US-Automarkt
Das Ende der Fahnenstange

Die Amerikaner haben im Juli weniger Autos gekauft. Der Absatz der Marktführer GM und Ford fiel überraschend stark, die Börse reagierte harsch. Auch die deutschen Hersteller Volkswagen und BMW sind betroffen.

Der US-Markt wächst kaum noch. Die führenden Autohersteller meldeten für den Monat Juli einen fallenden Absatz: Markführer General Motors (GM) verkaufte knapp zwei Prozent weniger Fahrzeuge als im Vorjahr, bei Ford belief sich das Minus auf drei Prozent, bei Toyota auf 1,6 Prozent. Zwar verzeichnete die Nummer Vier im Markt, Fiat Chrysler, einen Zugewinn von 0,3 Prozent, Analysten hatten aber ein Plus von knapp zwei Prozent vorhergesagt.

Die Ergebnisse sorgten an der Börse für Unruhe. Die Aktie Fiat Chrysler gab um mehr als vier Prozent nach. GM und Ford fielen um fast fünf Prozent. Der Konzern mit dem blauen Oval hatte schon vor einigen Tagen einen heftigen Kurseinbruch hinnehmen müssen, als es einen geringer als erwarteten Gewinn meldete und vor einem Abschwung im US-Automarkt warnte.

„Sechs Jahre lang ging die Branche nur nach oben“, sagte Karl Brauer, Chefanalyst von Branchendienst Kelley Blue Book. „jetzt ist klar das Ende der Fahnenstange erreicht“.

Der Juli kann sich immer noch sehen lassen. Hochgerechnet auf das Jahr belief sich der Absatz auf 17,3 Millionen Fahrzeuge, knapp unter dem 2015 Rekord. Mehrere Faktoren stützten den Absatz: Im vergangenen Monat gab es im Vergleich zum Vorjahr zwei zusätzliche verkaufsoffene Tage. Zudem stiegen die Rabatte, die laut Branchendienst TrueCar im vergangenen Jahr von 9,6 auf 9,9 Prozent des Verkaufspreises eines Fahrzeuges kletterten.

Fiat Chrysler kämpft derzeit mit besonderen Problemen in den USA. Seit wenigen Tagen ist bekannt, dass die amerikanische Börsenaufsicht und das Justizministerium das Unternehmen untersuchen. Es schönte seine Absatzzahlen – in dem es Fahrzeuge als verkauft meldete, die noch auf dem Hof standen. Schon im vergangenen Januar klagten einige Händler gegen das Unternehmen. Der Vorwurf: Chrysler würde sie nötigen, die Verkaufsbilanz aufzublähen.

Chef Sergio Marchionne versuchte wiederholt, sein Unternehmen mit GM zusammen zu bringen. Eines seiner Argumente: Ganze 75 Monate in Folge erhöhte das Unternehmen in den USA seinen Absatz. Das schaffte noch kein Hersteller, und auch nicht der amerikanisch-italienische Konzern. Der revidierte vor kurzem seine Zahlen, der Rekordlauf endete bereits 2013.

Für Volkswagen sind fallende Absätze in den USA nichts Neues. Allerdings war dafür bislang nicht der schwache Markt der Grund, sondern die Pfuscherei mit den Dieselemissionen. Die Einigung mit den US-Behörden bei den Zwei-Liter-Motoren über die Strafzahlungen und Reparaturen vor wenigen Wochen scheint sich positiv auszuwirken. Der Verkauf von der Marke VW und Audi zusammengenommen fiel im Juli nur um 3,7 Prozent, Analysten rechneten mit einem Minus von zwölf Prozent.

In seinen Zahlen zum zweiten Quartal verkündigte BMW schwache Ergebnisse für den wichtigen US-Markt. Danach ging der Umsatz in den USA im ersten Halbjahr um 8,4 Prozent auf rund 179 000 Fahrzeuge zurück. Der Trend setzte sich auch im Juli fort. Der Absatz der Marke BMW fiel um 4,4 Prozent, der von Mini um acht Prozent. „Die Volatilität des Marktes nimmt zu“, sagte BMW US-Chef Ludwig Willisch.

Mercedes dagegen verzeichnete im Juli in den USA einen Zuwachs von 7,2 Prozent. Dafür sorgten vor allem die C-Klasse, E-Klasse und GLE-Modelle. „Wir gehen mit viel Schwung ins dritte Quartal“, sagte Dietmar Exler, US-Chef von Mercedes-Benz USA.

Der Autor ist Managing-Editor des Handelsblatts in den USA. Quelle: Frank Beer für Handelsblatt
Thomas Jahn
Handelsblatt / Korrespondent New York
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