US-Autobranche
Chrysler-Chefs treten ab

Beim insolventen US-Autobauer Chrysler kommt es zu einem umfangreichen Stühlerücken im Management. Nach Unternehmenschef Robert Nardelli kündigte am Donnerstag auch Vize Tom LaSorda seinen Rücktritt an. Der genaue Zeitpunkt stehe aber noch nicht fest, sagte er in einer Telefonkonferenz.

HB WSHINGTON. Nardelli will nach dem Abschluss der Insolvenz von Bord gehen - nach eigenen Angaben ohne Abfindung. Der 60-Jährige war im August 2007 zu Chrysler gekommen, nachdem der deutsche Daimler-Konzern die Mehrheit an dem Autobauer an den US-Finanzinvestor Cerberus verkauft hatte. Nardelli wird nach seinem Ausstieg bei Chrysler für Cerberus arbeiten. Für eine schnelle Rettung des Unternehmens durch das beantragte Insolvenzverfahren sehe er gute Chancen. „Ich bin sehr optimistisch, dass wir da rasch und effizient durchkommen“, sagte Nardelli in einer Telefonkonferenz. „Wir haben einen klaren Weg vor uns.“

Im Zuge des geplanten Einstiegs von Fiat wird spekuliert, Fiat-Chef Sergio Marchionne könnte womöglich selbst zusätzlich die Führung bei Chrysler übernehmen. Überdies wird der komplette Verwaltungsrat des Autobauers neu besetzt. Insgesamt sechs Mitglieder sollen die Regierungen der USA und Kanadas sowie die Autogewerkschaft UAW stellen, drei Vertreter entsendet Fiat in das Gremium.

Zuvor war bekannt gegeben worden, dass Chrysler zur Sanierung in die Insolvenz muss und eine Allianz mit dem italienischen Fiat-Konzern schmiedet. Ziel sei, dass der drittgrößte amerikanische Autohersteller schnell gestärkt aus dem Verfahren hervorgeht, sagte Präsident Barack Obama, der den Deal persönlich ankündigte. Fiat soll zunächst mit 20 Prozent bei Chrysler einsteigen und später auf 35 Prozent aufstocken. Das Insolvenzverfahren solle zwischen 30 und 60 Tagen dauern, sagte ein Regierungsbeamter. Der Chrysler-Betrieb werde nicht beeinträchtigt. Inzwischen hat der Autokonzern offiziell bei einem Gericht in New York Insolvenzanrag gestellt.

Obama griff bei seiner Rede die Hedgefonds und „eine kleine Gruppe von Investoren“ scharf an, die eine Lösung ohne Insolvenzverfahren verhindert hätten. Sie hatten einen weitgehenden Verzicht auf ihre Ansprüche abgelehnt. In dem Verfahren mit Gläubigerschutz nach Kapitel elf des US-Insolvenzrechts solle Chrysler nun Ballast abwerfen. Gläubiger oder auch Händler könnten dem Weißen Haus allerdings noch einen Strich durch die Rechnung ziehen und ein schnelles Insolvenzverfahren mit ihren Ansprüchen blockieren.

Eine Insolvenz des Kleinsten unter den „Großen Drei“ der US- Autobranche ist eine beispiellose Zäsur. Obama bemühte sich, die Öffentlichkeit zu beruhigen. Der Schritt sei „kein Zeichen von Schwäche“. Chrysler werde aus dem Verfahren gestärkt und konkurrenzfähig hervorgehen. Die Garantie auf Chrysler-Fahrzeuge sei von der Regierung abgesichert, betonte der Präsident. Der Autofinanzierer GMAC werde Kredite für Chrysler-Käufer geben. Man plane weitere Maßnahmen wie eine Art Abwrackprämie und ein Programm zum Einkauf von US-Fahrzeugen für Behördenflotten.

Die Chrysler-Insolvenz war bereits seit Tagen erwartet worden. Bei einem Verfahren nach Kapitel elf, bei dem das Unternehmen sich unter dem sogenannten Gläubigerschutz sanieren kann, müssen die Geldgeber vorerst ihre Forderungen auf Eis legen.

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