US-Autohilfen
"Nur ein Tropfen auf den heißen Stein"

Opel-Gesamtbetriebsratschef Klaus Franz bleibt trotz der US-Hilfen für die amerikanischen Autobauer besorgt. Die 17,4 Milliarden Dollar seien "nur ein Tropfen auf den heißen Stein", sagte Franz in einem Interview. Opel werde sich also weiter um eine Bürgschaft beim deutschen Staat bemühen.

HB RÜSSELSHEIM. "Unabhängig von der Situation in den USA braucht Opel weiterhin eine Bürgschaft", sagte Franz dem Magazin "Auto, Motor und Sport" laut einem Vorabbericht vom Samstag. "Schließlich haben wir kein eigenes Kreditrating und können ohne Bürgschaft nicht am Kapitalmarkt tätig werden." Franz fügte hinzu: "Wir müssen aber unsere Investitionen absichern, etwa bei den Produktionseinrichtungen für den Astra-Nachfolger, der zum Jahresende 2009 in den Handel kommt."

Es dürfe keine verzögerte Markteinführung riskiert werden, vielmehr müsse "diesem nächsten Hoffnungsträger" ein erfolgreicher Markstart beschert werden. "Denn die beste Antwort auf die aktuelle Absatzkrise sind attraktive, neue Fahrzeuge, wie wir sie im Köcher haben", sagte Franz.

Für Opels Muttergesellschaft General Motors (GM) und die beiden US-Autokonzerne Ford und Chrysler sei entscheidend, was die neue US-Regierung unter Barack Obama unternehme, um den Konzernen bei der Bewältigung der Krise zu helfen, fügte Franz an. "Es werden aber sicherlich weitere Staatshilfen notwendig sein."

Der scheidende US-Präsident George W. Bush hatte den angeschlagenen amerikanischen Autobauern am Freitag nach wochenlangen Grabenkämpfen im Kongress die Milliardenhilfen zugesagt. Die bis zu 17,4 Milliarden Dollar kommen aus dem Rettungstopf, der eigentlich für die Finanzbranche gedacht war. Die Opel-Mutter GM und die frühere Daimler-Tochter Chrysler wollen auf das Geld noch vor Jahresende zurückgreifen, Ford sieht davon zunächst ab.

Opel zeigte sich nach der Ankündigung Bushs erleichtert und will die Verhandlungen über die beantragten Hilfen der Bundesregierung seinerseits rasch abschließen. Franz teilt diesen Standpunkt.

Der Autoexperte Ferdinand Dudenhöffer sieht unterdessen die Rettungspläne für General Motors als Chance für eine Abspaltung von Opel aus dem Mutterkonzern. "Wichtig ist, dass General Motors grundsätzlich neu ausgerichtet wird", sagte Dudenhöffer der Deutschen Presse-Agentur dpa. Die deutsche Regierung solle eine Bürgschaft für Opel an die Bedingung knüpfen, dass sich General Motors mehrheitlich von seiner Tochter trenne. Mit der US-Hilfe für General Motors sei der Weg für ein deutsches Hilfspaket freigemacht worden.

Das zentralistische System von General Motors sei gescheitert, sagte Dudenhöffer. Bei einer Eigenständigkeit von Opel könne ein Autobauer mit einer Produktion von 1,5 bis 2,0 Millionen Fahrzeugen im Jahr entstehen. "Die Entscheidungen würden dann vor Ort in Europa getroffen."

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