US-Autohersteller
Die Angst vor dem Ausverkauf

Die Krise der US-Hersteller hat den Druck auf den Automobilstandort USA in den vergangenen Jahren massiv erhöht. Die taumelnden US-Autohersteller bauen angesichts eines schwierigen Heimatmarktes und hoher Lohnkosten neue Produktionsstätten nur noch in Auslandsmärkten auf – und beschleunigen damit die Erosion von Jobs in der einheimischen Autoindustrie.

FRANKFURT. Während die so genannten Big Three, also General Motors, Ford und Chrysler, in den USA in den letzten Jahren zahlreiche Werke schlossen und Stellen in fünfstelliger Höhe strichen, bauen die US-Autobauer in boomenden Märkten wie Russland oder China neue Kapazitäten auf. Hinter den Kulissen des harten Tarifkonflikts zwischen der US-Gewerkschaft UAW und General Motors steckt deshalb ein Verdrängungswettbewerb um Arbeitskosten und Produktivität, der bei vielen US-Beschäftigen der Branche die Angst vor dem Ausverkauf schürt.

Alle großen US-Hersteller suchen derzeit ihr Heil im Ausland. Ford-Chef Alan Mulally eröffnete diese Woche ein neues Werk im chinesischen Nanjing, in dem möglicherweise auch die nächste Generation von Ford-Kleinwagen gebaut werden soll. In den USA will Mulally dagegen bis 2012 rund 44 000 Jobs abbauen und 16 Fertigungsstätten schließen. Auch General Motors startete gestern mit der Produktion von Opel-Fahrzeugen in einer neuen Fabrik im russischen St. Petersburg, die im boomenden russischen Markt verkauft werden sollen. Der Osten lockt die Hersteller nicht nur mit niedrigen Arbeitskosten und hohen Subventionen, sondern auch mit erheblichem Wachstumsperpektiven. „Alle Hersteller bauen in Niedriglohnländern Kapazitäten auf, um die dort wachsende Nachfrage bedienen zu können“, sagte Christoph Stürmer vom Prognoseinstitut Global Insight. Nach seiner Einschätzung wird allein in Osteuropa die Produktion bis 2009 von zuletzt 4,3 Millionen auf sechs Millionen klettern.

Entsprechend konzentrieren sich die US-Konzerne zusehends auf ihre Auslandsmärkte. Denn im Heimatmarkt müssen vor allem GM und Ford Jahr für Jahr Marktanteile an die Konkurrenz aus Übersee abgeben. Im Sommer diesen Jahres verloren die US-Hersteller bereits ihre bis dahin dominierende Rolle auf dem Heimatmarkt: Erstmals in der Geschichte der US-Autoindustrie sank der Marktanteil der einheimischen Hersteller auf dem US-Markt im Juli unter 50 Prozent. Zum Vergleich: 1984 hatten die Detroiter Autobauer dort noch einen Marktanteil von 77,4 Prozent inne.

Viele US-Arbeitnehmervertreter treibt deshalb die Sorge, dass die bisherigen Werksschließungen nur der Anfang einer Verlagerung von Produktion nach Osten sein könnte. Wie dies aussehen könnte, hat der inzwischen im Besitz des Finanzinvestors Cerberus befindliche US-Hersteller Chrysler bereits vorgemacht. Der angeschlagene Konzern aus Auburn Hills besiegelte im Juli ein Bündnis mit dem chinesischen Hersteller Chery, dass den Verkauf chinesischer Wagen unter verschiedenen Chrysler-Marken in aller Welt vorsieht. Erstmals importiert der US-Autobauer damit ausländische Fahrzeuge unter dem Chrysler-Label auf den Heimatmarkt. Auch der erbitterte Widerstand der Daimler-Arbeitnehmer hatte das Bündnis nicht aufhalten können.

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