US-Autokonzern arbeitet an Premiumstrategie
Mach‘ es noch einmal, Ford

Mit der Vignale-Linie will Ford wieder in der Oberklasse mitmischen – und so der unbequemen Sandwich-Position entkommen. Der zweitgrößte US-Autokonzern versucht sich nicht das erste Mal mit einer Premiumstrategie.
  • 0

DüsseldorfDie Autowäsche ist inklusive. Einmal im Monat will Ford den Käufern eines Mondeo eine Fahrt durch die Waschstraße spendieren. Jedenfalls, wenn sie sich für die Vignale-Ausstattungsvariante entscheiden. So nennen die Kölner ihren neuesten Versuch, in der Oberklasse anzugreifen. Angelehnt ist der Name an einen historischen italienischen Autodesigner, dessen Unternehmen Ford einst schluckte.

Im Inneren bietet Ford ab einem Einstiegspreis von 40.700 Euro einiges, was man eigentlich nur von den deutschen Konkurrenten Audi, BMW und Mercedes kennt. Feinstes Leder, Zierleisten aus gebürstetem Aluminium, Klavierlack. Doch punkten soll die Vignale-Linie vor allem mit einem besonderen Service. Verkauft wird die Vignale-Linie in gemütlichen Sitzecken in den Autohäusern, die Ford „Vignale-Lounge“ getauft hat. Jedem Käufer soll ein persönlicher Berater zur Seite gestellt werden. Und die erwähnte Autowäsche gibt es oben drauf. Den Hochglanz hat Ford auch nötig.

Denn strategisch stecken die Kölner in Europa in der Klemme: Während Premium-Konkurrenten in die Kompaktklasse drängen, erhöhen günstigere Wettbewerber wie Dacia und Skoda den Preisdruck. So wird es für die Kölner immer schwerer, Geld in der Mitte zu verdienen. Mit der Vignale-Linie will man der anspruchsvollen Kundschaft wieder was bieten können. Die Vorgaben sind bescheiden: 700 Mondeos mit Vignale-Ausstattung sollen noch in diesem Jahr verkauft werden, im kommenden Jahr sollen es 2000 sein, kündigt Ford-Deutschland-Chef Bernhard Mattes an. Anfang 2016 sollen auch die Großraumlimousinen Galaxy und S-Max und der große Geländewagen Edge mit dieser Ausstattungsversion aufgerüstet werden.

Dabei hatte Ford die Oberklasse vor einigen Jahren etwas frustriert verlassen. Mit Volvo und Jaguar/Land Rover gehörten im Jahr 2008 gleich drei Marken mit Premiumanspruch zum Konzern. Doch unter der Führung von Ford fuhren die europäischen Oberklasse-Töchter trotz ihrer großen Namen vor allem Verluste ein. Die große technische Nähe zur Mutter kratzten am Oberklasse-Image. Der X-Type von Jaguar war trauriger Höhepunkte einer Gleichteile-Strategie, die Kosten sparen sollte – und Verluste produzierte.

Nach der Lehman-Krise im Jahr 2008 und den daraus folgenden Absatzeinbrüchen zog Ford die Notbremse und verkaufte die unrentablen Oberklasse-Töchter. Volvo ging an die Chinesen von Geely, Jaguar/Land Rover an die Inder von Tata Motors. Beiden sagte niemand eine große Zukunft voraus. Zu groß schienen die Herausforderungen. Doch mittlerweile haben sich die edlen Kleinen berappelt – während Ford in der Oberklasse kaum was anzubieten hat.

„Das kann man fast als Ironie der Geschichte bezeichnen“, sagt Stefan Bratzel, Professor am Center of Automotive Management (CAM) der FH Bergisch-Gladbach. Denn viele Modelle von Jaguar/Land Rover, die in den Folgejahren zu Kassenschlagern wurden, waren noch unter Ford angestoßen worden. Und auch technologisch schlagen sich die einstigen Töchter mittlerweile besser als gedacht.

Seite 1:

Mach‘ es noch einmal, Ford

Seite 2:

Kaum Marge trotz vieler Innovationen

Kommentare zu " US-Autokonzern arbeitet an Premiumstrategie: Mach‘ es noch einmal, Ford"

Alle Kommentare

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%