US-Automobilkonzern stärkt die Position seiner deutschen Tochter Opel
GM baut europäisches Designzentrum in Rüsselsheim

Wenige Monate nach dem Zuschlag für die Fertigung der Mittelklasse von Saab und Opel steht der Mutterkonzern General Motors (GM) kurz davor, eine weitere Richtungsentscheidung zu Gunsten von Rüsselsheim zu treffen. Der weltgrößte Autokonzern plant, ein europäisches Designzentrum für den Konzern am Opel-Stammsitz aufzubauen.

hz GÖTEBORG. Nach Informationen aus Unternehmenskreisen werden in der neuen Einrichtung 300 bis 400 Beschäftigte arbeiten. Das Designzentrum solle voraussichtlich noch 2005 an den Start gehen, hieß es. Bisher wurde das Design der GM-Marken jeweils separat von den einzelnen Marken geführt. Opel-Chef Hans Demant wollte die Pläne nicht kommentieren.

Der angeschlagene US-Konzern stärkt damit die Position seiner deutschen Tochter und treibt die Neuordnung im Europa-Geschäft voran. Demant sieht darüber hinaus gute Chancen für die Ingenieure in Rüsselsheim, nach der Verantwortung für die Mittelklassen-Entwicklung auch die Kompetenz im Konzern für die Kompaktklasse übertragen zu bekommen. „Ich bin zuversichtlich, dass wir den Zuschlag erhalten“, sagte Demant. Mit einer Entscheidung der Zentrale in Detroit wird noch im Laufe der zweiten Jahreshälfte gerechnet. Rüsselsheim konkurriert bei der Entwicklung der künftigen Delta-Plattform, auf der Opels wichtigstes Modell Astra steht, mit GM-Entwicklungszentren in den USA und Korea.

Das Autojahr 2005 schreibt Opel indes weitgehend ab. Die Unsicherheit im Vorfeld der Bundestagswahl im Herbst wird nach Einschätzung von Demant dem schwachen deutschen Automarkt einen weiteren Dämpfer verpassen. „Bis Herbst werden wir keine große Bewegung sehen“, sagte Demant, „und der Rest des Jahres wird nicht ausreichen, um den Rückstand aufzuholen.“

Trotz der trüben Branchenkonjunktur und der sich ausweitenden Krise des Mutterkonzerns sieht sich Opel im eigenen Geschäft im Vorwärtsgang. Der defizitäre Autobauer, dem GM 2004 ein drastisches Sparprogramm mit massivem Stellenabbau verordnete, will 2005 seinen Marktanteil in Deutschland von 10,3 Prozent auf 11 Prozent ausbauen.

„Die finanziellen Probleme des Mutterkonzerns schlagen nicht auf uns durch“, betont Demant. Opel habe mit dem Sparprogramm seine Hausaufgaben gemacht. An dem bis 2010 laufenden Zukunftsvertrag, der den Abbau von knapp 10 000 Stellen und eine Standortgarantie vorsieht, werde nicht gerüttelt. Auch eine Schließung oder Verkauf der deutschen GM-Tochter sei kein Thema.

Der US-Mutterkonzern glaubt indes, in Europa das Schlimmste hinter sich zu haben. Die Züricher GM-Europazentrale deutet an, dass das Unternehmen 2005 unter dem prognostizierten Verlust von 500 Mill. Dollar in Europa bleiben könnte. Demant ist da vorsichtiger. „Ich glaube, dass wir noch einige schwierige Jahre vor uns haben.“ Der Verlust im Europa-Geschäft von GM, für den zu rund 80 Prozent die deutsche Tochter Opel verantwortlich ist, ging in den ersten drei Monaten nur leicht auf 103 Mill. Dollar zurück.

Hoffnungsträger ist neben dem vor einem Jahr gestarteten VW-Golf-Konkurrenten Astra vor allem der neue Kompakt-Van Zafira, der vom 9. Juli an bei den Händlern steht. Neue Impulse erhofft Opel auch vom Mittelklassewagen Vectra, dessen aufgefrischtes Modell im September auf der Automobilausstellung IAA in Frankfurt gezeigt wird.

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