US-Autozulieferer
Delphi forciert Wachstum in Russland

Der große US-Autozulieferer Delphi geht auf dem boomenden russischen Markt in die Offensive. „Wir werden bis 2010 zwei neue Produktionsstätten in Russland aufbauen“, sagte Delphi-Manager Stefaan Vandevelde dem Handelsblatt in Rüsselsheim. „Unsere Teams suchen derzeit nach geeigneten Standorten in der Umgebung von Kaliningrad und Kaluga.“

RÜSSELSHEIM. Beide Werke sollen in der Endphase rund 1 000 Mitarbeiter beschäftigten. Delphi baut damit seine Präsenz in Russland auf sechs Standorte aus. Bislang ist der Zuliefererkonzern in Russland mit einer Repräsentanz in Moskau sowie Fertigungsstätten in Samara, Surgut und Dimitrovgrad vertreten. Auch das bestehende Werk in Dimitrovgard werde weiter ausgebaut werden, kündigte Vandevelde an.

Der seit Jahren im Insolvenzverfahren steckende Zulieferer, der nach Branchenprimus Bosch mit einem Umsatz von 22,3 Mrd. Dollar und einem Nettoverlust von 3,75 Mrd. Dollar einer der größten Zulieferer der Welt ist, baut damit seine Aktivitäten im russischen Markt massiv aus. „Russland ist für uns der am schnellsten wachsende Markt in Europa. Wir erwarten, dass sich unser Geschäft dort bis 2012 verdoppeln wird“, betonte Vandevelde, der Vizepräsident von Delphis umsatzstärkster Sparte Bordnetze ist.

Das Ex-Tochterunternehmen des US-Autokonzerns General Motors, der Delphi 1999 verselbstständigte, will mit seinem Engagement am Boom in Russland teilhaben. „Im Gegensatz zu vielen unserer Konkurrenten kommen wir allerdings nicht jetzt erst in das Land, sondern sind dort bereits seit mehr als 15 Jahren vertreten“, betonte Vandevelde. „Das sehen wir als einen großen Vorteil an, denn wir haben auch in harten Zeiten in Russland durchgehalten, was uns nun bei den Russen sehr hilft.“

Der US-Zulieferer bietet damit dem Stuttgarter Konkurrenten Bosch die Stirn, der ebenfalls sein Russland-Geschäft deutlich ausbauen will. Die Stuttgarter kündigten jüngst an, 150 Mill. Euro in den Aufbau einer Zentrale in der Nähe von Moskau zu investieren. Mit 94 000 Quadratmetern werde es einer der größten Unternehmenssitze außerhalb Deutschlands sein, heißt es bei Bosch. Bis 2010 will der Branchenprimus seinen Umsatz in Russland von 591 Mill. Euro auf eine Milliarde Euro fast verdoppeln. Für ausländische Zulieferer bietet Russland nach Einschätzung von Experten große Chancen.

Angelockt wird die Branche von den enormen Wachstumsraten des russischen Automarktes. Vergangenes Jahr wuchs der Markt um 64 Prozent. Nach Ansicht von PSA-Chef Christian Streiff dürfte das Marktvolumen „sehr schnell die Marke von drei Millionen verkauften Autos pro Jahr überschreiten“. Derzeit haben von 1 000 Russen nur 200 ein Auto. In Deutschland besitzen dagegen 550 von 1 000 Bewohnern ein Auto. Im Jahr 2010 könnten sich 45 Millionen russische Haushalte ein eigenes Auto leisten, schwärmt auch Volkswagen-Chef Martin Winterkorn.

Der französische Autobauer PSA Peugeot Citroën und der japanische Konzern Mitsubishi legten erst vergangene Woche in Kaluga den Grundstein für ein gemeinsames Autowerk in Russland, Volkswagen hatte dort im November vorigen Jahres bereits eine 500 Mill. Euro teure Fabrik eröffnet. In Kaliningrad (Königsberg) werden Personenwagen von BMW, General Motors und Kia gebaut.

„Russland wird in diesem Jahr zum zweitgrößten europäischen Absatzmarkt. Daher überrascht es nicht, dass die weltweiten Automobilhersteller in das Land auf der Suche nach Wachstum hineindrängen und so versuchen, ihre durch die gesättigten Märkte in Nordamerika dünnen Margen aufzubessern“, schreibt die Kreditanalystin der Ratingagentur Standard & Poor's, Varvara Nikanorava, in einer Studie.

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