US-Autokrise
General Motors will verstaatlicht werden

Erst der Versicherungsriese AIG, nun vielleicht auch noch der Auto-Gigant General Motors. Der Autohersteller steht kurz vor der Verstaatlichung. Im Gegenzug für Regierungskredite soll der Staat größter Anteilseigner von GM werden. Und der US-Autobauer steht vor noch größeren Einschnitten als ursprünglich geplant. Viel bleibt von GM nicht mehr übrig.

ebe/HB DETROIT. Nach dem New Yorker Versicherungs-Riesen AIG steht mit General Motors (GM) der nächste Weltkonzern dicht vor der Verstaatlichung. Der seit Monaten ums Überleben kämpfende Autobauer hat gestern akzeptiert, das US-Finanzministerium als Gegenleistung für milliardenschwere Regierungskredite zu seinem Mehrheitseigner zu machen. Der Staat solle als größter Gläubiger künftig mindestens 50 Prozent der Anteile an GM erhalten, teilte die Opel-Konzernmutter in Detroit in einem neuen Sanierungsplan für die USAmit. Der neue Vorstandschef Fritz Henderson betonte in einer Pressekonferenz, dass 89 Prozent der GM-Anteile künftig beim Finanzministerium sowie bei der Auto-Gewerkschaft UAW liegen sollen. Mit einem Tausch von Verbindlichkeiten gegen Firmenanteile will GM seine kolossale Schuldenlast um insgesamt 44 Mrd. Dollar verringern.

Privaten Geldgebern bot der Opel-Mutterkonzern ebenfalls einen Tausch von Unternehmensanteilen gegen Schuldenerlass vor. So könnten die Gläubiger für jeweils 1 000 Dollar, die das Unternehmen ihnen schulde, 225 GM-Aktien bekommen. Privaten Gläubigern würden danach zehn Prozent des Konzerns gehören. Sollten die Vorschläge akzeptiert werden, könne der Konzern 24 Milliarden US-Dollar von seiner Gesamtschuldenlast von 27 Milliarden Dollar loswerden, sagte Konzernchef Fritz Henderson.

Für ein erfolgreiches Angebot müssten die Gläubiger bis Ende Mai mindestens 90 Prozent ihrer Forderungen andienen, erklärte der größte US-Autobauer. Bei einem Tausch in Aktien soll ihr Anteil an GM dann auf zehn Prozent steigen. Für den Fall, dass die Anleihebesitzer die Offerte ablehnen, kündigte Konzernchef Henderson ein sofortiges Konkursverfahren an. GM wird derzeit nur künstlich über Staatshilfen am Leben gehalten und hat gestern weitere Regierungskredite in Höhe von 11,6 Mrd. Dollar angefragt. Seit Dezeber 2008 sind bereits 15,4 Mrd. Dollar an Staatshilfen in den Konzern gepumpt worden.

Henderson legte gestern eine weitere Verschärfung des Sanierungsplans vor, um den Segen des Finanzministeriums zu erhalten. Demnach soll jetzt auch die über 80 Jahre alte Sportwagenmarke Pontiac eingestellt werden. Zuvor hatte GM bereits die Ladenhüter-Marken Saturn, Saab und Hummer aufgegeben, die seit Jahren hohe Verluste produzieren. Auch die Anzahl der Mitarbeiter und Händler, die künftig noch für GM arbeiten sollen, wurde weiter zurechtgestutzt: Den neuen Plänen zufolge wird der Konzern 42 Prozent seiner Händler aufgeben, 13 Fabriken schließen und 21.000 weitere Mitarbeiter entlassen. “Größe ist nur gut, wenn sie einen Vorteil bringt”, räumte Henderson ein. Die hohen Verluste der vergangenen Jahre hätten aber gezeigt, dass das bei GM nicht der Fall gewesen sei.

Die über 80 Jahre alte Sportwagenmarke Pontiac wird eingestellt - und das bis Ende 2010. Die Trennung von der schwedischen Tochter Saab soll bis spätestens Ende dieses Jahres erfolgen. Zudem will der Konzern seinen Schuldenberg über mehrere Maßnahmen um insgesamt von 44 Milliarden Dollar (33 Mrd Euro) abbauen.

Die Frist für das Angebot an die Gläubiger laufe am 26. Mai ab. Die US-Regierung hat GM für einen endgültigen Sanierungsplan ein Ultimatum bis Ende Mai gestellt.

GM konzentriert sich damit in Nordamerika künftig auf vier statt acht Marken: Chevrolet, Cadillac, Buick und GMC. Die Trennung von Saab, Hummer und Saturn soll nun noch 2009 über die Bühne gehen.

Ebenso ein lange von Experten geforderter Schritt: General Motors hat seinen neuen Sanierungsplan auf einer neuen, realistischeren Zahlenbasis erstellt. Soll heißen: GM geht nun von einem US-Automarkt in Größenordnung von zehn Millionen Neuwagen aus.

In einem ersten Sanierungsplan Mitte Februar hatte die taumelnde Opel-Mutter angekündigt, weltweit 47 000 Arbeitsplätze streichen zu wollen. Im Gegenzug hatte GM allerdings weitere Staatshilfen von bis zu 30 Milliarden Dollar gefordert. In den USA soll die Zahl der Mitarbeiter bis 2012 um 20 000 auf 72 000 verringert werden. Zur Senkung der Personalkosten und Sozialleistungen peilt der Konzern eine Grundsatzeinigung mit den Gewerkschaften bis Ende 2009 an. Ziel ist es, die Personalkosten auf das Niveau der ausländischen Konkurrenten zurückzufahren. Die Zahl der Werke sollte laut dem ersten Plan von 47 Stand Ende 2008 auf 33 bis 2012 gesenkt werden.

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