen zufolge haben Gläubiger zuletzt den Verzicht auf 3,75 Mrd. Dollar ihrer fast sieben Mrd. Dollar Kredite angeboten. Im Gegenzug verlangen sie 40 Prozent der Anteile an Chrysler. Damit liegen sei meilenweit von den Vorgaben der Regierung entfernt, die einen Verzicht auf 5,5 Mrd. Dollar fordert und ihnen einen Fünfprozentanteil bietet.

Großer Gewinner der jüngsten Pokerrunde ist Fiat. Die Gläubiger verzichteten auf ihre Forderung einer Milliardenkapitalspritze für Chrysler aus Turin. Nach dem aktuellen Stand der Verhandlungen bekäme Fiat demnach 20 Prozent an Chrysler und müsste dafür lediglich Technologie zur Verfügung stellen. Die Gläubigergespräche wie die Verhandlungen mit den Gewerkschaften um Pensionslasten dauerten am Sonntag an.

Der ebenfalls von Insolvenz bedrohte Konkurrent General Motors erhielt dagegen am Freitag weitere zwei Mrd. Dollar vom Staat und hat für Restrukturierungsverhandlungen noch Zeit bis Ende Mai.

Während Chrysler und GM mitten im Überlebenskampf stecken, geht der Konkurrent Ford vom Sturz- in den Sinkflug über. Der weiterhin defizitäre Konzern hat im ersten Quartal mit 3,7 Mrd. Dollar nur gut halb soviel Kapital verbrannt wie in den letzten drei Monaten 2008. Die Börse reagierte mit Kursgewinnen von elf Prozent, weil Ford nun bessere Chancen hat, mit dem verblieben Kassenbestand von 21,3 Mrd. Dollar die Krise zu überstehen. Ford leidet genauso unter dem Absatzeinbruch wie die Konkurrenten. Anders als diese hat sich Ford aber vor der Krise Kredite über 23 Mrd. Dollar gesichert und hat nun bessere Überlebenschancen.

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