US-Autoindustrie
Staatshilfen sollen GM & Co. retten

Die angeschlagenen US-Autohersteller haben sich angesichts des laufenden US-Wahlkampfs in Position gebracht und dringen auf staatliche Hilfen in Milliardenhöhe. Nach Informationen von US-Medien versuchen General Motors, Ford und Chrysler staatlich garantierte Kredite zu erhalten, um schneller sparsame Fahrzeuge und neue Technologien zu entwickeln.

FRANKFURT. Die Nachrichtenagentur Bloomberg berichtet, dass die US-Autohersteller ihre Anfrage von zunächst 25 Mrd. Dollar auf 50 Mrd. Dollar verdoppelt hätten. Die US-Autobauer wittern damit offenbar eine Chance, vor den US-Wahlen im November doch noch Fördergelder in Milliardenhöhe für die notleidenden US-Ikonen durchsetzen zu können.

Im vergangenen Jahr war ein Hilfsprogramm für die Automobilbranche im US-Kongress vorerst gescheitert. Das „Advanced Technology Vehicles Manufacturing Incentive Program“ sah Kredite von bis zu 25 Mrd. Dollar für die US-Hersteller vor. Die Mittel sollten die Unternehmen für die Entwicklung spritsparender Fahrzeuge einsetzen. Nun sehen die Hersteller offensichtlich die Chance für einen zweiten Anlauf, nachdem sowohl der Demokrat Barack Obama als auch sein republikanischer Rivale John McCain als Präsidentschaftsbewerber im Wahlkampf bereits grundsätzliche Unterstützung für Finanzhilfen signalisiert haben.

McCain hatte für den Fall seiner Wahl sogar einen Preis von 300 Mill. Dollar für die Entwicklung einer leistungsstarken, kostengünstigen Batterie zum Antrieb von Elektroautos angekündigt. Für McCain und Obama haben die Industriegürtel in Michigan und Ohio, wo viele Zulieferer sitzen, möglicherweise wahlentscheidende Bedeutung. Allerdings haben sich die Bewerber noch nicht zu konkreten Rettungsversprechen hinreißen lassen. Bestenfalls von Umschulungshilfen für entlassene Autoarbeiter war bislang die Rede.

Der Vorstoß der US-Autobauer zeugt von der tiefen Ratlosigkeit, wie die einstigen amerikanischen Ikonen aus ihrer bisher größten Krise finden sollen. Die verlusteschreibenden US-Hersteller leiden unter einem starken Einbruch des Heimatmarkts. Wegen der hohen Ölpreise kaufen die Amerikaner wesentlich weniger schwere Pick-ups und Geländewagen – die bisherige Domäne der US-Hersteller. Als Folge hatten sowohl GM als auch Ford im zweiten Quartal desaströse Zahlen vorgelegt und neue Sorgen über die Kreditwürdigkeit der Hersteller geweckt. Die Ratingagentur Standard & Poor’s stufte alle drei US-Autobauer wegen ihrer hohen Barmittelverluste weiter herunter. Staatliche Bürgschaften würden die Refinanzierungskosten für die US-Autobauer deutlich vermindern, da die Zinsen deutlich unter denen am Kapitalmarkt liegen dürften.

Experten schätzen, dass die US-Autoindustrie von den erteilten Milliardenhilfen der US-Regierung für die beiden größten Hypothekenfinanzierer des Landes, Fannie Mae und Freddie Mac, angelockt wird. Um das Finanzsystem zu stabilisieren, hatte die Regierung den beiden maroden Adressen umfangreiche Hilfe angedient.

Die notleidende Autoindustrie beißt dagegen bisher beim scheidenden US-Präsidenten George W. Bush in Sachen Kreditbürgschaften weitgehend auf Granit. Bush hat stattdessen den Autobossen nahegelegt, sich darauf zu konzentrieren, „ein relevantes Produkt zu entwickeln“. Ein neuer Präsident könnte dies allerdings nun anders sehen. Schon im Jahr 1979 hatte der damalige Präsident Jimmy Carter Chrysler Kreditgarantien in Höhe von 1,5 Mrd. Dollar gewährt, um das Überleben des Autobauers zu sichern.

Auch heute kämpfen die US-Autobauer um ihre Existenz. Allein der Opel-Mutterkonzern GM und Ford verzeichneten im vergangenen zweiten Quartal Verluste von zusammen mehr als 24 Mrd. Dollar. Beide hatten zuletzt sogar Insolvenzgerüchte dementieren müssen. Die Investmentbank Merrill Lynch hatte Anfang Juli eine Pleite von GM nicht mehr ausgeschlossen. Am Ende des zweiten Quartals hatte GM noch Barreserven von 21 Mrd. Dollar. Der US-Autobauer will bis Ende 2009 mit einem Bündel von Maßnahmen seine Barmittel um 15 Mrd. Dollar erhöhen.

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