US-Autokrise
Neue Milliardenkrücke für General Motors

Die US-Regierung stützt den ums Überleben kämpfenden Autobauer General Motors und dessen einstige Finanzierungstochter GMAC mit Krediten in Höhe von sechs Mrd. Dollar. Grund: Ohne GMAC würde das Neuwagengeschäft von GM wohl völlig zusammenbrechen –und tausende Autohändler gleich mit.

HB WASHINGTON. Die US-Regierung stellt dem angeschlagenen Autobauer GM und der Bank GMAC Milliardenhilfen zur Verfügung. Das Finanzministerium in Washington teilte in der Nacht zum Dienstag mit, es werde Anteile von der ehemaligen GM-Autobank GMAC in Höhe von fünf Mrd. Dollar kaufen. Zudem werde die mit 49 Prozent an GMAC beteiligte General Motors Corp (GM)einen Kredit von einer Milliarde Dollar erhalten, um den Umbau von GMAC in eine Geschäftsbank zu unterstützen. Die Gelder würden aus dem 700 Mrd. Dollar schweren Rettungspaket der Regierung genommen. Das Geld werde zusätzlich zu der Mitte des Monats angekündigten Finanzhilfe von 17,4 Mrd Dollar für die Automobilbranche zur Verfügung gestellt.

Mit der Unterstützung für die GMAC, die inzwischen zu 51 Prozent einer Investorengruppe unter Leitung der Beteiligungsgesellschaft Cerberus gehört, hilft die Regierung nicht nur dem Unternehmen selbst, sondern vor allem der angeschlagenen einstigen Muttergesellschaft GM. Denn GMAC stellt Finanzierungen für GM-Händler und -Kunden sowie Immobilienkredite bereit. Im Fall einer Insolvenz wären etwa 85 Prozent der nordamerikanischen GM-Händler von einer Finanzierung abgeschnitten gewesen. Nach Expertenschätzungen wären 40 Prozent der rund 6500 GM-Händler vor dem Aus gestanden.

Mehr noch. Abgesehen von den Folgen für die Händler hätte eine Insolvenz von GMAC auch gravierende Auswirkungen auf das Neuwagengeschäft von General Motors gehabt. GM macht für einen Einbruch des Absatzes im Oktober um 45 Prozent unter anderem die begrenzte Kreditvergabe durch GMAC verantwortlich. Mit der jetzigen Finanzspritze für GMAC ist nach Meinung von Experten der Weg frei, dass die Finanzierungsbank weniger restriktiv Kredite an potenzielle Autokäufer vergibt – was letztlich wiederum natürlich GM nützen würde.

Genau dies ist für Experten wie etwa Thomas Atteberry von Pirst Pacific Advisors auch der maßhebliche Grund dafür, dass die US-Regierung überhaupt GMAC zur Seite springt, wie er der Nachrichtenagentur Bloomberg sagte. Und GMAC hat verstanden. In einem öffentlichen Statement teilte das Unternehmen mit, dass es umgehend umfangreicher Neuwagenkredite vergeben möchte. Laut Bloomberg hat GMAC im vergangenen Jahr 35 Prozent aller Verkäufe finanziert.

Die amerikanischen Autofinanzierer sind im Zuge der Kreditkrise massiv unter Druck geraten. GMAC hatte wegen der Hypothekenkrise und Abschreibungen auf Leasingverträge für Fahrzeuge im dritten Quartal mit einem Minus von 2,5 Mrd. Dollar das fünfte Mal in Folge einen Verlust erlitten. Vergangene Woche hatte die US-Notenbank Fed die Umwandlung in eine Geschäftsbank genehmigt. Die vor allem in der Auto- und Hypothekenfinanzierung tätige GMAC teilte ihrerseits mit, sie habe genügend Kapital aufgebracht, um die Bedingungen für die Umwandlung in eine Bank-Holding zu erfüllen.

Die US-Notenbank hatte vergangene Woche einem Antrag von GMAC auf Umwandlung in eine Bankenholdung stattgegeben. Dies war Voraussetzung für eine Unterstützung aus dem staatlichen 700-Milliarden-Rettungspaket. Andernfalls hätte GMAC nach Ansicht von Beobachtern Gläubigerschutz beantragen oder Konkurs anmelden müssen.

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