US-Autobranche
Ford läutet die nächste Sparrunde ein

Jetzt geht es bei Ford an die Gehälter. Nachdem die Konzernspitze die eigenen Bezüge deutlich gekürzt hat, sind nun die Mitarbeiter an der Reihe. Sie sollen weniger Geld kriegen, damit das Unternehmen auch weiterhin keine Staatshilfe braucht.

NEW YORK. Mit einem deutlichen Gehaltsverzicht haben Vorstandschef Alan Mulally und Chairman Bill Ford die nächste Sparrunde beim zweitgrößten US-Autokonzern Ford eingeläutet. Kaum hatten die beiden Manager eine Kürzung der eigenen Bezüge um 30 Prozent sowie die Streichung aller Boni angekündigt, kommen auf die Beschäftigten des Konzerns weitere harte Einschnitte zu. In einem Schreiben an 42 000 Ford-Arbeiter, die noch in der Autogewerkschaft UAW organisiert sind, warb deren Präsident Ron Gettelfinger gestern für weitere Zugeständnisse an das Unternehmen. Ford könne ohne einen größeren Umbau nicht überleben, betonte Gettelfinger.

Die neuerlichen Einschnitte sollen Ford helfen, im Gegensatz zu den US-Rivalen General Motors (GM) und Chrysler weiterhin ohne staatlichen Notkredite auszukommen. Dabei gerät auch Ford zunehmend in die Klemme, weil der Konzern nach Aussagen Gettelfingers im Zuge historischer Absatzeinbrüche weiterhin etwa eine Mrd. Dollar pro Monat verbrennt. Im Schlussquartal 2008 hat Ford sogar rund 5,5 Milliarden Dollar seiner Bargeldreserven verloren. Damit reduzierten sich die flüssigen Mittel des Unternehmens bedrohlich auf 13,4 Mrd. Dollar. Die Autokonzerne benötigen Mindestreserven in Milliardenhöhe, um ihren Verpflichtungen im operativen Tagesgeschäft nachkommen zu können.

Eine neue Runde von Abfindungen und Vorruhestandsregelungen soll Ford nun Entlastung verschaffen. Gettelfinger wies die Arbeiter darauf hin, dass die Gewerkschaft in einem vorläufigen Abkommen mit dem Vorstand wichtige Leistungen wie den Grundlohn sowie die Gesundheits- und Altersvorsorge habe retten und weitere Werksschließungen verhindern können. Im Gegenzug habe man für die nächsten drei Jahre auf einen Inflationsausgleich und Boni verzichten müssen, schrieb er. Auch Angestellte und Manager sollen in diesem Jahr keine Boni erhalten.

Bei einer Anhörung vor dem US-Kongress im Dezember 2008 hatte Mulally angekündigt, sein persönliches Jahresgehalt auf einen Dollar zu begrenzen für den Fall, dass er ebenfalls Staatshilfe für Ford anfordern müsse. Die Konzernführer von General Motors und Chrysler, Rick Wagoner und Robert Nardelli, haben diesen symbolischen Schritt bereits vollzogen. Beide Unternehmen werden allerdings seit Wochen nur mit Hilfe von Milliardenkrediten der US-Regierung am Leben gehalten. Weil das Kapital aber nur für wenige Monate reichen wird, steht eine weitere Entscheidung über Staatshilfen vor der Tür. Die Opel-Konzernmutter GM hat der US-Regierung dafür einen Sanierungsplan mit drastischen Kosteneinsparungen vorgelegt, der weltweit den Abbau von weiteren 47 000 Stellen vorsieht. Seitdem versucht der deutsche Hersteller Opel, eine Trennung von GM herbeizuführen.

Eine von Präsident Barack Obama eingesetzte Arbeitsgruppe diskutiert derzeit mit den Topmanagern der US-Autoindustrie, wie ein weiteres Ausufern der Krise verhindert werden kann. Zu Wochenbeginn sei mit den Chefeinkäufern von GM, Ford und Chrysler über einen drohenden Kollaps der Zulieferkette gesprochen worden, berichtete das "Wall Street Journal" unter Berufung auf Insider.

Zahlreiche Autozulieferer leiden schwer unter der Krise und sind finanziell in einer ähnlich existenzbedrohenden Situation wie die Hersteller selber. Ein Zuliefererverband warnte Mitte Februar vor Hunderten von Pleiten, sollte die US-Regierung den Sektor nicht in Kürze mit Milliardenkrediten auffangen.

Die Saläre der Autochefs passen angesichts der tiefen Krise der Branche nicht mehr in die Zeit. Informationen der Nachrichtenagentur Bloomberg zufolge hat Ford-Konzernchef Mulally 2007 insgesamt 21,7 Mio. Dollar verdient, obwohl der Konzern seit Jahren hohe Verluste schreibt.

GM steht vor dem nächsten Riesenverlust

Bilanz General Motors wird am heutigen Donnerstag die nächsten schockierenden Zahlen aus der US-Autoindustrie verkünden. Analysten erwarten für das Schlussquartal 2008 ein Minus des US-Marktführers in Höhe von 7,85 Dollar pro Aktie. Aufs Gesamtjahr gerechnet würde sich der Verlust damit auf 26,83 Dollar pro Aktie summieren. Die letzten schwarzen Zahlen hat GM 2004 geschrieben.

Ausblick Das Unternehmen hat Mitte Februar betont, dass es dringend weitere Milliardenkredite der US-Regierung benötigt, um über den März 2009 hinaus finanziell überleben zu können. Konzernchef Rick Wagoner hat nach Bekanntgabe der Zahlen einen Termin in Washington, um mit der von Präsident Barack Obama eingesetzten "Task Force Auto" über die nächsten Schritte zu beraten.

Matthias Eberle
Matthias Eberle
Handelsblatt / Ressortleiter Ausland
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